Antibiotika in der Hähnchenmast Johannes Remmel: "Medikamente sind die Regel"

Der Einsatz von Antibiotika in deutschen Tierställen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen - trotz Verbotes! NRW-Umweltminister Johannes Remmel erklärte im WDR 2 Morgenmagazin, was die neue Antibiotika-Datenbank dagegen bewirken kann.


Johannes Remmel
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Johannes Remmel

WDR 2: Trotz des Verbots von Antibiotika als Mastmittel in der Massentierhaltung in Deutschland gibt es ein massives Antibiotikaproblem. Das wissen wir nicht erst, seit der Bund für Umwelt- und Naturschutz am Montag Untersuchungen präsentiert hat, nach denen eine Vielzahl von Stichproben von Hähnchenfleisch mit antibiotikaresistenten Keimen verseucht war. NRW will Abhilfe schaffen, hat schon vor diesen Meldungen eine Antibiotika-Datenbank auf den Weg gebracht. Heute will Johannes Remmel, der Verbraucherschutzminister in NRW starten, da sollen dann die Antibiotika dokumentiert werden. Herr Remmel, ist das Pflicht für jeden Tierarzt oder Geflügelzüchter eine Antibiotikagabe zu melden oder ist das freiwillig?


Remmel: Derzeitig haben wir da eine rechtliche Lücke, die wir heute mit der Aktion freiwillig schließen wollen. Es gibt auch Verbände, die mitmachen, erklärt haben mitzumachen, aber was wir eigentlich bräuchten ist eine ordentliche rechtliche Grundlage, dass solche Daten auch verpflichtend in eine Datenbank eingepflegt werden können um nachzuvollziehen, wo wie viel Antibiotika gegeben worden ist.

WDR 2: Aber Schätzungszahlen gibt es ja schon und der Geflügelzüchter, der viel Antibiotika einsetzt, der müsste doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er Ihnen das meldet?

Remmel: Das ist in der Tat richtig. Unsere Untersuchungen, die wir vor Kurzem vorgelegt haben sind in der Tat erschreckend, gerade im Geflügelbereich. 96 Prozent der Hähnchen sind in ihrer kurzen Lebenszeit, 30–35 Tage, mit Antibiotika in Berührung gekommen. Also hier wird die Ausnahme, das Medikament, zur Regel. Das kann nicht sein und deshalb müssen wir das Ziel, und das ist das Wichtige, das Ziel Antibiotika mindestens in der nächsten Zeit kurzfristig um 50 Prozent deutlich nach vorne stellen.

WDR 2: Aber was bringt dann so eine Datenbank? Sie erfassen die Daten und zucken weiter mit den Schultern?

Remmel: Naja, wir in NRW gehen einen Schritt voran und wir haben ja auch schon mit unserer Studie bundesweit angestoßen jetzt mehr zu tun. Frau Aigner hat bis dahin geschlafen und sich verweigert.

WDR 2: Aber sie fordert jetzt beispielsweise eine Änderung des Arzneimittelgesetzes. Ist das nicht weitergehend als ihr Vorschlag, nur den Gebrauch von Antibiotika in einer Datenbank zu erfassen?

Remmel: Ich will mich da nicht in Konkurrenz dazu stellen. Was wir aber brauchen ist eine ordentliche Rechtsgrundlage und was Frau Aigner jetzt vorgelegt hat, hat viel zu viele Lücken. Wir werden das im Bundesrat entsprechend thematisieren. Es reicht nicht aus nur postleitzahlenscharf die Daten zu bekommen, wir brauchen sie betriebsscharf um auch wirklich auf den Betrieb zugehen zu können. Das soll ja nicht direkt in Richtung Bestrafung gehen, sondern vielleicht auch erst mal in Richtung Beratung, um die Geflügelmäster, aber auch andere Mäster vielleicht davon zu überzeugen das eine oder andere zu verbessern, damit man auf Medikamente, jedenfalls in dem Umfang, verzichten kann.

WDR 2: Aber folgen Sie nicht, egal ob Frau Aigner oder Sie, einer falschen Logik? Müsste nicht, statt Antibiotika einzudämmen, die Massentierhaltung abgeschafft werden, damit Antibiotika wirklich nur noch auch in Einzelfällen, d. h. bei kranken Tieren eingesetzt werden?

Remmel: Es gibt eine gewissen Tendenz bei unserer Untersuchung, dass wenn die Mastdauer länger ist und wenn die Einheiten kleiner sind, dass dann weniger Medikamente bis gar keine Antibiotika eingesetzt werden. Also in sofern gibt es klare Hinweise zu sagen, längere Zeit, also mehr Geduld, sich mehr Zeit zu nehmen und gleichzeitig die Einheiten kleiner zu machen, dann brauchen wir auch weniger Medikamente, insofern hat das schon was mit den Haltungsformen zu tun.

Das Gespräch führte WDR 2-Moderator Helmut Rehmsen

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Stand: 11.01.2012, 09.23 Uhr