WDR 2 Quintessenz - Mietwagenrückgabe Böse Überraschungen

Von Frank Wörner

Mietwagen für den Urlaub gibt es via Internet oft schon für kleines Geld. Manchmal lauern aber teure Überraschungen. Wenn nämlich nach der Rückgabe plötzlich Schäden berechnet werden, die der Urlauber gar nicht verursacht hat. Wer einige Tipps beachtet, kann sich schützen.


Frau zeigt Kratzer am Auto
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Kratzer am Auto

Alles schriftlich machen

Eigentlich selbstverständlich, aber trotzdem der wichtigste Tipp - und oft einfach nicht umzusetzen. Zum Beispiel wenn man im Ausland ein Auto anmietet und den Vertrag nicht versteht: Dann sollte man das auf jeden Fall vermerken. Eventuelle Zusagen des Vermieters ("Die Beule haben wir gesehen, die war schon drin.") ebenfalls immer schriftlich bestätigen lassen. Falls sich der Vermieter darauf nicht einlässt, helfen Zeugen. Ganz wichtig ist es, vor dem Losfahren das Auto genau zu prüfen und eventuell vorhandene Schäden zu dokumentieren. Auch der Kilometerstand sollte korrekt vermerkt sein, um spätere Nachforderungen zu vermeiden.

Vertrag genau lesen

Auch das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, geht aber am Mietwagenschalter häufiger mal unter. Wichtig sind zum Beispiel Informationen zur Tankregelung: Anders als in Deutschland üblich muss im Ausland oft die erste Tankfüllung bezahlt und der Wagen mit leerem Tank zurückgegeben werden. Wer aus Gewohnheit vor der Abgabe volltankt, zahlt den Kraftstoff also unnötig. Umgekehrt gilt natürlich auch: Wenn der Wagen mit vollem Tank zurückgegeben werden muss, auf jeden Fall vorher tanken - denn einige Vermieter berechnen sonst saftige Pauschalen oder Aufschläge für den fehlenden Kraftstoff.

Versicherungsregeln beachten

Auch bei den inzwischen weit verbreiteten Vollkasko-Versicherungen ohne Selbstbeteiligung sollten vorhandene Schäden im Vertrag festgehalten werden. Denkbar ist, dass ein Mieter ansonsten zur Kasse gebeten wird, weil er nach einem angeblich von ihm verursachten Unfall die Polizei nicht gerufen hat. Selbst wenn das nicht stimmen sollte, haben Mieter oft schlechte Karten:

Der Gerichtsstand der Anbieter ist meist im Ausland, dort müsste also geklagt werden - mit entsprechenden Kosten. Bessere Chance könnte der Mieter haben, wenn er den Wagen bereits vor der Abreise in Deutschland gebucht hat. Da hilft ein Blick ins Kleingedruckte, wo der Gerichtsstand im Einzelfall tatsächlich ist.

Auch Ausnahmen von der Versicherung sollten beachtet werden, denn selbst Vollkasko-Versicherungen übernehmen nicht immer alle Schäden. Ausgeschlossen sind z. B. oft Schäden an Reifen, Dach, Unterboden sowie Glasschäden. In jüngster Zeit werden häufig auch Schäden an der Kupplung ausgenommen - eine gefährliche Sache, denn in der Praxis lässt sich selbst bei einem Kupplungsdefekt nicht nachweisen, wie der Schaden entstanden ist. Mit seiner Unterschrift unter einen entsprechenden Vertrag sichert der Mieter aber zu, die Reparatur zu bezahlen - eine Kostenfalle, die sich praktisch nur vermeiden lässt, indem der Mieter einen Anbieter auswählt, der Kupplungsschäden nicht ausschließt.

Alles dokumentieren

Auch bei der Rückgabe des Wagens gilt: Am besten schriftlich bestätigen lassen, dass der Wagen in Ordnung ist. Sonst kann es passieren, dass nachträglich Geld von der Kreditkarte abgebucht wird - zum Beispiel für einen Schaden oder eine Spezialreinigung wegen des angeblich besonders stark verschmutzten Innenraums. Und das ist besonders tückisch. Denn anders als bei den meisten anderen strittigen Abbuchungen von der Kreditkarte, kann man die eines Autovermieters nicht von der Bank oder dem Kreditkartenunternehmen zurückholen lassen. Im Streitfall muss der Mieter sich direkt mit der Mietwagenfirma auseinandersetzen – notfalls eben vor Gericht.


Wenn der Vermieter also eine Bestätigung über den einwandfreien Zustand des Wagens nicht ausstellen will, muss man ihn selbst dokumentieren. Sprich: Den Wagen aus allen Richtungen fotografieren, dabei auch den Innenraum und den Kilometerstand nicht vergessen. Tankbelege sollten ebenfalls immer aufbewahrt werden. Da es bei der Rückgabe des Wagens oft hektisch zugeht, sollten man für diese Fotos am besten wenige Kilometer vor der Rückgabestelle noch einmal anhalten und in Ruhe alles fotografieren.


Stand: 18.07.2012, 09.58 Uhr