WDR 2 Quintessenz - Private Altersvorsorge: Richtig Riestern
Rund 15 Millionen Bundesbürger haben einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Zum zehnten Geburtstag der staatlich geförderten Altersvorsorge kritisieren allerdings gleich mehrere Untersuchungen viele Verträge als zu kompliziert, bürokratisch, intransparent, teuer, unflexibel und unrentabel. Wer klug auswählt, kann aber nach wie vor ein rentables Produkt finden.

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Riester Rente
Umbau der Altersvorsorge
Die finanziellen Schwierigkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung hat die Bundesregierung vor zehn Jahren veranlasst, das zukünftige Rentenniveau zu senken. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber 2002 die Möglichkeit geschaffen, über einen Riester-Vertrag mit staatlicher Förderung für das Alter vorzusorgen. Doch bloß weil eine Altervorsorge riester-fähig ist, heißt das noch lange nicht, dass sie eine gute Geldanlage ist.
Die staatliche Förderung garantiert dem Sparer keinen sinnvollen und rentablen Vertrag. Deshalb ist es hier genauso wichtig wie bei nicht geförderter Altersvorsorge, die passende Vertragsform und ein rentables Produkt zu finden. Dann kann – trotz aller Kritik – ein Riestervertrag für viele Sparer, ein lohnenswerter Baustein sein, um die Rente im Alter aufzubessern.
Riester ist nicht gleich Riester
Die unterschiedliche Qualität von Riesterverträgen macht es Verbrauchern nicht leicht, das richtige Produkt zu finden. Mindestens ebenso verwirrend ist, dass es sechs verschiedene Arten von Riesterverträgen gibt. Versicherungen im eigentlichen Sinne sind die klassische Riester-Rentenversicherung und die fondsgebundene Rentenversicherung. Daneben gibt es noch Banksparpläne, Fondssparpläne, Bausparverträge und Wohnriester.
Allen ist gemein, dass sie staatlich gefördert werden und dass am Ende der Laufzeit mindestens das eingezahlte Kapital inklusive der Förderung vom Staat noch vorhanden sein muss. Ansonsten unterscheiden sich die einzelnen Sparformen aber stark voneinander. Deshalb ist es wichtig, dass sich Sparer, die mit einem Riestervertrag liebäugeln, zunächst für eine der Riesterarten entscheiden.
Mehr Transparenz
Nachbessern will der Gesetzgeber bei den Riesterangeboten in Sachen Transparenz. Ein einheitliches Produktinformationsblatt soll die wesentlichen Kennzahlen eines Vertrages nennen (wie Kosten, Rendite, Renten). Damit werden schlechte Produkte noch nicht zu guten, aber immerhin kann der Verbraucher die Verträge dann besser vergleichen als bisher.
Der richtige Riester
Beliebt sind aktuell das Riester-Bausparen und das Wohnriestern. Im zweiten Quartal waren laut Stiftung Warentest vier von fünf neu abgeschlossenen Riesterverträgen eine dieser beiden Vertragsarten. Ihr Vorteil: Wer plant, ein Eigenheim zu finanzieren, kann dafür die Riesterförderung nutzen. Der Nachteil: Noch sind die Regeln recht kompliziert, insbesondere falls die Immobilie später irgendwann einmal verkauft wird und nicht mehr vom Riestersparer selbst bewohnt wird.
Aktuell seltener abgeschlossen werden die Riesterrentenversicherungen. Sowohl viele klassische Rentenversicherungen und erst Recht viele Produkte auf Fondsbasis haben hohe Abschluss- und Verwaltungskosten und sind deshalb besonders kritisiert worden. Und weil die Versicherer ihre Prognosen dafür erhöht haben, wie lange ein Riestersparer im Alter von seinem Vertrag profitieren wird, und für Verträge ab 2012 beispielsweise nur noch ein Garantiezins von 1,75 Prozent gezahlt wird, nagen die hohen Kosten oft sehr kräftig an den Renditen.
Gerade sicherheitsorientierten Sparern ohne konkrete Pläne für ein Eigenheim empfehlen Verbraucherschützer einen Riester-Banksparplan: Da fallen kaum Kosten an und der Vertrag ist deshalb besonders flexibel und kann später auch noch in eine andere Riestervariante umgewandelt werden. Fondssparpläne empfehlen Verbraucherschützer nur jungen Sparern, die lange genug Zeit haben, das Auf- und Ab der Fonds und Börsen über die Jahrzehnte auszugleichen.
Hilfe vom Staat
Lohnend an Riester-Verträgen ist, dass der Staat ordentlich Geld dazu gibt - in Form von direkten Zuschüssen und darüber hinaus gegebenenfalls auch noch über Steuerersparnisse. Riestern können Angestellte, Beamte und alle anderen, die über ihre Beschäftigung in der gesetzlichen Rente pflichtversichert sind oder mit einem förderberechtigten Partner verheiratet sind. Jeder Riestersparer erhält für sich selbst eine Zulage von 154 Euro im Jahr. Für jedes Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht, gibt es weitere Zulagen. Wie hoch die sind, hängt davon ab, wann das Kind geboren wurde. Für alle ab Jahrgang 2008 sind das 300 Euro im Jahr.
Die Voraussetzung für die volle Zulage: Der Sparer legt pro Jahr inklusive der Zulagen vier Prozent seines Bruttoeinkommens an. Wer zum Beispiel 2.000 Euro brutto im Monat verdient, also im Jahr 24.000 Euro, muss 960 Euro pro Jahr in einen Riestervertrag stecken, wenn er die vollen Zulagen erhalten will. Bei einer Mutter mit kleinem Kind, machen die dann 454 Euro im Jahr aus. Das bedeutet, die Beispielmutter selbst muss nur 506 einzahlen, also gut 42 Euro im Monat.
Darüber hinaus lassen sich die Beiträge für einen Riestervertrag bis zu einer Grenze von aktuell 2.100 Euro im Jahr bei der Steuererklärung angeben. Je nach Steuerklasse und Verdienst kommen dann zu den direkten Zulagen auch noch Steuerersparnisse dazu.
Neben der staatlichen Förderung haben Riester-Verträge noch zwei weitere Vorteile: Zumindest in der Ansparphase sind sie Hartz-IV-sicher. Das bedeutet: Anders als bei nicht geförderter Altersvorsorge muss im Falle von Arbeitslosigkeit das für das Alter angesparte Geld nicht angetastet werden. Und je nach Riesterform lassen sich die Beiträge problemlos an das Einkommen anpassen.
Nachteile
Neben dem Problem mit den sehr hohen Kosten bei einigen Riesterformen hat die staatlich geförderte Altersvorsorge weitere Nachteile: Der Hauptteil des Kapitals muss im Alter verrentet werden. Nur maximal 30 Prozent des angesparten Kapitals kann sich ein Sparer zu Rentenbeginn als Einmalbetrag auszahlen lassen. Seine Zulagen und Steuerersparnisse darf nur behalten, wer im Rentenalter innerhalb Europas seinen Wohnsitz hat. Und außerdem muss die Riesterrente komplett versteuert werden. Da der Steuersatz im Alter bei den meisten aber geringer ist als während des Arbeitslebens, lohnt sich das Riestern trotzdem für viele.
Wann sinnvoll?
Audio
- Audio: WDR 2 Quintessenz: Private Altersvorsorge (31.10.2012) Barbara Claesges, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
- Altersvorsorge-Check (Servicezeit) (31.10.2012)
Lohnenswert ist ein Riestervertrag dann, wenn ein Sparer von den Zulagen und/oder der Steuerersparnis profitiert und eine Sparform sucht, mit der er seine Rente später regelmäßig aufbessern kann. Günstige Verträge mit geringeren Kosten und höherer Verzinsung können viele Mitarbeiter von Kirchen und im öffentlichen Dienst über ihre Versorgungskassen abschließen.
Stand: 31.10.2012, 09.00 Uhr
- WDR 2 Quintessenz - Richtig Riestern: Den passenden Riestervertrag finden (18.10.2012)
- Wie funktioniert die Riester-Rente? laut Verbraucherzentrale NRW
- Vor- und Nachteile einzelner Riester-Sparformen laut Stiftung Warentest
- Tests zu einzelnen Riester-Sparformen der Stiftung Warentest
- Bund der Versicherten kritisiert geplante Gesetzesänderungen
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zu geplanter Gesetzesänderung und Alternativen
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