WDR 2 Quintessenz - Mobile Alternative Das Ein-Weg-Carsharing

Von Frank Wörner

Carsharing hat sich in den letzten Jahren vor allem in den großen Städten immer weiter verbreitet. Jetzt gibt es in NRW neue Angebote, die deutlich flexibler sind als die bisherigen. Es gibt allerdings auch Nachteile.


Heckscheibe mit Aufschrift "Carsharing"
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Heckscheibe mit Aufschrift "Carsharing"

Bei den klassischen Carsharing-Angeboten holt der Autofahrer das reservierte Fahrzeug an festen Parkplätzen ab und muss sie auch meist an diesen Parkplätzen wieder zurückgeben. Einweggfahrten, etwa um mit dem Auto ins Zentrum und später mit Bus oder Bahn wieder nach Hause zurückzufahren, sind dabei in der Regel nicht möglich. Hier setzen die neuen Anbieter an: Sie setzen darauf, dass die Kunden ihre Fahrzeuge zum Beispiel im Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen.

Wie funktioniert das System?

Wer einen Wagen buchen will, kann ihn entweder am Straßenrand auflesen - falls ihn nicht ein anderer Kunde bereits reserviert hat - oder er sucht ihn über sein Smartphone. Die entsprechenden Apps zeigen Fahrzeuge in der Nähe an, die dann für eine spontane Fahrt einige Minuten lang reserviert werden können. So kann der Nutzer immer spontan und kurzfristig in ein Auto steigen, wenn er es braucht. Nachteil: Wenn gerade kein freies Auto in der Nähe ist, hat er Pech gehabt - einen Anspruch auf ein freies Fahrzeug gibt es nicht.

Was kostet die Fahrt?

Die genauen Preise können sich je nach Stadt und Anbieter unterscheiden. In der Regel werden um die 30 Cent pro Minute fällig, die der Kunde mit dem Wagen fährt. Kraftstoffkosten und Parkgebühren sind darin bereits enthalten, für längere Strecken fallen teils zusätzliche Kilometer-Abgaben an. Außerdem gibt es Pauschalen, die längere Fahrten ermöglichen. Abgerechnet wird nach der Benutzung über Kreditkarte.

Wie läuft die Miete des Fahrzeugs ab?

Bei der Registrierung bekommen Kunden einen Chip, der z. B. auf den Führerschein geklebt wird. Diesen hält der Kunde vor einen Sensor in der Windschutzscheibe des Fahrzeugs, um es zu öffnen. Um das Auto zu starten, ist zusätzlich ein persönlicher Code nötig. Nach Ende der Nutzung wird das Auto im jeweiligen Geschäftsgebiet - meist zentral gelegene Stadtteile und angrenzende Gebiete - auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt und über den Chip verriegelt. Wer das Fahrzeug später weiter nutzen möchte, kann es auch vorübergehend abstellen, muss dann aber für diesen Zeitraum ebenfalls bezahlen.

Wo gibt es das flexible Carsharing?

Bisher gibt es derartige Angebote vor allem in deutschen und europäischen Großstädten. In Nordrhein-Westfalen war Düsseldorf die erste Stadt, in der die beiden Anbieter DriveNow und Car2go gestartet sind. Köln stand für September 2012 auf dem Plan der beiden Unternehmen, weitere Städte dürften folgen - wenn es sich für die Anbieter lohnt.

Welche Nachteile haben die neuen Angebote gegenüber klassischen?


Ein Nachteil ist, dass Fahrzeuge in der Regel nicht im Voraus reserviert werden können. Es kann also passieren, dass ein Kunde kein Fahrzeug in der Nähe findet. Außerdem gibt es nur wenige Fahrzeugtypen, in der Regel kleine oder kompakte Wagen. Wer z. B. einen Transporter für den Einkauf im Möbelhaus braucht, wird bei den klassischen Carsharing-Anbietern eher fündig. Und: Der Wagen muss nach der Benutzung wieder ins „Geschäftsgebiet“- meist zentral gelegene Stadtteile und angrenzende Gebiete – zurückgebracht werden.


Stand: 24.08.2012, 09.00 Uhr