WDR 2 Quintessenz - Neugierig und informationsbereit? Kostenlose Computerprogramme

Von Jörg Brunsmann

Im Internet gibt es heute eine unglaubliche Menge von Software, die man kostenlos herunterladen kann. Auf den ersten Blick kann man zu dem Schluss kommen: Wer für ein Programmpaket noch größere Beträge ausgibt, ist selbst Schuld. Dabei lohnt oft ein genauer Blick auf die Programme. Häufig sind sie zwar kostenlos - aber nicht umsonst.


Laptop inmitten von CDs
Bild 1 vergrößern +

Laptop inmitten von CDs

Bildverwaltungsprogramm Picasa unter Spionageverdacht

Bezahlt wird mit Daten – mit den Daten des Nutzers. Unternehmen wie Google oder Facebook leben vom Sammeln und Vermarkten von Nutzerdaten; daher ist es naheliegend, dass sie kostenlos verteilte Programme zu eben diesem Zweck einsetzen. Unter Spionage-Verdacht steht für viele Nutzer beispielsweise das Bildverwaltungsprogramm Picasa. Ein Programm, das früher für 25 Dollar verkauft wurde, seit der Übernahme des Entwicklerstudios durch Google aber kostenlos verteilt und zudem weiterentwickelt wird. Gerade bei Picasa lässt sich der Spionageverdacht aber weder richtig bestätigen noch widerlegen. Google selbst sagt, man nutze vorhandene Daten nur, um Picasa zu verbessern. Gleichzeitig findet sich in den Nutzungsbedingungen von Picasa aber eine Passage, in der Google sich das Recht einräumen lässt, Inhalte an andere Unternehmen oder Organisationen weiterzugeben.

Wer steckt hinter dem kostenlosen Programm?

Generell gilt: Wer kostenlos angebotene Programme nutzt, sollte einen etwas genaueren Blick darauf werfen. Nicht jedes Programm, das man legal und ohne Bezahlung im Internet bekommt, hegt tatsächlich Spionageabsichten. Es gibt viele kleinere Programme, die die Programmierer quasi als Hobby oder aus Eigeninteresse erstellt haben - und die sie der Allgemeinheit ohne weitere Hintergedanken zur Verfügung stellen. Es gibt Programme wie den Browser Firefox oder die Bürosoftware Libre Office (der Nachfolger von Open Office), die von einer ganzen Entwicklergemeinde getragen werden, weil man das Feld nicht einzig großen Konzernen überlassen will. Oder es gibt Programme, die nur teilweise kostenlos sind, bei denen man erst bei längerer Nutzung oder falls man mehr Möglichkeiten haben will, bezahlen muss.

Firewall kann spionierende Programme enttarnen

Wer sicher gehen will, dass er sich nicht mehr oder weniger zufällig ein solches Spionageprogramm auf seinen PC geholt hat, kann mit Hilfe eines Firewall-Programms den Internet-Zugriff des Programms blockieren oder zumindest einschränken. Allerdings kann es dadurch passieren, dass das Programm seine Arbeit ganz einstellt.

Der neue Trend: Spionieren per App


Inzwischen geht der Trend allerdings eher weg vom spionierenden PC-Programm in Richtung Smartphone. Immer mehr Menschen haben eines der neuen Handys – und sie speichern darin vor allem Daten, die für die Werbeindustrie hochinteressant sind. Der aktuelle Aufenthaltsort, Namen und Adressen im Telefonbuch und vieles mehr. Experten haben sich populäre Apps für das iPhone vorgeknöpft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass etwa jedes neunte Programm spioniert. In der Regel werden Daten verschickt, ohne den Nutzer auch nur zu fragen. Machen kann man dagegen im Moment relativ wenig. Beim iPhone gibt es immerhin die Möglichkeit, den Programmen den Zugriff auf den Ortungsdienst zu verbieten; beim Handy-Betriebssystem Android sind die Möglichkeiten in der Regel etwas besser ausgefeilt, dort lässt sich auch der Internetzugriff für einzelne Apps unterbinden.


Stand: 20.08.2012, 09.39 Uhr