Hilfspaket über 130 Milliarden Euro Athen erhält neues Rettungspaket

Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon haben die Euro-Länder ein neues Rettungspaket für Griechenland geschnürt. Das Volumen der öffentlichen Hilfen werde auf 130 Milliarden Euro bis 2014 begrenzt. Um trotz der schlechten Lage Griechenlands das Ziel eines Schuldenabbaus auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen, sollen die privaten Gläubiger dem Land mehr Schulden freiwillig erlassen.


Christine Lagarde und Jean-Claude Juncker bei der Pressekonferenz nach dem Treffen der Eurogruppe am 21.02.2012 in Brüssel

"Erfolg hängt von sorgfältigen Umsetzung ab"


Hauptziele des zweiten Pakets seien, die Staatsschulden beherrschbar zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wiederherzustellen, hieß es in der Erklärung der Eurogruppe. "Der Erfolg hängt entscheidend von einer sorgfältigen Umsetzung durch Griechenland ab." Die Regierung in Athen musste sich zu einem neuen Sparprogramm verpflichten und wird dabei künftig noch schärfer von den internationalen Gebern, den Euro-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), überwacht. Auch wird Griechenland wie von Deutschland gefordert ein Sonderkonto zur Schuldentilgung einrichten, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.

Angebot an private Gläubiger

Griechenland hat nun grünes Licht, um in den kommenden Tagen den privaten Gläubigern ein Angebot zum Schuldenschnitt zu unterbreiten. Banken und Fonds sollen auf einen großen Teil ihrer Forderungen von insgesamt rund 200 Milliarden Euro verzichten, indem sie alte Staatsanleihen gegen neue tauschen. Die Euro-Zone und der IWF rangen dem internationalen Bankenverband IIF als Unterhändler der Gläubiger einen höheren Sanierungsbeitrag ab. Sie sollen 53,5 Prozent des Nennwerts der Anleihen abschreiben statt 50 Prozent. Die Verzinsung wird auf zwei von eingangs drei Prozent gesenkt.


Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
Bild 3 vergrößern +

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Lücke musste geschlossen werden

Um wieder auf die Beine zu kommen, soll Griechenlands Schuldenstand bis 2020 auf 120,5 von derzeit mehr als 160 Prozent des BIP sinken. Die Euro-Länder hatten dazu noch eine Lücke von fast neun Prozentpunkten zu schließen, da sich die Rezession in den vergangenen Monaten noch verschärft hatte. Mit dem Transfer von Gewinnen aus Beständen griechischer Staatsanleihen sollen die Notenbanken dazu ebenfalls einen Beitrag leisten. Zudem werden die Zinsen auf die Hilfskredite an Griechenland aus dem ersten 110 Milliarden Euro schweren Programm weiter gesenkt. Dies soll die Schulden um 4,6 Prozent vom BIP drücken. "Wir haben es uns nicht leichtgemacht", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble. Das Volumen von 130 Milliarden Euro und das Schuldenziel von 120 Prozent vom BIP seien unverrückbar gewesen.


Stand: 21.02.2012, 12.24 Uhr