Neue Marketingaktion von Opel Autokauf auf Probe

Von Martin Gent

Eine Milliarde Autos fahren auf der Welt, allein in Deutschland stieg die Zahl in den letzten zehn Jahren von 39 auf 42 Millionen. Für manche ein Beleg für die Liebe des Menschen zum Automobil. Für andere ist die Motorisierung der Welt Folge einzigartiger Werbeoffensiven und erfolgreicher Lobbyarbeit. Doch die Autobranche steckt tief in der Krise und wehrt sich dagegen mit aberwitzigen Marketingaktionen.


Neuwagen im Verkaufsraum eines Opel-Händlers
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Neuwagen im Verkaufsraum eines Opel-Händlers

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Unter dem Motto "Begeistert oder einfach zurück" bietet Opel Neuwagen ab sofort zur Probe an. Bislang konnten Autokäufer nur bei schwerwiegenden Mängeln die Rücknahme ihres Fahrzeugs durchboxen. Opel jedoch gewährt volles Rückgaberecht bis 30 Tage und 3.000 Kilometer Strecke nach Kauf. Erhoben wird nur eine niedrige Nutzungspauschale, die sich beispielsweise für den Kleinwagen Opel Agila im günstigsten Fall auf gerade einmal sieben Cent pro Kilometer beläuft.

Trittbrettfahrer nicht ausgeschlossen

Billiger kann man kaum Auto fahren. So dürfte das generöse Opel-Angebot Liebhaber finden, die nie und nimmer tatsächlich ein Auto kaufen wollen. Gegenüber dem WDR sagte ein Opel-Sprecher, dass man nur einen "sehr, sehr kleinen Anteil" solcher Trittbrettfahrer erwarte. Der Aufwand, auf diesem Wege einen "Ersatzmietwagen" zu besorgen, sei doch sehr hoch. Lohnen könnte es sich, denn der ADAC taxiert die Kilometerkosten für einen Kleinwagen auf mindestens 30 Cent, wovon rund zwölf Cent auf den Wertverlust entfallen. Dabei gilt: Die ersten Kilometer im "Leben" eines Autos sind die teuersten, mit der Fahrt vom Hof des Autohändlers reduziert sich der Wert eines Autos schlagartig um einige hundert, wenn nicht tausend Euro. Für Opel dürfte also jeder zurückgegebene Wagen richtig Geld kosten, zumal der angeschlagene Autohersteller nach Berechnungen des Duisburger CAR-Instituts pro verkauftem Auto schon vor der Aktion fast 1.000 Euro minus machte. Opel selbst dementiert solche Zahlen, räumt aber ein, dass das Rabattniveau in Deutschland und auch bei Opel derzeit sehr hoch ist.

Kaufanreize ziehen nicht

Grund für die Talfahrt ist vor allem ein Absatzeinbruch in Südeuropa. Die Hersteller versuchen, ihre Produktionsanlagen weiter auszulasten und auf den noch einigermaßen funktionierenden Automärkten wie Deutschland besonders viele Autos zu verkaufen. So kommt es in der ganzen Branche zu einem gnadenlosen Rabatt-Wettlauf. Die 30 beliebtesten Neuwagen sind im Schnitt mit 19 Prozent Rabatt zu haben. Selbst bei Premiumfahrzeugen wie dem 3er BMW seien Kundenvorteile von rund 25 Prozent drin, sagt das Duisburger CAR-Institut. Einzelne Autos würden mit bis zu 35 Prozent Rabatt angeboten. Trotz überaus günstiger Preise wird aber nur verhalten gekauft. Die Hersteller korrigieren derzeit ihre Absatzerwartungen reihenweise nach unten. Selbst VW und Daimler, die mit dem Golf VII und der A-Klasse in diesem Herbst brandneue Autos anbieten, sind betroffen.

500 Werbe-Euro pro Neuwagen

Auch die Anstrengungen, den Menschen den Autokauf durch ein Mehr an Werbung schmackhaft zu machen, scheinen kaum noch zu fruchten. Die Autoindustrie als werbestärkste Branche in Deutschland hat im ersten Halbjahr die Werbeausgaben weiter nach oben geschraubt. Nach Angaben des Branchenblattes Automobilwoche wurden 838 Millionen Euro allein in klassische Autowerbung gesteckt. Bei rund 1,6 Millionen Neuzulassungen kommen so stolze 500 Werbe-Euro pro verkauftem Fahrzeug zusammen - für eine meist recht schlichte Botschaft: Autofahren ist toll, besonders natürlich in diesem Auto.


Stand: 21.09.2012, 18.02 Uhr