FDP-Generalsekretär Lindner zurückgetreten Daniel Bahr: "Der kommt wieder"

Schwere Zeiten für die FDP: Schwache Position in der Koalition, verheerende Umfragewerte und nun der Rücktritt des Generalsekretärs. Im WDR 2 Mittagsmagazin bedauerte der FDP-Landesvorsitzende und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr Lindners Schritt.


FDP-Generalsekretär Christian Lindner (rechts) und Gesundheitsminister Daniel Bahr beim FDP-Bundesparteitag in Frankfurt am Main

WDR 2: Christian Lindner, junger, dynamischer Generalsekretär der FDP, ist zurückgetreten. Die Reaktionen fallen heftig aus. Der frühere Bundesinnenminister Gerhard Baum fordert den Rücktritt der gesamten FDP-Führungsspitze. Am Telefon ist Daniel Bahr, Chef der Liberalen in NRW und Bundesgesundheitsminister. Schönen guten Tag, Herr Bahr.

Bahr: Guten Tag, Frau Steinhauer. Ich grüße Sie.

WDR 2: Bevor ich Sie nach Herrn Baum frage, erstmal die Frage: Hat Sie Christian Lindners Rücktritt überrascht?


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Bahr: Ich habe heute Morgen mit ihm telefoniert. Ich habe auch die letzten Tage und Wochen mit ihm gesprochen. Ich wusste, dass er unzufrieden ist, dass er merkt, dass es unruhig ist in der Partei. Ich habe den Rücktritt heute sehr bedauert. Ich habe ihm auch davon abgeraten, aber er hatte sich schon heute Morgen dazu entschlossen. Ich finde es schade, weil Christian Lindner hat eine sehr gute Arbeit geleistet als Generalsekretär. Er war in der Tat Teil der neuen Führung, hat es auch vermocht, die FDP breiter aufzustellen. Aber wir sind als FDP in einer ganz schwierigen Lage, natürlich in großer Unsicherheit und er hat sich jetzt persönlich dazu entschlossen, für sich die Konsequenzen daraus zu ziehen. Das muss ich akzeptieren. Ich bedaure es, hätte ihn gerne weiter im Team gehabt. Ich bin mir aber sicher - er selber hat ja am Schluss "auf Wiedersehen" gesagt -, dass er spätestens in ein paar Jahren auch wieder eine herausgehobene Funktion in der FDP haben wird. Er ist ein großes Talent. Der kommt wieder.

WDR 2: Sie sagen, die FDP ist in einer schwierigen Lage. Baum sagt, die FDP ist in Lebensgefahr, fordert deshalb eben den Rücktritt der Führungsriege. Für diese radikale Forderung können Sie nicht sein. Wofür sind Sie?

Bahr: Herr Baum meldet sich seit Jahren immer wieder zu Wort, obwohl seine aktive Zeit ja nun schon Jahrzehnte zurückliegt. Er hat eigentlich schon von jedem FDP-Vorsitzenden den Rücktritt gefordert. Das überrascht mich nicht. Dass die FDP mal wieder in einer schwierigen Lage ist, das leugne ich ja gar nicht. Ich kann mich gut an das Ende der 90er erinnern, als die Lage der FDP noch schwieriger war. Wichtig ist, dass wir herauskommen, dass wir jetzt die richtige Entscheidung treffen. Wir erwarten den Mitgliederentscheid. Ich gehe davon aus, dass der europapolitische Kurs von Philipp Rösler unterstützt wird. Das gibt uns dann endlich auch eine Klarheit in der Position, dass die Zerstrittenheit der FDP in der Wahrnehmung endlich ein Ende hat, die FDP wieder geschlossener wird. Ich gehe davon aus und erwarte es auch, dass Philipp Rösler jetzt zügig Führung zeigt und damit deutlich macht, er ist der Vorsitzende, er weiß, wohin er die FDP führen will.

WDR 2: Wenn der Kurs nicht mitgetragen wird, dann bricht dieser Mitgliederentscheid der Euroskeptiker den Liberalen das Genick, oder?

Bahr: Ich will darüber nicht spekulieren, weil ich nicht davon ausgehe, dass das das Ergebnis sein wird. Ich habe selbst viele Veranstaltungen gemacht. Ich habe mit vielen Parteimitgliedern gesprochen. Mein Eindruck ist, dass die Mehrzahl der Parteimitglieder nicht die Beschlusslage der FDP verändern will. Das zeigt ja auch schon die geringe Beteiligung an dem Mitgliederentscheid. Das heißt, viele halten es für nicht erforderlich, dass die Parteibeschlusslage verändert wird. Da warten wir jetzt mal das Ergebnis am Freitag ab. Aber das kann auch eine Stärkung für den Parteivorsitzenden und die Führung sein. Denn immerhin haben wir diese Diskussion in der Partei geführt, während andere Parteien das ja vermieden haben. SPD und Union, sagen ganz viele Kollegen hinter vorgehaltener Hand, haben die Diskussion um den Eurokurs mit ihrer Partei ein bisschen gescheut. Wir haben uns dem gestellt. Jetzt warten wir das Ergebnis ab. Und das kann eben auch eine Stärkung der Parteiführung bedeuten.

WDR 2: Daniel Bahr, Chef der Liberalen in NRW und Bundesgesundheitsminister über den Rücktritt von Christian Lindner als Generalsekretär der Liberalen. Danke!

Das Interview führte WDR 2 Moderatorin Gisela Steinhauer.


Stand: 14.12.2011, 14.14 Uhr