WDR 2 Interview mit Alexander Graf Lambsdorff "So eine Nummer geht nicht"

"Wir sind bereit zu helfen", meint Alexander Graf Lambsdorff (FDP) im WDR 2 Gespräch über die Griechenland-Krise. Aber: "Das urplötzliche, unangekündigte Referendum, das geht eben nicht", so der Europa-Parlamentarier.


Alexander Graf Lambsdorff, erster stellvertretender Vorsitzender der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) im europäischen Parlament
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Alexander Graf Lambsdorff, erster stellvertretender Vorsitzender der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) im europäischen Parlament

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WDR 2: Wenn wir mal alles zusammenrechnen, was wir wissen, dann ist die Währung in Griechenland bald wirklich wieder die Drachme. Am Telefon bei WDR 2 ist Alexander Graf Lambsdorff, Guten Morgen.

Graf Lambsdorff: Guten Morgen, Herr Schulz.

WDR 2: Für die FDP Mitglied des Europaparlaments. Im Moment sieht es so aus: Volksabstimmung in Griechenland, in vier Wochen dann doch schon. Die Griechen sagen‚ Meinungsstand heute, "nein" zum Rettungspaket und damit "nein" zum Euro. Dann kommt die Pleite, dann kommt die Währungsreform und dann sind wieder Banken in Not, dann geht es wieder von vorne los. Was glauben Sie?

Graf Lambsdorff: Also, ob die Wirklich "nein" sagen, müssen wir mal abwarten, es kommt ganz stark darauf an, welche Frage da der Papandreou stellt. Stellt er die Frage "Seid ihr für das Sparpaket", dann kriegen wir wahrscheinlich ein "Nein", weil da 60 Prozent gegen sind. Stellt er aber die Frage "Seid ihr dafür, dass wir in der Euro-Zone bleiben", dann kriegt er wahrscheinlich ein "Ja". Da sind 70 Prozent der Griechen für. Beides kann man nicht haben. Man kann nicht sagen, man ist gegen das Sparpaket und für den Verbleib in der Eurozone, weil ehrlich gesagt, ist die Geduld bei uns langsam erschöpft.

WDR 2: Warum?

Graf Lambsdorff: Naja, weil dieser unabgesprochene Vorstoß für so eine Volksabstimmung nach dem doch schwierigen Doppelgipfel, bei dem aber ein relativ überzeugendes Paket beschlossen worden ist, das hat ja allen vor den Kopf gestoßen, alle überrascht; denn damit werden die Märkte verunsichert, damit werden die Partner verunsichert. Das ist einfach ein Verhalten, das nicht geht, wenn man die Solidarität der Partner will, was in Ordnung ist in der Europäischen Union. Dann muss man sich aber auch solidarisch verhalten. Das ist ja keine Einbahnstraße.

WDR 2: Aber wäre das nicht eine Einmischung in innere Angelegenheiten? Darf Herr Papandreou nicht selbst entscheiden, wie er sich legitimiert?

Graf Lambsdorff: Ja, Herr Schulz, da haben Sie natürlich Recht. Aber in der Europäischen Union sind wir aus der Zeit des 19. Jahrhunderts eigentlich, wo jeder Staat völlig souverän, ganz alleine das tut, was er will, da sind wir eigentlich raus. Und ganz besonders in der Euro-Zone. Wir haben eine gemeinsame Währung, da haben wir gemeinsame Verantwortung, da hält man sich an gemeinsame Regeln, oder eben nicht. Die Griechen haben es lange nicht getan, wir sind bereit zu helfen, weil diese Regierung, die sozialistische Regierung in Griechenland, hat uns diesen Schlamassel nicht eingebrockt, deswegen sind wir bereit, da zu helfen, aber so eine Nummer wie das urplötzliche, unangekündigte Referendum, das geht eben nicht. Da muss man erstmal mit den anderen sprechen, ob die das auch okay finden.

WDR 2: Die Kanzlerin klang in der Nacht ziemlich streng, vor mehr als acht Stunden. Hat gesagt‚ ein bisschen Euro geht nicht, liebe Griechen, wir wollen mit Griechenland weitermachen, aber wir können auch ohne. Und wir hören schon, dass die Vorbereitungen laufen für eine Eurozone ohne Griechenland.  Ist das nicht das finale Signal an die Finanzmärkte, "Lasst die Finger von Allem, was Griechenland helfen könnte"?

Graf Lambsdorff: Nein, also, wenn man hier mit Signalen arbeiten wollen würde, dann müsste man sagen, also, eher das unabgestimmte Referendum wäre ein Signal, ich glaube aber gar nicht, dass das im Moment der Punkt ist. Ich habe ja gesagt, lassen Sie uns erstmal nicht notwendigerweise von einem "Nein" ausgehen, es kann auch sein, dass die mit "ja" abstimmen, dann greifen die Stabilisierungsmaßnahmen. Ich finde es richtig übrigens, dass man jetzt Auszahlungen der nächsten Tranche des Hilfspakets erstmal eingestellt hat. Wir brauchen Gewissheit, und wenn die Griechen sagen, sie wollen nicht mehr und sie wollen aus der Eurozone raus, dann muss man gucken, was man macht, aber ich glaube nicht, dass das der Punkt ist, an dem wir jetzt schon sind.


Stand: 03.11.2011, 09.48 Uhr