WDR 2 Quintessenz - Ende der Glühlampe: Welches Licht wofür?
Die EU schickt jetzt auch die 25- und 40-Watt Glühlampen in Rente. Was in der Fassung ist, darf selbstverständlich weiterleuchten, doch Glühlampen nachkaufen, dürfte schwierig werden. Aber es gibt Verordnungslückenfinder und manch brauchbare Alternative.

-
Bild 1 vergrößern
+
Ende der Glühlampe
Bei Osram ist die "Allgebrauchsglühlampe" im Netz noch zu finden, bei Philips läuft die Suche schon jetzt ins Leere, dort sind nur noch LED-Lampen, Energiesparlampen und Halogenlampen zu finden. Ganz verboten wird die Glühlampe nicht, aber ab Samstag, 1. September 2012, tritt Stufe vier des "Glühlampenausstiegs" in Kraft: Es dürfen nur noch Glühlampen mit einem Lichtstrom von kleiner als 60 Lumen – das entspricht etwa 10 Watt – vertrieben werden.
Faktisch bedeutet das das Aus für die beliebten Glühlampen mit 25 und 40 Watt, die bislang noch erhältlich waren und allenfalls Energieklasse D erreichten. Erlaubt bleiben Reflektorlampen, farbige Lampen und Speziallampen, beispielsweise solche, die das Pflanzenwachstum fördern. Außerdem natürlich alle Lampen, die den Strom effizienter in Licht umwandeln als die Glühlampe, also Energieklasse A, B oder C erreichen. Dazu gehören Energiesparlampen ("Kompaktleuchtstofflampen"), Leuchtstoffröhren, Halogenlampen mit "mittlerer Effizienz" und LED-Lampen.
Birne, Lampe, Leuchte
Was wir gemeinhin Glühbirne nennen, heißt in der Fachwelt Glühlampe oder Allgebrauchsglühlampe. Der Oberbegriff ist Lampe oder Leuchtmittel. Umgangssprachlich ist eine Lampe das, wo man die Glühbirne reinschraubt. Eine, die Petroleumlampe vor Augen, durchaus schlüssige Bezeichnung, die sich in der Fachwelt aber nicht durchgesetzt hat. Dort kommt das Leuchtmittel in eine Leuchte.
Des Deutschen liebste Glühbirne
Wie angemessen der Glühlampenausstieg ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Ausschlaggebend für den Schritt waren im Jahr 2008 klima- und energiepolitische Überlegungen.
2020 sollen jährlich laut Verordnung durch eben diese EU-weit 39 Terawattstunden Energie eingespart werden. Das entspricht immerhin der Leistung von vier großen Kernkraftwerken im Dauerbetrieb.
Unklar ist, ob die Einsparung erreicht werden wird. Erfahrungen mit anderen Energiesparmaßnahmen zeigten, dass die Ziele wegen des sogenannten "Rebound-Effekts" häufig nicht erreicht wurden. Auch die oft diskutierte Quecksilberfrage wird in der Verordnung berücksichtigt. Weil viele Energiesparlampen ohne Recycling entsorgt würden, kämen in der EU 2,9 Tonnen Quecksilber in die Umwelt. Das soll trotz steigender Lampenzahl nicht mehr werden: durch weniger Quecksilber in jeder einzelnen Energiesparlampe und besseres Recycling.
Rebound-Effekt
Bevor Glühlampen verboten wurden, versuchte man lange die Menschen von den modernen Energiesparlampen zu überzeugen. Kostet mehr, hält aber achtmal so lange und spart 80 Prozent Strom, lauteten die Argumente. Während ihrer Lebensdauer spart die Sparlampe Strom für 65 Euro ein, hieß es. Soweit die versprochene Haltbarkeit erreicht wird, stimmt das auch. Was aber machen die Menschen mit den eingesparten 65 Euro? Zusätzliche Lampen einschrauben, denn Licht ist ja plötzlich so billig? Oder auf die hohe Kante legen für einen zusätzlichen Kurztrip nach Mallorca? Energieeffizienz ändert Kaufverhalten und Konsummuster, manches der erhofften Einsparung prallt zurück, die Forscher sprechen vom "Rebound-Effekt". Mehrere Studien konnten zeigen, dass die tatsächliche Einsparung oft deutlich niedriger ist als die erwartete.
Energiesparlampe ist nicht gleich Energiesparlampe
Der schlechte Ruf der Energiesparlampe hat auch mit früher Enttäuschung zu tun. Tatsächlich gab und gibt es Energiesparlampen ("Kompaktleuchtstofflampen"), die erst nach gefühlten Minuten helles, unangenehm bläuliches Licht geben, dabei noch leise summen und für empfindliche Nasen stinken.
Selbst Produkte der großen Markenhersteller konnten trotz hohen Preises nicht immer die Erwartungen erfüllen. Wer einmal mit einer Energiesparlampe reingefallen ist, steht diesem Lampentyp verständlicherweise erst einmal ablehnend gegenüber. Tests zeigen, dass die Zeit der Enttäuschungen nicht vorbei ist. Doch einige Hersteller haben reagiert. Das Angebot wurde breiter, die Lampen besser. Gute Lampen gehen flink an, machen angenehm warmweißes Licht, halten lange und stören nicht durch lästige Geräusche oder Gerüche. Bei der Auswahl helfen können zum Beispiel die Tests der Stiftung Warentest (Heft 9/2011, Spots in Heft 3/2012).
Entsorgungsfrage
Viele Verbraucher ärgert, dass sie ihre alten Energiesparlampen nicht ohne weiteres entsorgen können. In den Hausmüll dürfen sie wegen der giftigen Inhaltsstoffe nicht. Auch die Verkäufer – z.B. Baumärkte und Elektrofachgeschäfte – nehmen die alten Energiesparlampen nicht immer zurück. Per Gesetz sind sie dazu nicht verpflichtet. Erst ab 2014 müssen auch Geschäfte, die eine Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern besitzen, diesen Elektroschrott zurücknehmen. Bis dahin bleibt häufig nur die Fahrt zum Wertstoffhof. Auch im Internet lassen sich Abgabestellen in der Nähe finden.
Lichtblick Leuchtdiode
Die Energiesparlampe wird von vielen Experten nur als Übergangslösung bezeichnet. Viel mehr Zukunftschancen räumen sie LED-Lampen ein. Die sparen noch mehr Energie und haben eine sehr lange Lebensdauer, bis zu 25.000 Stunden. Außerdem geben sie jetzt schon ein ähnlich gutes Licht ab wie die herkömmlichen Glühbirnen. Allerdings sind LED-Lampen noch ziemlich teuer: Die meisten kosten 40 Euro und mehr.
Halogen für Glühfadenliebhaber
Audio
- Audio: Energiesparlampen können Schlafstörungen hervorrufen: schuld ist das kalte, blaue Licht (30.08.2012) Dr. Dieter Kunz / Gudrun Höpker, WDR 2 Westzeit
Als Kompromisslösung gilt die Halogenleuchte. Sie ist besonders günstig in der Anschaffung (etwa 2 Euro) und erzeugt ein Licht, das sich gut eignet, um zum Beispiel einzelne Gegenstände in der Wohnung anzustrahlen. Für Halogenlampen spricht auch die natürliche Farbwiedergabe. Allerdings verbrauchen Halogenlampen auch deutlich mehr Strom als LED- und Energiesparlampen. Deshalb sind auch sie ab 2016 EU-weit verboten.
Stand: 30.08.2012, 12.32 Uhr
Seite teilen
Über Soziale Medien