WDR 2 Quintessenz - Kranke Tiere: Besser zum Arzt!
Hatschi! Ein herzhaftes Niesen oder Husten, und schon sind Millionen winziger Krankheitserreger unterwegs. Und zwar nicht nur in Bussen, Bahnen und Büros, sondern auch auf Hundewiesen und unter den Katzen. Auch unsere Haustiere plagt die Erkältungszeit. Selbst Hasen und Meerschweinchen kann es erwischen.

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Ein Hund wird beim Arzt untersucht
Was viele Tierfreunde nicht wissen: die vierbeinigen Hausgenossen können sich nicht nur bei ihren Artgenossen anstecken, sondern auch bei ihren Menschen. Gleiche Krankheit heißt aber nicht gleiche Behandlung: der Griff in die menschliche Hausapotheke zur Behandlung von Tieren ist tabu.
Erkältungen bei Tieren
Die Palette der Erkältungskrankheiten bei Haustieren ist ähnlich wie beim Menschen: Husten, Schnupfen, Halsentzündung. Oft verlaufen die Erkrankungen harmlos und heilen von allein aus. In schweren Fällen sollte das Tier aber dem Arzt vorgestellt werden. Das gilt z.B. für den sogenannten 'Zwingerhusten' beim Hund und den speziellen 'Katzenschnupfen', beides ansteckende Infektionskrankheiten.
Zwingerhusten: Ist eine Erkrankung der oberen Atemwege beim Hund. Kehlkopf, Bronchien und Luftröhre sind entzündet. Das Tier röchelt und würgt, als hätte es etwas in der Kehle sitzen, und spuckt schaumigen Auswurf aus. Das klingt ähnlich wie Keuchhusten bei Kindern, und in der Tat sind die Erreger auch verwandt. Zwingerhusten lässt sich gut behandeln, oft sogar ohne Antibiotika. Man sollte den Hund aber auf jeden Fall dem Tierarzt vorstellen.
Katzenschnupfen: Ist eine Infektionskrankheit, die vor allem zu einer Entzündung der oberen Atemwege und der Augen führt. Sie befällt insbesondere sehr junge, noch nicht geimpfte Kätzchen. Katzenschnupfen kann schlimmstenfalls tödlich enden. Häufig bleiben Spätschäden zurück wie chronischer Schnupfen oder Augenschäden, bis hin zur Erblindung. Wer bei seiner Katze eitrig verklebte Augen und eitrigen Schnupfen bemerkt, sollte das Tier deshalb umgehend zum Arzt bringen.
Auch reine Wohnungskatzen können Katzenschnupfen bekommen, weil der Erreger auch indirekt – also z.B. über unsere Schuhe oder die Kleidung – übertragen wird.
Achtung: Auch wenn es sich nicht um den speziellen Katzenschnupfen handelt, kann eine laufende Nase bei einer Katze Symptom eines anderen ernsten Problems sein, z.B. könnte ein Fremdkörper in der Nase stecken.
Fiebermessen:
Die Normaltemperatur von Hunden und Katzen ist je nach Rasse und Größe unterschiedlich. Kleinere Rassen und Jungtiere haben eine höhere Temperatur als große Rassen und ausgewachsene Tiere. Außerdem ist die Körpertemperatur nach viel Bewegung und nach dem Fressen erhöht.
Faustregel: bei etwa 39,5 Grad fängt das Fieber an. Gemessen wird rektal, die Messmethode in den Ohren ist zu ungenau. Man kann hilfsweise ein Fieberthermometer für Menschen benutzen, besser ist ein spezielles Tier-Thermometer. Das ist kleiner und hat eine flexible Spitze. Die Spitze sollte man mit etwas Vaseline oder Creme einschmieren und sich Verstärkung holen. Wenn eine zweite Person das Tier festhält, streichelt und mit Leckerchen ablenkt, geht es leichter.
Nicht in Eigenregie Medikamente geben!
Geben Sie Ihrem Tier niemals ohne Rücksprache mit dem Tierarzt Mittel aus Ihrer eigenen Hausapotheke! Viele für Menschen gut verträgliche Medikamente können für Tiere sehr gefährlich werden oder sie sogar töten. Gängige freiverkäufliche Schmerzmittel aus der Humanmedizin z.B. können bei Hunden und besonders bei Katzen schwere Leber- und Magenschäden verursachen, bis hin zum Durchbruch. Das liegt zum einen daran, dass Menschen und Tiere unterschiedliche Stoffwechsel haben. Tiere können manche Inhaltsstoffe von Human-Medikamenten nicht abbauen. Zum anderen herrscht in ihrem Magen ein anderer PH-Wert als in unserem. Tierärzte verabreichen deshalb einige Medikamente lieber per Spritze, um den Magen ihrer Patienten nicht zu schädigen.
Was Sie sonst noch tun können:
Inhalieren: Setzen Sie Ihr Tier vor eine Schüssel mit heißem Wasser und etwas Kamille, oder stellen Sie die Schüssel nahe an den Schlafplatz. Katzen kann man zum Inhalieren in einen Transportkorb setzen. Das Dampfbad darf nicht so heiß sein wie für den Menschen, und auch ein Handtuch über dem Kopf werden sich Hund und Katze verbitten. Ziel ist einfach nur, dass das Tier feuchtwarme Luft einatmet. Auch ein Verdampfer im Raum kann helfen.
Ätherische Öle: Geben Sie ein paar Tropfen davon auf die Decke oder in das Körbchen ihres Tieres, damit es besser atmen kann. Aber dosieren Sie es sparsam, sonst erreichen Sie im Zweifelsfall nur, dass das Tier sich einen anderen Schlafplatz sucht.
Wärme: Einem Hund mit dünnem Fell und Halsschmerzen tut ein Schal um den Hals gut. Ist er sehr krank, kann für die Gassirunde auch ein Mäntelchen sinnvoll sein. Tipp: statt eines teuren Mäntelchens tut es auch ein alter Kinderpulli. Ärmel abschneiden, Hundekopf durch das Halsloch, Vorderbeine durch die Armlöcher.
Für Katzen macht das 'warm Einpacken' wenig Sinn. Wenn Katzen frieren, stellen sie ihr Fell auf, um sich zu wärmen. Außerdem kann sich jeder Katzenfreund leicht vorstellen, was ein Stubentiger mit einem Wollschal machen würde.
Ruhe: Genau wie bei Menschen braucht auch der Körper eines kranken Tieres Ruhe und Schlaf, um die Krankheit bekämpfen zu können.
Ansteckung zwischen Mensch und Tier
Audio
- Audio: WDR 2 Quintessenz: Kranke Tiere (28.12.12) Anne Debus, WDR 2 Westzeit
Haustiere können sich bei ihren Menschen anstecken und umgekehrt. Das ist zwar schwer nachzuweisen, aber die meisten Tierärzte machen die Erfahrung: wenn in der Familie eine Erkältung umgeht, dann bekommt sie oft auch das Haustier. Halten Sie deshalb etwas Abstand, wenn Sie krank sind, besonders wenn Sie ein altes oder geschwächtes Tier haben.
Stand: 28.12.2012, 06.00 Uhr
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