WDR 2 Quintessenz - Tipps für Kleinanleger Sparen in Krisenzeiten

Von Andreas Braun

Sogar der amerikanische Starinvestor Warren Buffet weiß im Moment nicht, wohin mit seinem Geld. Seine Investmentgesellschaft hortet so viele Barreserven wie sonst nie. Und der Mann hasst es, wenn sein Geld nicht für ihn arbeitet. Auch für Kleinsparer, die auf Sicherheit setzen, bleibt wenig mehr als der Inflationsausgleich – der sollte aber mindestens gemacht werden, damit das Geld nicht weniger wird.


Euroscheine auf Sparstrumpf
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Euroscheine auf Sparstrumpf

Anlagestrategie

Zuerst sollten Kleinsparer sich überlegen, an welchen Teil des Gesparten sie eventuell noch mal ran müssen. Ein kleines Polster für unerwartete Reparaturen von Wasch-, Spülmaschine oder dem Auto sollte mindestens verfügbar sein, damit man dafür nicht auf den teuren Dispokredit zurückgreifen muss. Ein bis zwei Monatsgehälter sollten dafür ausreichen. Alles, was länger nicht gebraucht wird, kann entsprechend auch in längerfristige Anlagen investiert werden.

Tagesgeld

Ein Tagesgeldkonto ist sinnvoll als kurzfristige Anlageform. Hierhin wandert das Polster, das man vielleicht in absehbarer Zeit noch mal braucht – nicht auf das meist unverzinste Girokonto. Vor allem Direktbanken bieten im Vergleich gute Konditionen. Im Moment ist eine Verzinsung von bis zu 2,5 Prozent zu haben. Damit ist auch das kurzfristig angelegte Geld mehr als inflationsgeschützt. Vorsicht allerdings vor Lockangeboten: Oft gibt es die Spitzenverzinsung nur für Neukunden und auch für sie nur sechs Monate lang. Die Verzinsung sollte aber für mindestens ein Jahr garantiert sein. Angebote, die schon im Kleingedruckten ankündigen, dass sich die Verzinsung nach sechs Monaten mehr als halbiert, sind zu meiden.

Festgeld/Sparbrief

Die Basis für eine langfristige Anlagestrategie mit Focus auf Sicherheit. Etwa 80 Prozents des gesparten Kapitals, das Anleger auch in den nächsten Jahren auf keinen Fall brauchen werden, sollten so investiert werden. Gute Angebote beim Festgeld liegen derzeit bei mehr als drei Prozent Zinsen bei einer Laufzeit von drei Jahren und einer Anlagesumme von 10.000 Euro. Das gilt auch für Sparbriefe. In beiden Fällen sollte das Geld aber auch über die gesamte vereinbarte Zeit unangetastet bleiben. Festgeld vorzeitig zu kündigen ist mit erheblichen Nachteilen für den Kunden verbunden. Meist verliert er sämtliche Zinserträge und muss zusätzlich Verwaltungs- und Stornokosten tragen, so dass unter dem Strich ein ordentliches Minus stehen kann.

Risikobeimischungen

Ist der Löwenanteil des Ersparten sicher untergebracht, kann der Rest mit etwas mehr Risiko angelegt werden. Mit der Kombination von sicherer Anlage und maximal zwanzig Prozent Risikobeimischung schützen Anleger langfristig ihr Kapitel und bewahren sich trotzdem die Möglichkeit auf eine ordentliche Rendite. Hier können auch Anlageformen gewählt werden, bei denen nach längerer Laufzeit Verluste möglich sind. Anlagen, die auch zum Totalverlust führen können - wie beispielsweise Optionsscheine - sind allerdings für Laien keine sinnvolle Ergänzung.

Aktienfonds

Sie ermöglichen es, auch mit wenig Kapital das Risiko zu streuen. Für Kleinanleger sind sie also sicherer, als auf einzelne Aktien zu setzen. Sie unterscheiden sich im wesentlichen nach ihrer Zusammensetzung und ihren Kosten. Hier bieten sich Fonds an, die in große Firmen investieren und entsprechend kein großes Risiko eingehen. Bei den jährlichen Verwaltungskosten lohnt sich ein Vergleich – sie liegen meist zwischen ein und zwei Prozent. Neben den klassischen Aktienfonds gibt es aber auch Indexfonds, die einen Aktienindex nachbilden. Ihr Vorteil liegt darin, dass die Kosten mit etwa 0,2 Prozent der Anlagesumme jährlich wesentlich geringer ausfallen.

Immobilien

Nicht nur die Zinsen, die die Bank den Sparern auszahlt, sind momentan besonders niedrig. Auch die Schuldzinsen, die Banken zum Beispiel auf Baugeld verlangen, sind historisch niedrig. Viele stellen sich deshalb die Frage, ob eine Immobilie als Geldanlage nicht das Richtige ist. Doch gerade Kleinsparer gehen dabei ein großes Risiko ein, da sie mit einer Wohnung oder einem Haus ihr ganzes Kapital auf eine Karte setzen. Die Lage der Immobilie ist dabei für die Wertentwicklung das wichtigste Kriterium – sie sollte auch in fünf, zehn oder zwanzig Jahren noch attraktiv sein, und das ist sehr schwer einzuschätzen Außerdem muss natürlich auch der Preis stimmen: Mehr als 20 Nettojahreskaltmieten sollten nicht auf dem Kaufvertrag stehen, sonst dauert es zu lange, bis der Kauf sich rechnet, schätzt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest. Bei einer Wohnung, die monatlich netto 500 Euro an Miete einbringt, sollte der Preis also nicht mehr als 120.000 Euro betragen.

Vorsicht bei Beratern

Bank- oder Finanzberater verkaufen gerne Anlagen, die geringes Risiko und satte Rendite versprechen, zum Beispiel (geschlossene) Immobilienfonds oder undurchsichtige Zertifikate. Die Berater verfolgen aber auch eigene Interessen, warnt Nils Nauhauser, Anlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: "Unser Verkauf und unsere Beratung hierzulande ist so organisiert, dass die Finanzberater nur diejenigen Produkte verkaufen, die auskömmliche Provisionen bieten und andere nicht."

Bei jeder Anlage, deren Rendite wesentlich mehr als drei Prozent beträgt, rät er deshalb zur Vorsicht. Sie könnte versteckte Risiken bergen, die dem Kunden nicht offen mitgeteilt werden. Auch die Beratungsprotokolle, die seit 2010 Pflicht sind, haben daran nicht viel geändert. Stichproben des Verbraucherzentrale Bundesverband, von Finanztest und auch des WDR haben gezeigt, dass diese oft falsch oder zumindest unvollständig ausgefüllt werden. Damit kann der Kunde nach einer Falschberatung also nicht viel gegen die Bank ausrichten. Kunden sollten deshalb das Protokoll nach der Beratung aufmerksam lesen und auf Vollständigkeit bestehen.

Goldene Regel


Die wichtigste Regel bei der Geldanlage überhaupt: Nie ein Finanzprodukt kaufen, das man nicht versteht – denn das ist die größte Verlustfalle für Privatanleger überhaupt.


Stand: 14.08.2012, 00.00 Uhr