WDR 2 Quintessenz - Geld vermehren: Anlagen in fremder Währung
Die Deutschen sind Sparfüchse: Fast 800 Milliarden Euro haben sie allein auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern liegen – zu meist mickrigen Zinsen. Der Zins auf ein Tagesgeld liegt in der Regel unter der Inflationsrate. Gleichzeitig haben viele Menschen Angst um die Stabilität des Euro. Darum trifft ein Trend in der Anlageberatung bei vielen Sparern auf offene Ohren: Die Geldanlage in anderen Währungen, zum Beispiel in Franken, Kronen oder Dollar.

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Euro- und Dollarscheine
Warum andere Währungen?
Für die Anleger ist es vor allem wegen des niedrigen Zinsniveaus in Deutschland verlockend, in Ländern zu investieren, in denen die Zinsen höher sind. Das sind oft Länder, die wirtschaftlich stabil sind und bei denen die Wirtschaft gut läuft, zum Beispiel Kanada oder Australien.
Der zweite Grund: Wenn sich die Schuldenkrise in Europa weiter verschärfen sollte, dann könnte als Folge der Außenwert des Euro, der Wechselkurs, fallen. Darum gelten Währungen wie der Schweizer Franken als Fluchtwährung, denn sie würden wahrscheinlich gegenüber dem Euro wertvoller. Banken und Sparkassen weisen sowohl auf die Gefahr des Wertverlusts des Euro als auch auf die Chancen der höheren Zinsen hin
Wichtig aber: Jede Geldanlage in "fremder Währung" beinhaltet ein Wechselkursrisiko. Zwar haben zum Beispiel der kanadische und der neuseeländische Dollar gegenüber dem Euro in einem Jahr 10 Prozent an Wert gewonnen. Das kann auch in die andere Richtung gehen. Man muss also genau auf das einzelne Land und die spezielle Form der Geldanlage schauen.
Welche Länder gelten als sicher?
Empfohlen werden vor allem Länder im Dollarraum, die ein relativ hohes Zinsniveau haben, wie zum Beispiel Australien, Kanada Neuseeland. Dort bekommt man bei einer Laufzeit zwischen zwei und vier Jahren oft höhere Zinsen als bei uns, die Spanne liegt zwischen 1,5 und 3,5 Prozent Zinsen.
Einige Banken empfehlen auch Anleihen von Ländern mit sehr hohen Zinsen. Die gibt es zum Beispiel in Brasilien und der Türkei. Dort kann man im Bereich zwischen zwei und vier Jahren Zinsen von fünf bis sechs Prozent erreichen. Andere Fachleute sind skeptisch im Bezug auf diese Länder, sie befürchten einen Verfall der Landeswährung.
Als sichere Häfen in Europa gelten die skandinavischen Staaten Norwegen und Schweden und traditionell die Schweiz. Höhere Zinsen als in Deutschland gibt es in diesen Ländern aber meist nicht.
Wie sollte ich vorgehen?
Grundsätzlich ist es hilfreich, die Meinung verschiedener Anlageberater einzuholen. Man sollte sich aber auch selbst mit dem Land beschäftigen, in dem man anlegen will. Dabei ist spannend, was mit der Wirtschaft und der Währung eines Landes passiert, wenn sich die Schuldenkrise in Europa verschärft.
Beispiel: Schweden wäre mit seinen starken Exporten in den Euroraum von einem Wirtschaftseinbruch im Euroraum heftig betroffen. Die Folge: Auch die schwedische Krone würde wahrscheinlich gegenüber anderen Währungen schwächeln. Anders liegt der Fall im Nachbarland Norwegen: Wegen der hohen Rücklagen aus Öl- und Gasverkäufen könnte Norwegen selbst eine mehrjährige Rezession problemlos überstehen – die norwegische Krone würde wahrscheinlich stabil bleiben oder im Vergleich zum Euro sogar steigen.
In welche Wertpapiere kann ich anlegen?
Eine große Auswahl gibt es an Anleihen, also festverzinslichen Wertpapieren. Staatsanleihen kann man aber nur dann kaufen, wenn ein Staat auch Schulden macht – das ist zum Beispiel in Norwegen nicht der Fall.
Eine gute Alternative sind Anleihen der deutschen KFW-Bank in den Währungen der entsprechenden Länder (die oben genannten Zinssätze beziehen sich auf KFW-Anleihen). Die Papiere der staatseigenen KFW gelten als ebenso sicher wie deutsche Staatsanleihen.
Eine Alternative zu Anleihen sind Aktien von Unternehmen des jeweiligen Landes. Beispiel Nestlé aus der Schweiz: Die Nestlé-Aktie ist in Schweizer Franken notiert und bringt eine Dividendenrendite von über drei Prozent. Aber: Neben dem Währungsrisiko besteht bei der Aktie auch das Risiko des Kursverlustes. Seit 2005 ist die Nestlé-Aktie in Euro gerechnet von 20 Euro auf 50 Euro gestiegen. Der Anstieg ist eine Mischung aus Kurs- und Währungsgewinnen. Das kann so weitergehen oder aber auch in die andere Richtung. Vorsicht bei Zertifikaten: Hier können hohe Gebühren versteckt sein!
Fazit
Audio
- Audio: WDR 2 Quintessenz: Anlage in fremder Währung (30.10.2012) Uli Ueckerseifer, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
Geldanlagen in fremder Währung können interessant sein für alle die, die Angst vor der weiteren Entwicklung im Euroraum haben. Aber Vorsicht: man muss sich darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen eine verschärfte Krise im Euroraum auf das jeweilige Land hat. Außerdem: Dem eventuell höheren Zins auf eine Anleihe steht ein Währungsrisiko gegenüber, dass den Zinsvorteil schnell auffressen und auch erheblich übertreffen kann.
Stand: 30.10.2012, 09.39 Uhr
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