WDR 2 Quintessenz - Haushaltscheck Ruin durch Eigenheim

Von Barbara Claesges

Die Mieten sind hoch, die Zinsen so niedrig wie selten zuvor. Eigentlich die perfekte Voraussetzung für die Anschaffung eines eigenen Hauses oder einer eigenen Wohnung. Aber ein noch so günstiges Darlehen sollte nicht dazu verleiten, jetzt auf die Schnelle und um jeden Preis ein Eigenheim zu kaufen.


Finanzierungsantrag neben Taschenrechner und Hausmodell
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Finanzierungsantrag neben Taschenrechner und Hausmodell

Maximale Belastung

Verbraucherschützer raten, dass die Raten für das Eigenheim inklusive aller Nebenkosten maximal 30 bis 40 Prozent vom Nettoeinkommen ausmachen sollten. Allerdings ist das nur eine Faustregel. Denn schließlich ist entscheidend, was es sonst noch an regelmäßigen Ausgaben gibt - etwa für die Lebenshaltung oder langfristige Verträge wie Versicherungen. Auch wenn zum Beispiel noch Raten für ein Auto abbezahlt werden oder regelmäßig Unterhaltszahlungen fällig sind, schmälert das den Spielraum. Auf der sicheren Seite ist in der Regel, wer für Eigenheimfinanzierung, Nebenkosten und Rücklagen nicht mehr zahlt als bislang an Miete.

Vorsicht Zusatzkosten!

Viele angehende Eigenheimbesitzer unterschätzen völlig, wie viel Geld regelmäßig für die Nebenkosten im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung anfällt – und zwar zusätzlich zu den Darlehensraten. Das sind oft drei Euro oder mehr pro Quadratmeter Wohnfläche für Gebäudeversicherung, Grundbesitzabgabe, Strom, Heizung und, und, und.

Ein anderer oft unterschätzter Kostenfaktor: Die Instandhaltungskosten. Gerade wer eine gebrauchte Immobilie kauft, muss sich vorab ein realistisches Bild davon machen, wann etwa die nächste Heizungs- oder Dachsanierung fällig wird. Aber auch wer selber baut, darf nicht unterschätzen, dass in zehn, fünfzehn Jahren spätestens die ersten größeren Reparaturen anstehen. Dann ist das Eigenheim aber noch längst nicht abbezahlt, und diese Kosten müssen zusätzlich gestemmt werden. Das heißt, dass man dafür am besten regelmäßig Geld ansparen muss.

Vollfinanzierung

Früher haben Banken schon mal öfter eine sogenannte 100-Prozent-Finanzierung angeboten. Das heißt, das Darlehen deckt den kompletten Kaufpreis der Immobilie ab. Der Käufer muss darüber hinaus die „Kauf-Nebenkosten“ etwa für Notar, Grunderwerbssteuer, Grundbucheintrag und Maklerprovision aus dem Ersparten beisteuern. Diese Nebenkosten belaufen sich oft auf zehn bis 15 Prozent der Kaufsumme. Spätestens seit der Finanzkrise fordern die Banken allerdings meist mehr Sicherheiten oder Eigenkapital.

Ein Nachteil der 100-Prozent-Finanzierung für den Käufer: Je geringer das Eigenkapital, desto höher der Zinssatz. Und da machen wenige Nachkommastellen über die Jahre oft etliche tausend Euro Unterschied aus. Außerdem besteht die Gefahr, dass nach dem Auslaufen des ersten Darlehens die Zinsen der Anschlussfinanzierung erheblich höher sein können und dass ein voll finanziertes Eigenheim dann unbezahlbar wird.

Eigenkapital

Mindestens 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises inklusive der Nebenkosten sollten Käufer an Eigenkapital haben, empfehlen Verbraucherschützer. In Zeiten niedriger Zinsen raten sie, direkt mit einer Tilgung von zwei bis drei Prozent zu starten. Wer das stemmen kann, hat eine solide Basis und gute Aussichten in 20 bis 25 Jahren das Eigenheim wirklich sein eigen nennen zu können.
Tipp: In Darlehensverträgen sollte immer das Recht zu Sondertilgungen und zur Änderung des Tilgungssatzes eingeräumt werden.

Familie absichern

Gerade für Familien ist es wichtig, für den schlimmsten Fall vorzusorgen. Was passiert, wenn der Hauptverdiener stirbt? Damit dann nicht auch noch das Zuhause aufgegeben werden muss, ist es wichtig eine Risikolebensversicherung abzuschließen. Ähnliches gilt für den Fall der Berufsunfähigkeit.

Knappe Kasse

Wenn sich plötzlich die finanzielle Lage radikal verändert, etwa weil der Job weg ist, kommen viele Verbraucher mit ihrer Eigenheimfinanzierung ins Schleudern. Wird es eng mit dem Geld und sind andere Sparmöglichkeiten ausgeschöpft, sollte man mit der Bank sprechen. Viele Banken stimmen einer –  zeitlich begrenzten - Reduzierung oder Aussetzung des Tilgungsraten zu. In vielen Verträgen ist heute auch schon die Möglichkeit eingeräumt, genau das zu tun. Weniger flexibel sind die Baufinanzierer in der Regel bei den Zinssätzen, also dem was sie an dem Darlehen verdienen.

Auf gar keinen Fall sollte man die Raten für das Haus einfach nicht mehr zahlen. Wenn klar ist, dass das Projekt Eigenheim abgewickelt werden muss, gilt ebenfalls: Mit der Bank reden, wenn möglich Zahlungen eine Zeit lang reduzieren oder aussetzen und dann das Haus in Ruhe zu einem möglichst guten Preis verkaufen. In der Regel verlangt die Bank dann zusätzlich zur restlichen Darlehenssumme eine Vorfälligkeitsentschädigung als Ausgleich für die entgangenen Zinsen. Und die kann viele tausend Euro betragen.

Zwangsversteigerung vermeiden


Zusätzliche Gebühren und verlustreiche Verhandlungen mit der Bank sind allemal besser als eine Zwangsversteigerung. Denn da wird die Immobilie meist weit unter Wert verkauft, und der Verkaufspreis deckt nicht einmal annähernd die Restschuld. Die muss der ehemalige Eigenheimbesitzer aber immer noch abbezahlen, so dass er am Ende nicht nur ohne Haus da steht, sondern auch noch Jahre später Kredite abstottert für den gescheiterten Traum vom Eigenheim.


Stand: 26.10.2012, 00.00 Uhr