WDR 2 Quintessenz - Tricks bei der Google-Suche Zensierte Internetwelt?

Von Linda Staude

Cuil, Blekko, Powerset - das waren mal hoffnungsvolle Konkurrenten für Google. Inzwischen sind sie weitgehend vergessen. Heutzutage kennen neun von zehn Surfern nur diesen einen Namen, wenn sie im Internet etwas suchen: Google.

Kritiker halten das allerdings für gefährlich. Denn Internet-Nutzer bekommen eine Auswahl der Netzwelt, auf die sie nur mit Eigeninitiative einen Einfluss haben.


Gooogle-Suche
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Gooogle-Suche

Suche im Internet

Internet-Nutzer sind faul. Wer einen Begriff googelt, macht sich selten die Mühe, die oft hunderte Suchergebnisse wirklich zu durchstöbern. 90 Prozent von ihnen klicken gerade einmal auf die ersten drei Treffer. Manche schaffen immerhin die erste Ergebnisseite, aber weiteres Blättern ist eine Seltenheit.

Die Folge: Was oben auf der Google-Seite steht, wird zur Kenntnis genommen. Was auf die hinteren Listenplätze verbannt wird, existiert nicht für den größten Teil der Internet-Gemeinde. Das schränkt die Informationen ein, die jeder Nutzer aus dem Netz bezieht. Und es bedeutet einen echten Wettbewerbsnachteil für alle Informationsanbieter, die den Suchkriterien von Google nicht entsprechen.

Suchkriterien

Wie genau Google seine Ergebnisse auswählt, fällt unter das Betriebsgeheimnis. Bekannt ist lediglich, dass die Auswahl nach einer komplizierten Formel mit mindestens 200 Kriterien erfolgt. Dieser sogenannte Algorithmus wird ständig an neue Anforderungen angepasst. Ziel ist auf der einen Seite, dem Nutzer die Antworten zu präsentieren, die der auch lesen will. Auf der anderen Seite ist Google - und das stellen Kritiker besonders heraus - ein Unternehmen, das Gewinn machen will, und seine Suchkriterien werden vermutlich auch diesem Erfordernis gerecht.

Eigenwerbung

Google ist längst keine reine Suchmaschine mehr. Das Unternehmen bietet außerdem einen eigenen Kartendienst, ein soziales Netzwerk, Shopping-Angebote, die Videoseite Youtube und, und, und. Konkurrenten, die solche Dienste ebenfalls anbieten, beschweren sich, dass die Links auf Google-eigene Seiten prominent ganz weit oben in der Ergebnisliste platziert werden, während sie auf die hinteren Ränge verbannt werden.

Wie effektiv das ist, hat eine Studie des Instituts für Kommunikations- und Medienforschung der Sporthochschule Köln ergeben. Im Auftrag eines Google-Konkurrenten im Bereich Kartendienste haben die Wissenschaftler die Augenbewegungen von Probanden am Computer untersucht. Das Ergebnis dieser sogenannten Eye-Tracker-Analyse: 80 Prozent der untersuchten Nutzer blieben sofort am oben auf der Seite eingeblendeten Bild von Google-Maps hängen. Nur 20 Prozent beachteten die Konkurrenz-Angebote - obwohl die in der Liste gleich danach kamen.

Verfahren vor der EU-Kommission

Die Wettbewerbshüter in Brüssel beschäftigen sich seit rund zwei Jahren mit Beschwerden der Verbände von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern und Konkurrenten von Google. Der Vorwurf: Google nutzt seine Monopol-Stellung bei der Internet-Suche dafür, die Angebote von Drittanbietern schlecht zu platzieren oder ganz auszublenden. Wie die langwierige Untersuchung ausgeht, ist derzeit noch unklar. In einem ähnlichen Verfahren gegen Microsoft haben die Wettbewerbshüter allerdings schon einmal ein saftiges Bußgeld verhängt: fast eine Milliarde Euro.

Tipps für die effektive Suche

Wer Google nutzt, sollte die Auswahl-Kriterien der Suchmaschine im Hinterkopf haben - soweit sie bekannt sind. Dann kann man unerwünschten Einschränkungen beim Auffinden von Informationen effektiv entgegenwirken.


  • Google personalisiert die Suche eines Nutzers. Das heißt, anhand der IP-Adresse des Computers wird der ungefähre Standort festgestellt - die Ergebnisse in Hamburg sind anders als die für einen User in Köln. Außerdem speichert die Suchmaschine ältere Suchen für 180 Tage in sogenannten Cookies. Diese beeinflussen die Ergebnisse bei der nächsten Suche. Wer diese Einschränkungen nicht will, kann die Einstellungen ändern und auf personalisierte Ergebnisse verzichten. Außerdem kann man Cookies von Hand löschen.
  • Eine effektive Suche erfordert ein bisschen Zeit und Initiative. Wer mit einer Ergebnisliste nicht zufrieden ist, kann andere Suchworte verwenden. Außerdem wird kein User gezwungen, nur die ersten paar Links auszuprobieren. Die guten Ergebnisse können sich durchaus auf den Seiten drei und vier befinden.
  • Auch ein noch so gut programmierter Algorithmus kann dem Nutzer das Denken nicht abnehmen. Wer zum Beispiel Shopping-Angebote im Netz sucht, der muss immer noch selbst Preise, Geschäftsbedingungen und Seriosität der Anbieter vergleichen. Das bloße Erscheinen eines Links bei einer Google-Suche bedeutet noch lange nicht, dass er auch gut ist. Nicht einmal, wenn er auf den vorderen Plätzen der Liste zu finden ist.

Stand: 14.08.2012, 00.00 Uhr