WDR 2 Quintessenz - Neue Health-Claim-Verordnung Stärkt Abwehrkräfte

Von Sigrid Müller

"Stärkt die Abwehrkräfte", "fördert die Leistungsfähigkeit" – immer häufiger gibt es solche Werbeversprechen auf Lebensmittelverpackungen. Zusätzliche Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenextrakte sollen dafür sorgen, dass ein Lebensmittel die Gesundheit fördert. Doch kann man der Werbung trauen? Mitte Dezember tritt EU-weit eine neue Verordnung in Kraft, die hier für Orientierungshilfen sorgen soll. Sie regelt, was die Hersteller in ihrer gesundheitsbezogenen Werbung sagen dürfen.


Frau mit Einkaufszettel im Supermarkt
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Frau mit Einkaufszettel im Supermarkt

Wildwuchs stoppen

Gesundheitsbezogene Aussagen in der Werbung nennt man auf Englisch "Health Claims" und weil man in Brüssel den Wildwuchs dabei eindämmen will, wurde die "Health-Claims-Verordnung" erarbeitet. Über vierzigtausend Anträge aus der Lebensmittelindustrie zu gesundheitsbezogenen Angaben hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in den vergangenen Jahren bearbeitet. Über 80 Prozent der Anträge wurden abgelehnt, weil die gesundheitsbezogenen Aussagen wissenschaftlich nicht belegt werden konnten.

Vitamine und Mineralstoffe

Akzeptiert wurden bisher 222 Heath Claims. Nur sie dürfen ab jetzt noch verwendet werden. Diese zugelassen Werbeaussagen stehen vor allem im Zusammenhang mit Vitaminen und Mineralstoffen. Allein für Vitamin C sind zum Beispiel fünfzehn Werbeaussagen zur gesundheitsfördernden Wirkung zugelassen.

Übervitaminisierung droht

Verbraucherschützer fürchten, dass mit der neuen Health-Claims-Verordnung noch mehr Lebensmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen versetzt werden. Ein Beispiel: Für sogenannte probiotische Bakterien darf in Zukunft keine Gesundheitswerbung ("aktiviert die Abwehrkräfte") mehr gemacht werden, stattdessen wird nun mit den zugesetzten Vitaminen geworben ("tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei").

Keine Mengenbegrenzungen

Ernährungsexperten kritisieren außerdem, dass es in der Verordnung keine    Mengenbegrenzungen für die Zusätze gibt. Das könnte, ihrer Meinung nach, zu einer bedenklichen Überversorgung führen. So wird zum Beispiel der Zusatz von Folsäure kritisch gesehen. Weil Folsäure nachweislich die Zellneubildung fördert, darf jetzt offiziell damit geworben werden. Als künstlich zugesetztes Vitamin steht Folsäure aber auch unter dem Verdacht in größeren Mengen Krebs zu verursachen.

Streit um Nährwertprofile


Weiterer Kritikpunkt: Es fehlen immer noch die geplanten Nährwertprofile für Lebensmittel. Sie sollen festlegen wie viel Zucker, Salz oder Fett in Produkten stecken dürfen, für die mit gesundheitsfördernder Wirkung geworben wird. In Brüssel streitet man seit Jahren darüber mit der Industrie. So könnte zum Beispiel auf einer Süßigkeit, die mit Kalzium angereichert ist, weiterhin "für den Schutz der Knochen" geworben werden.


Stand: 14.12.2012, 09.00 Uhr