WDR 2 Servicezeit - Sparen an der Stromrechnung: Preisexplosion an der Steckdose – was tun?
Vier von zehn Verbrauchern haben noch nie den Stromanbieter gewechselt. Dabei ist der so genannte Grundversorger nicht immer der günstigste Anbieter.

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Ein Stromstecker auf diversen Geldscheinen
Mit den Zahlen aus der letzten Stromabrechnung und der Postleitzahl lässt sich über Vergleichsportale im Netz leicht herausfinden, welche Anbieter zu welchem Preis ihren Strom liefern. Ein Cent pro Kilowattstunde (KWh) Unterschied kann dabei schon etwas ausmachen. Ein Beispiel: Wer im Jahr 4.000 KWh verbraucht und bei einem neuen Anbieter einen Cent weniger zahlt, spart so im Jahr bereits 40 Euro.
Billiger nicht immer am besten
Viele Anbieter locken mit erheblichen Rabatten bei Vorauskasse, langen Vertragslaufzeiten oder festen Strommengen. Verbraucherschützer sehen diese Punkte kritisch. Besonders von festen Strommengen raten sie ab. Der Grund: Wer die gebuchte Menge nicht abnimmt, zahlt trotzdem - und zwar für etwas, das er gar nicht genutzt hat. Wer im Internet nach günstigen Anbietern sucht, sollte diese Punkte unter den Suchoptionen der Vergleichsportale deshalb von vorneherein abwählen.
Manchmal ist es auch aus anderen Gründen sinnvoll, beim Grundversorger zu bleiben. Es gibt zum Beispiel Stadtwerke, die mit ihrem Stromverkauf öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder den Nahverkehr subventionieren. Unter Umständen ein Argument für den lokalen Anbieter.
Wechsel meist problemlos
Der Wechsel des Stromanbieters ist in der Regel sehr einfach, wenn die Kündigungsfrist eingehalten wird. Die gute Nachricht: Die meisten Formalitäten übernimmt in der Regel der neue Anbieter. Anders als beim Wechsel des Telefon- oder Internetanbieters kann es beim Stromanbieterwechsel auch nicht passieren, dass der Kunde plötzlich ohne Strom dasteht. Im Notfall übernimmt immer der lokale Anbieter die Versorgung. Experten raten, einmal im Jahr zu kontrollieren, wie teuer oder billig der eigene Stromversorger ist – und gegebenenfalls zu wechseln.
Stromfresser erkennen
Eine vierköpfige Familie verbraucht durchschnittlich zwischen 5.800 und 7.300 KWh Strom im Jahr, wenn sie einen Elektroherd hat und Wasser mit Strom aufbereitet. Es lohnt sich, die Geräte im Haushalt mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Einige sind nämlich regelrechte Stromfresser.
Richtig kühlen
Ein alter Kühlschrank verbraucht gut und gerne schon mal mehr als 1.300 kWh im Jahr. Ein neues Modell mit der Energieeffizienz A++ hingegen kommt mit gerade einmal 200 kWh aus. Das alte Gerät gegen ein neues zu tauschen, rechnet sich deshalb meist schon nach wenigen Jahren. Heute dürfen im Handel nur noch Kühlgeräte mit der Effizienzklasse A verkauft werden. Es lohnt sich deshalb, genau auf die Pluszeichen zu achten. Als Regel gilt: A+ verbraucht 20 Prozent weniger als A, A++ rund 40 Prozent weniger und A+++ sogar 60 Prozent weniger.
Wie viel die Geräte tatsächlich verbrauchen, lässt sich ganz einfach mit einem handelsüblichen Strommessgerät überprüfen. Übrigens: Im Kühlschrank reicht eine Temperatur von 7 Grad Celsius vollkommen aus, niedrigere Temperaturen sind unnötig und verbrauchen nur zusätzlichen Strom. Und: Gefriertruhen regelmäßig abtauen! Vereiste Geräte steigern der Stromverbrauch um bis zu einem Drittel.
Beim Kochen sparen
Das Kochen mit Elektroherd macht durchschnittlich fast acht Prozent der Stromkosten in privaten Haushalten aus. Auch hier lässt sich mit einfachen Mitteln Strom sparen: Nudel- oder Eierwasser erst im Wasserkocher erhitzen und dann auf die Platte stellen. Immer einen Deckel auf den Topf, sonst verpufft ein Großteil der Energie in die Küche. Bei allem, was lange Garzeiten benötigt, hilft ein Schnellkochtopf bis zu 50 Prozent der Energie zu sparen.
Beim Waschen sparen
Eine Waschmaschine benötigt pro Waschgang rund eine Kilowattstunde Strom, ein Trockner pro Ladung etwa dreimal so viel. Energieberater empfehlen deshalb, den Trockner nur selten zu benutzen und die Wäsche stattdessen ganz klassisch auf die gute alte Wäscheleine zu hängen – sofern dies möglich ist. Bei der Waschmaschine reichen 40 Grad Celsius für die meisten Textilien übrigens vollkommen aus.
Standby-Geräte abschalten
Rund elf Prozent des Stromverbrauchs privater Haushalte entstehen dadurch, dass Geräte auf Standby stehen, schätzt die Deutsche Energieagentur. Dabei lässt sich der Standby-Modus in den meisten Fällen problemlos abstellen. Bei einigen Geräten geht das aber nicht so leicht: Sie verbrauchen auch dann Energie, wenn sie gerade nicht benötigt werden, aber trotzdem an der Steckdose hängen.
Der Tipp in solchen Fällen: Alle Geräte, die nicht dauerhaft mit Strom versorgt werden müssen, an ausschaltbaren Steckerleisten zusammenfassen und darüber abschalten. Eine andere Möglichkeit sind Funksteckdosen. Die kann man mit einer Fernbedienung an- oder ausschalten. Diese Funkfernbedienungen brauchen zwar selbst auch Strom, aber das ist nur ein Bruchteil von dem, was eine TV-Anlage im Standby-Modus verbraucht.
Unbezahlbare Stromrechnung
Wer sich mit seinem Stromversorger um Vertragsbedingungen oder eine zu üppig ausgefallene Stromrechnung streitet und zu keiner Einigung kommt, der kann sich an die Schlichtungsstelle Energie in Berlin wenden. Die vermittelt seit Oktober 2011 in solchen Streitfällen – und zwar kostenlos für die Verbraucher.
Schwieriger wird es, wenn jemand eine korrekte Stromrechnung nicht mehr bezahlen kann. Ein wachsendes Problem in Zeiten kontinuierlich steigender Strompreise. Allein in Nordrhein-Westfalen ist im Jahr 2010 geschätzten 120.000 Haushalten der Strom gesperrt werden, so eine Hochrechnung der Verbraucherzentrale NRW. Die Verbraucherschützer haben zusammen mit dem Landesverbraucherministerium das Projekt "NRW bekämpft Energiearmut" gestartet. Seit Anfang Oktober gibt es in fünf Städten spezielle Beratungsangebote für Energieschuldner.
Stand: 17.10.2012, 09.00 Uhr
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