Welternährungstag mahnt Hungersnot ungebrochen

Die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht von 868 Millionen Menschen weltweit aus, die unterernährt sind. Das ist mehr als das Zehnfache der Einwohnerzahl Deutschlands. Am stärksten betroffen sind Kinder.


Kinder leiden am stärksten unter Armut und Unterernährung
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Kinder leiden am stärksten unter Armut und Unterernährung

Hunger ist auf der Südhälfte der Erde bitterer Ernst und geht zu einem guten Teil auch auf das Konto der reichen Industrienationen. Der Welternährungstag am Dienstag (16.10.2012) will darauf aufmerksam machen.

Im Jahr 2000 hatten sich die Vereinten Nationen auf einen ganzen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Armut geeinigt - die UN-Millenniumsziele. Doch das Ziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, ist noch in weiter Ferne. Noch immer hungerten 870 Millionen Menschen, und ihre Zahl habe in Afrika und im Nahen Osten zugenommen, betonte der Chef der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), José Graziano da Silvaso.

Afrika und Asien betroffen


Laut Darstellung der Welthungerhilfe erschweren eine zunehmende Ressourcenknappheit sowie eine ungerechte Verteilung von Nahrung den Kampf gegen Unterernährung. Durchschnittswerte verbergen überdies weitreichende Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Ländern. Laut Welthungerindex (WHI) ging beispielsweise in Burundi der Wert deutlich nach oben. Das ostafrikanische Land ist demnach "gravierend" von Hunger betroffen, ebenso wie Swasiland, die Komoren, die Elfenbeinküste und Botsuana. Am stärksten gestiegen ist der Wert allerdings nicht in Afrika, sondern im fernen Asien, in Nordkorea.

Kindersterblichkeit und Mangelernährung


Weltweit sind etwa 100 Millionen Kinder unter fünf Jahren unterernährt
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Weltweit sind etwa 100 Millionen Kinder unter fünf Jahren unterernährt

Statistiken sind freilich nicht alles. Das zeigt ein Vergleich zwischen WHI und den Zahlen der Welternährungsorganisation FAO. Die FAO-Experten kommen aufgrund anderer Berechnungsmethoden zu teils abweichenden Ergebnissen. So beziehen sie anders als beim WHI Mangelernährung bei Kindern und die Kindersterblichkeit nicht mit ein. Gleichwohl spricht auch der Vorsitzende des Dachverbandes der deutschen Nichtregierungsorganisationen Venro, Ulrich Post, von einem positiven Trend, der freilich "sehr, sehr vorsichtig" zu beurteilen sei. Denn Euro-Krise, Nahrungsmittelspekulationen und andere Entwicklungen könnten die Zahlen möglicherweise bald schon wieder in die Höhe treiben.

Nahrungsmittelspekulation und Landraub

Für viele Helfer sind wirtschaftliche Interessen mit verantwortlich für den Hunger in der Welt. Jan Urhan, Kampagnenreferent von Oxfam Deutschland, nennt außer der Spekulation mit Nahrungsmitteln als auslösende Faktoren Landraub und den durch die Industrie mitverursachten Klimawandel. Mit dem Slogan "Mit Essen spielt man nicht" setzen sich Oxfam und andere Organisationen dafür ein, die Spekulation mit Nahrungsmitteln an europäischen Börsen zu stoppen.

Bewusstes Konsumverhalten gefordert

Jeder trage mit Sorge dafür, den weltweiten Hunger zu reduzieren, betont der Hamburger Erzbischof Werner Thissen. Der Misereor-Bischof mahnt die Deutschen zum Welternährungstag zu einem bewussteren Konsumverhalten. "Wenn wir ein- oder zweimal die Woche auf Fleisch verzichten und uns nach Möglichkeit mit regional produzierten Produkten versorgen, tragen wir dazu bei, dass die Hungernden in der Welt eine größere Überlebenschance bekommen."


Stand: 15.10.2012, 18.31 Uhr