Verspätungen der Bahn Am Limit

Warten und Bibbern – das mussten diese Woche wieder viele Pendler und Bahnreisende, denn Verspätungen bei der Bahn gab es reichlich. Andreas Braun aus der WDR-Wirtschaftsredaktion über die Hintergründe.


Reisende warten am 16.04.2010 im Hauptbahnhof in Hamburg auf den Zug.
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Verspätung, dein Name sei 'Bahn'. Schuld für die Missstände liegen aber nicht beim Unternehmen alleine.

Fairerweise muss man sagen: Die Tasche mit dem Sprengstoff am Bonner Bahnhof hat bei der Bahn einiges durcheinander gebracht. Da musste ja lange abgesperrt werden. Und zwei Tage nach dem Bombenalarm in Bonn hat auch in Essen eine verdächtige Tasche einen Großeinsatz ausgelöst und den Bahnverkehr lahmgelegt - auch, wenn der Inhalt der grünen Sporttasche harmlos war. Aber auch da musste abgesperrt und der Fahrplan entsprechend umgestrickt werden. Das ist die eine Seite.

Bahn ohne Züge


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Auf der anderen Seite fehlen der Bahn aber auch schlichtweg die Züge. Und wenn etwas Unvorhergesehenes passiert oder ein Defekt einen Zug lahm legt, ist eben nicht genügend Material da, mit dem sie reagieren kann. Wörtlich hat sogar Bahn-Chef Rüdiger Grube gestern noch gesagt: "Die Bahn pfeift aus dem letzten Loch." An manchen Tagen wisse man überhaupt nicht, wie man das Geschäft noch hinbekommen soll. Das sind ja schon sehr deutliche Worte!

Abhängigkeit von Zulieferern und Behörden

Im Fernverkehr fehlen die ICE-Züge, die die Bahn bestellt hat. Da ist auch nach wie vor nicht klar, wann die Züge endlich von Siemens geliefert werden. Aber auch im Nahverkehr fehlt zusätzliches Material, das die Bahn bestellt hat. Und auch das könnte schon da sein, denn Züge im Wert von 60 Millionen Euro sind praktisch fertig – aber da lässt die Genehmigung vom Eisenbahnbundesamt auf sich warten.

Die gute Nachricht

Eine positive Nachricht für die Bahn gibt es dennoch: Sie steuert in diesem Jahr auf einen neuen Fahrgastrekord zu. Weil aber zusätzliche Züge fehlen, wird es in denen, die da sind, sehr voll. Das werden Reisende vor allem an den stark nachgefragten Reisetagen – zum Beispiel an Weihnachten und Silvester – noch mehr zu spüren bekommen als jetzt schon.

Reservierung ist Trumpf!

Wenn man sich nicht die Beine in den Bauch stehen will, muss man unbedingt Plätze reservieren. Das kostet zwar mehr, ist aber immer noch besser, als im Zug stundenlang zwischen den Abteilen oder auf dem Flur zu stehen. Ansonsten kann man bei Verspätungen nur versuchen, eine Entschädigung zu bekommen. Und da gilt grundsätzlich: Ab 60 Minuten Verspätung erhalten Fahrgäste eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten Verspätung 50 Prozent. Das gilt grundsätzlich auch für im Nahverkehr für Nutzer von Zeitkarten. Allerdings muss man mehrere Verspätungen von einer Stunde vorweisen können, sonst gibt es keine Entschädigungen von der Bahn.


Stand: 14.12.2012, 12.34 Uhr