WDR 2 Quintessenz - Haushaltscheck Geknebelt durch Verträge

Von Barbara Claesges

Die Miete oder Raten für einen Kredit gehören zu den Fixkosten, an denen man wenig ändern kann. Anders sieht es bei den übrigen vertraglich festgelegten Ausgaben aus: Strom, Gas, Telefon, Versicherungen, Vereine, Abos und so weiter. Wer hier aufräumt, kann oft mehrere hundert Euro im Jahr sparen.


Frau Irmen und Herr Bohnen
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Frau Irmen und Herr Bohnen

Sparplan


Erst aussortieren, was überflüssig ist - das ist die leichteste Art zu sparen. Wenn Sie Ihre Kontoauszüge durchgehen, entdecken Sie vielleicht den einen oder andere vergessenen Vertrag. Ein geradezu klassisches Beispiel ist die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio, in dem Sie schon seit Jahren nicht mehr waren. Solche Verträge können Sie bedenkenlos kündigen. In einem zweiten Schritt können Sie prüfen, ob es die gleiche Qualität irgendwo anders nicht günstiger gibt. Wenn das nicht reicht, müssen Sie in einem dritten Schritt entscheiden, auf was Sie in Zeiten knapper Kassen am ehesten – zumindest  zeitweise - verzichten wollen.

Vertragslaufzeiten

Jeder Vertrag hat eine andere Laufzeit und einen anderen Kündigungstermin. Zu finden sind diese Infos im Vertrag selbst und meist auch auf der letzten Rechnung. Diese Termine hat kein Mensch alle im Kopf. Um einen Überblick zu bekommen, legen Sie eine Liste an, in die Sie für jeden Vertrag eintragen, welche Vertragslaufzeit besteht und wann Sie ihn fristgerecht kündigen müssten.

Energiekosten

Die Strompreise steigen stetig und offenbar unaufhaltsam. Für 2013 rechnen Verbraucherschützer damit, dass die gleiche Menge Strom einen durchschnittlichen Haushalt 70 Euro mehr im Jahr kosten wird. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, zu checken, ob der eigene Tarif der günstigste ist. Das gilt auch für den Gasversorger, auch wenn da die Preissteigerungen nicht ganz so drastisch sind wie beim Strom. Parallel dazu lässt sich natürlich auch durch die Änderung des eigenen Nutzungsverhaltens eine Menge Energie und damit Geld sparen.

Gerade wer seinen Strom aber noch im Normaltarif beim örtlichen Grundversorger bezieht, kann mit einem Wechsel oft ordentlich Geld sparen. Es gibt eine ganze Reihe von Online-Vergleichsportalen für Strom- und Gastarife. Nicht alle sind unabhängig und zuverlässig, wie Stiftung Warentest in einer Untersuchung herausgefunden hat. Verbraucherschützer warnen außerdem vor den Rabattversprechen mancher Anbieter für feste Strompakete, Vorkasse oder lange Vertragslaufzeiten. Darauf sollten Verbraucher besser verzichten.

Telekommunikation

Die Preise für  Festnetz, Internet und Handy sind seit Jahren in Bewegung. Vorteil für die Verbraucher: Der hohe Konkurrenzdruck bei den Anbietern hat viele Preise purzeln lassen. Genau deshalb lässt sich hier bei einer Umstellung oft einiges an Geld sparen.

Wer ständig das Handy nutzt, für den gibt es inzwischen die unterschiedlichsten Flatrate-Angebote. Ob die sich allerdings wirklich lohnen, hängt vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Für die meisten Handy- und Smartphonenutzer dürften Prepaid-Tarife die günstigste Variante sein. Oft sind da die Preise günstig, die Tarife transparent und ohne Vertragsbindung. Bei einigen Anbietern ist die Kommunikation zu einer anderen Telefonnummer beim selben Anbieter besonders günstig oder kostenlos: Ideal für Familie oder Freunde, die viel untereinander telefonieren.

Versicherungscheck

Versicherungstests zeigen regelmäßig, dass die teuerste Versicherung nicht die beste sein muss. Und die Preis- und Qualitätsunterschiede sind erheblich. Deshalb lassen sich bei einem Anbieterwechsel oft zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Bessere Versicherungsbedingungen für weniger Geld.

Verbraucherschützer raten, zunächst das abzusichern, was im Schadensfall zur finanziellen Katastrophe führt. Als unverzichtbar gilt: Privathaftpflicht, Hausratversicherung und gegebenenfalls eine Risikolebensversicherung für den Hauptverdiener. Wichtig ist außerdem die Berufsunfähigkeitsversicherung gerade für junge Leute.

Was darüber hinaus versichert werden sollte, hängt von der individuellen Lebenssituation und dem eigenen Sicherheitsbedürfnis und Geldbeutel ab. Wenn das eigene Budget gerade sehr eng ist, kann es auch sinnvoll sein, sich für einige Zeit auf diese wesentlichen Versicherungen zu konzentrieren und alle anderen auszusetzen.

Probleme beim Wechsel

Während der Austausch der Versicherungsgesellschaft bei Sachversicherungen meist problemlos möglich ist, wird es bei vielen Personenversicherungen schwierig. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung etwa wird bei einem Wechsel eine neue Gesundheitsprüfung fällig. Kapitallebensversicherungen oder private Rentenversicherungen lassen sich oft nur mit hohen Verlusten kündigen. Da ist es oftmals besser, im Notfall die Verträge für einen begrenzten Zeitraum ruhen zu lassen. Allerdings besteht in dieser Zeit auch kein Versicherungsschutz.

Monats- versus Jahresbeitrag

Wer seine Sachversicherungen wie Hausrat, Privat- oder KFZ-Haftpflicht so umstellt, dass er seine Beiträge nur noch einmal im Jahr zahlt, kann ordentlich Geld sparen. Denn wer nur einmal im Monat, im Viertel- oder im halben Jahr zahlt, von dem verlangen die Versicherungen ordentliche Aufschläge von bis zu fünf Prozent. Weil das für alle über das Jahr ausstehenden Beiträge gerechnet wird, sind das effektive Mehrkosten von bis zu elf Prozent. Und das ist eine Menge.

Andererseits muss derjenige, der nur einmal im Jahr zahlt, die Disziplin aufbringen, dafür Geld zurückzulegen. Sparen kann dadurch also nur, wer das auch schafft. Denn wenn der Dispo in Anspruch genommen werden muss, weil die Jahresrechnung einer Versicherung nicht mehr ins Budget passt, zahlt man am Ende doch drauf.


Tipp: Damit nicht alle Rechnungen zum Jahreswechsel fällig werden, kann man die Versicherer bitten das sogenannte Hauptfälligkeitsdatum zu ändern und die Versicherungen nach und nach umstellen.


Stand: 24.10.2012, 09.00 Uhr