WDR 2 Quintessenz - Hundetraining Damit Wuffi bei Fuß geht

Von Anne Debus

"Mein Hund hört aufs Wort. Nur – auf welches?" Das fragen sich immer mehr Hundehalter in Deutschland. Hundeschulen und Hundetrainer erleben einen nie gekannten Boom. Wer den Begriff "Hundeschule" googelt, erhält 3,7 Millionen Ergebnisse. Gleich mehrere prominente Hundetrainer coachen Deutschlands Vierbeiner im Fernsehen. Woher kommt dieses Interesse, und wie findet man die passende Hundeschule?


Zwei Frauen mit vier Hunden in einer Hundeschule
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Zwei Frauen mit vier Hunden in einer Hundeschule

Gründe für den Boom

Die Zahl der Hunde in Deutschland nimmt nicht zu, aber ihre Stellung in der Gesellschaft hat sich gewandelt. Hielt früher eine Familie einen großen Hund, so war er der Aufpasser des Anwesens und blieb meist im Zwinger. Niemand wäre auf die Idee gekommen, ihn mit in die Fußgängerzone oder gar ins Restaurant zu nehmen. Nur kleine Hunde fungierten als Begleiter, und wenn die anderer Meinung waren, nahm man sie kurzerhand auf den Arm oder zog sie hinter sich her. Die Frage der Erziehung stellte sich also kaum. Heute hingegen ist der Hund ein vollwertiges Familienmitglied, das möglichst oft mit von der Partie sein soll. Damit wachsen die Ansprüche an die Tiere und gleichzeitig das Konfliktpotential.

Die Bandbreite der "Lehrmeinungen"

Hartes an-der-Leine-Reißen, Stachelhalsbänder oder gar Elektroschockhalsbänder findet man zum Glück in Hundeschulen kaum noch. Die meisten arbeiten heute mit der so genannten "positiven Verstärkung", also dem Lernen über positive Anreize. Dabei haben sich regelrechte Ideologien herausgebildet.

  • Eine Methode ist die Ausbildung mithilfe von Futter. Hat der Hund etwas richtig gemacht, bekommt er ein Leckerchen. Bei der Extremvariante wird der Vierbeiner überhaupt nicht mehr aus dem Napf gefüttert, sondern  nur noch während des Trainings.
  • Andere Schulen arbeiten zum Beispiel mit positiver Verstärkung über Stimme und Körpersprache des Halters.
  • Wieder andere vertreten die Auffassung, der Besitzer müsse durch sein Verhalten eine natürliche Autorität ausstrahlen, so dass der Hund sich ihm freiwillig unterordnet.

Die Ausbildung zum Hundetrainer

Die Berufsbezeichnung "Hundetrainer" ist in Deutschland nicht geschützt, es gibt keine vorgeschriebene Ausbildung. Man sollte also immer damit rechnen, dass sich neben vielen soliden und engagierten Trainern und Hundeschulen auch Scharlatane in diesem Bereich tummeln können. In Zukunft soll sich die Transparenz für Verbraucher aber verbessern: das Bundesministerium für Gesundheit will ab dem Frühjahr 2013 das Gütesiegel "Tierschutzqualifizierte/r Hundetrainer/in" einführen und ein öffentliches Register der Trainer führen, die diese Prüfung abgelegt haben. Sie wird aber nicht einheitlich vorgeschrieben, sondern ist als freiwillige Zusatzprüfung gedacht.

Der Preis

Variiert extrem. Am günstigsten ist es, einem Hundeverein beizutreten. Für einen meist überschaubaren Jahresbeitrag kann man dann an Trainings und Sportkursen teilnehmen. Im preislichen Mittelfeld liegen die Gruppentrainings der Hundeschulen. Am teuersten sind Einzelstunden, wobei die Preise auch hier weit auseinander gehen.

Tipps für die Wahl der passenden Hundeschule:


  • Fragen Sie sich zuerst, was Sie suchen. Ihr Hund ist nicht ausgelastet und Sie möchten gerne etwas mit ihm zusammen lernen und erleben? Dann ist einer der vielen Hundesport-Kurse oder ein Fährtensuch-Training für Sie das Richtige. Sie haben einen jungen Hund, der den Grundgehorsam lernen soll? Dann dürfte ein normaler Gruppenkurs in einer Hundeschule ausreichen. Oder haben Sie einen Problemhund mit ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten, der vielleicht auch schon gebissen hat? Dann wären wahrscheinlich Einzelstunden bei einem Trainer das Beste.
  • Holen Sie sich Tipps von anderen Hundehaltern, oder fragen Sie beim örtlichen Tierarzt oder beim Tierschutzverein nach Empfehlungen.
  • Wählen Sie eine Hundeschule, die sich nicht auf eine einzige Hunderasse beschränkt.
  • Achten Sie darauf, dass die Schule nicht nur "auf dem Platz" arbeitet, sondern mit den Hunden auch in den Park, in die Stadt oder auch mal zum nächsten Bahnhof geht. Die Hunde verinnerlichen sonst oft, dass sie nur auf dem Hundeplatz gehorchen müssen. Außerdem kann man sie so unter fachkundiger Aufsicht an stressige Situationen gewöhnen.
  • Die Gruppen in der Hundeschule sollten klein sein. Richtwert: Pro Trainer etwa fünf Hunde.
  • Sind Sie bereit, sich auch bei Schnee und im Novemberregen draußen die Beine in den Bauch zu stehen? Wenn nicht, sollten Sie nach einer Schule mit beheizter Halle suchen.
  • Gute Hundeschulen bieten eine kostenlose Schnupperstunde an. Nutzen Sie die auch, um mit Teilnehmern ins Gespräch zu kommen, die schon länger dabei sind. Wenn Sie kein gutes Gefühl haben, probieren Sie lieber noch eine andere Schule aus.

Stand: 29.01.2013, 00.00 Uhr