Fernbuslinien seit 1. Januar erlaubt: Neue Reisefreiheit
Zwar konnte man schon länger mit Bussen durch Deutschland fahren. Jedoch im Linienverkehr nur auf wenigen Strecken. Nach Berlin oder von Düsseldorf nach Freiburg. Seit dem Jahreswechsel ist das anders.

-
Bild 1 vergrößern
+
Ein Fernbus vor dem Kölner Musical-Dome
Was ist neu?
Audio
- Audio: Fernbusse sind billiger - allerdings brauchen sie länger als die Bahn (01.02.2013) Uwe Möller / Stefan Quoos, WDR 2 Westzeit
Erstmal nur ein Gesetz. Das Personenbeförderungsgesetz wurde geändert. Seit 1934 schützte es die Bahn vor Konkurrenz. Bis heute waren deshalb Buslinien im Fernverkehr fast immer verboten, und die Bahn hatte praktisch die Möglichkeit, Busse auf allen Strecken zu untersagen, auf denen sie sich gestört fühlte.
Künftig ist Busfernverkehr prinzipiell erlaubt – egal, was die Bahn davon hält. Ein paar Ausnahmen gab es schon länger. So durften Busse unter bestimmten Bedingungen zum Beispiel von und nach Berlin fahren. Und wer ins Ausland will, hatte eine große Auswahl an Buslinien. Die meisten fuhren nach Osteuropa, aber es gab auch viele Linien in andere Länder.
Was heißt das ganz praktisch für uns in NRW?
Noch nicht sofort nach Neujahr, aber voraussichtlich ab dem Frühjahr wird es viele neue Fernverbindungen per Bus geben - vorwiegend von den Ballungszentren in NRW in andere Bundesländer. Für 2014 haben die Post und der ADAC angekündigt, auch in dieses neue Geschäft einsteigen zu wollen.
Mehr zum Thema bei WDR.de
Noch ist Busfernverkehr in NRW kaum verbreitet. Aber einige Linien gibt es bereits: z.B. Düsseldorf – Köln –Freiburg. Durch einen kleinen Trick darf die Gesellschaft Meinfernbus diese Strecke schon länger fahren. Es gibt einen Zwischenhalt in Straßburg. Deshalb ist es eine Auslandsverbindung, und die war bisher auch schon erlaubt. Und eine andere Gesellschaft (Deinbus) fährt regelmäßig von Köln nach Frankfurt. Auch da war streng genommen Linienverkehr bisher noch verboten. Deshalb arbeitet auch DeinBus mit einem legalen Trick: Es ist rechtlich nämlich kein Linienverkehr, sondern sammelt - wie eine Mitfahrzentrale - Mitfahrer und bietet dann die Strecken an, wenn genügend Mitfahrer zusammen sind.

-
Bild 2 vergrößern
+
Schnäppchen in Sicht: Durch die große Konkurrenz kann man zurzeit günstige Angebote buchen.
Viele neue Buslinien – besser als die Bahn oder das Auto?
Ganz klar: Für Normalzahler ist eine Busfahrt viel billiger als die Bahn. Wer zum Beispiel im Januar an einem Wochenende von Düsseldorf nach Freiburg und zurück will, zahlt bei Meinfernbus 40-50 €, mit der Bahn (ohne Bahncard) mindestens 130. Oder eine Busfahrt von Köln nach Frankfurt: Das ist schon für gerade mal 14 € im Bus möglich. Per Bahn kostet die einfache Fahrt zwischen 50-70 € - für 70 Euro ist sie allerdings mit gut einer Stunde auch mehr als doppelt so schnell. Und: Die Bahn fährt im Schnitt alle zwanzig Minuten nach Frankfurt. Und die Busse bisher nicht einmal jeden Tag. Das ist auch ganz prinzipiell der Nachteil einer Busfernreise: Man muss Zeit haben. Der Bus braucht zum Beispiel sechseinhalb Stunden zwischen Düsseldorf und Freiburg, die Bahn zwischen dreieinhalb und viereinhalb.
Aber: Manche schätzen die persönliche Busfahrt mehr als die Reise in einem großen Zug. Da ist der Kontakt zum Busfahrer. Und in vielen Bussen wird eine kostenlose Internetverbindung per WLAN angeboten – das gibt es bei der Bahn nur selten und muss dann noch bezahlt werden. Kaffee, Snacks und kalte Getränke sind im Bus ebenso wie eine Toilette selbstverständlich.
Busfahren gilt als umweltfreundlich - stimmt das?
Wie umweltfreundliche ist der Bus?
Im Prinzip ja. Es gibt hierzu verschiedene Studien und Gutachten. Generell gilt: Je höher die Auslastung, desto umweltfreundlicher das Verkehrsmittel. 1,5 Liter haben Experten des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung pro 100km und beförderter Personen für Busse errechnet. Die Bahn kommt auf 2,5 Liter.
Das Auto schafft es gerade mal auf fünf Liter. Ganz schlecht ist das Auto übrigens nicht, auch wenn es nicht die Werte von Zug oder Bahn erreicht. Wenn drei oder vier Passagiere in einem Auto unterwegs sind, ist dies mindestens so umweltfreundlich wie mit der Bahn.
Fazit: Der Bus ist tatsächlich besonders umweltfreundlich, aber nur, wenn er gut ausgelastet ist – dafür wird vermutlich das Preissystem sorgen, das – ähnlich wie wir es bei Billigfliegern und teilweise auch bei der Bahn kennen – für schwache Verbindungen durch besonders niedrige Preise hohe Anreize setzt.

-
Bild 3 vergrößern
+
Okay, Betten sind bequemer, aber gemütlich geht's auch im Bus!
Weitere Infos gibt es hier:
Busfernverbindungen in Deutschland:
- MeinFernbus fährt vor allem in Süddeutschland. Es gibt aber auch eine Strecke, die in Köln oder Düsseldorf startet und nach Straßburg/Freiburg führt:
- DeinBus fährt ebenfalls vor allem im Süden der Republik. Für Nordrhein-Westfalen interessant: die Verbindung Düsseldorf/Köln-Frankfurt.
- Auch die Deutsche Touring, spezialisiert auf Auslandsfahrten, verkehrt auf innerdeutschen Strecken – bisher aber nicht in NRW. Weitere Linien sind in Planung.
- Ein weiterer Anbieter ist BerlinLinienBus. Wie der Name schon sagt, gibt es hier vor allem unzählige Verbindungen von und nach Berlin:
Linienbusse ins Ausland
Wer von den großen Städten in NRW ins Ausland per Bus fahren will, hat eine große Auswahl. Die meisten Busse fahren von den zentralen Omnibusbahnhöfen ab. Die Hauptziele liegen in Ost- und Südosteuropa. Aber auch fast alle anderen Länder in Europa, zum Teil darüber hinaus, werden angesteuert. Angeblich sind es insgesamt 700 Ziele in 34 Ländern. Hauptanbieter ist die Deutsche Touring:
Billige Preise bei der Bahn:
Auch bei der Bahn muss niemand den vollen Normalpreis zahlen – wenn rechtzeitig geplant wird. Der Sparpreisfinder der Bahn AG zeigt für eine gewählte Verbindung auf einen Blick, wann die Zugfahrt besonders preiswert ist. Wer etwa bereit ist, ein oder zwei Stunden früher oder später zu fahren oder statt einer Direktverbindung ein – oder zweimal umzusteigen bereit ist, kann viel Geld sparen.
Stand: 02.01.2013, 09.07 Uhr
Seite teilen
Über Soziale Medien