WDR 2 Quintessenz - Allergien bei Tieren: Kranke Hunde
Wenn ein Hund sich blutig kratzt, muss er keine Flöhe haben. Allergien sind auch bei Haustieren auf dem Vormarsch. Sie äußern sich bei ihnen nur anders als beim Menschen. Statt Asthma und Heuschnupfen bekommen Hund und Katze meist Probleme mit der Haut oder der Verdauung.

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Zwei Golden Retriever im Park
Ein Allergietest ergibt dann in der Regel eine Unverträglichkeit gegen bestimmte Milben oder gegen Nahrungsmittel, oft auch gegen Flöhe oder Zecken.
Allergien bei Tieren nehmen zu
Nach Schätzungen leiden 10-20% aller Hunde und Katzen mittlerweile an Allergien; jeder vierte Hund, der beim Arzt vorgestellt wird, hat Hautprobleme. Manche Tierärzte sehen eine mögliche Ursache im industriellen Fertigfutter. Sie bemängeln, dass es zu wenig Fleisch und zu viel Getreide enthalte. Hinzu komme eine Vielzahl von potentiell allergieauslösenden Zusätzen wie Konservierungsstoffe, Lockstoffe und synthetische Vitamine. Viele Tierhalter berichten, dass nach einer Umstellung auf Rohfütterung bei ihren Hunden oder Katzen die Allergiesymptome verschwunden seien. Als möglicherweise allergiefördernd stehen auch chemische Wurmkuren und Impfungen in der Kritik. Allergien werden auch vererbt. Bei bestimmten Hunderassen z.B. sind sie besonders häufig.
Mögliche Symptome
Verdauungsprobleme: Wenn die Allergie auf den Magen-Darm-Trakt schlägt, haben die Tiere häufig Durchfall, Bauchschmerzen oder Blähungen. Es kann sogar Blut im Stuhl sein.
Hauterkrankungen: Hautpatienten verlieren ihr Fell oder bekommen Entzündungen, bis hin zu oft offenen Stellen, den sogenannten 'Hot Spots'. Am meisten leiden sie unter Juckreiz. Viele kratzen sich blutig oder beißen sich die betroffenen Stellen auf.
Ohrentzündungen: Auch wiederkehrende Ohrentzündungen können ein Symptom für eine Allergie sein. Man erkennt sie daran, dass das Tier häufig den Kopf schüttelt oder sich am Kopf kratzt, oft riecht das Innenohr auch unangenehm.
Allergie-Auslöser meiden
Bei Allergien gegen Milben:
- Lassen Sie Tiere mit einer Hausstaub-Allergie nicht ins Bett oder auf Polstermöbel.
- Das Polster im Hunde- oder Katzen-Körbchen sollte regelmäßig bei 60 Grad gewaschen werden. Es gibt für Allergiker auch spezielle Liegepolster mit einem milbendichten Kunstlederbezug.
- Bei einer Allergie gegen Futter- oder Vorratsmilben sollten Sie kein Trockenfutter geben. Aber auch Dosenfutter ist nicht generell unbedenklich. In Reis oder Getreide können schon vor der Verarbeitung Milben gewesen sein. Bei Futter mit Geflügel werden häufig auch die Federn mit verarbeitet, und in denen befinden sich auch oft Milben.
Tipp: Angeblich kann man Trockenfutter für Milben-Allergiker verträglich machen, indem man es einfriert, und so Futtermilben abtötet. Das ist Unsinn. Die Allergie-Auslöser sind nicht die Milben an sich, sondern ihr Kot, und der wird auch durch Einfrieren nicht beseitigt.
Bei Nahrungsmittel-Allergien:
- Häufiger Übeltäter ist hier das Getreide. Kaufen Sie Futter ohne Getreide. Hundefutter gibt es stattdessen z.B. mit Kartoffeln.
- Steigen Sie auf ungewöhnliche Fleischsorten wie Wild, Pferd, Rentier oder Strauß um. Der Gedanke dahinter: was der Körper nicht kennt, dagegen kann er auch noch nicht allergisch sein.
Tipp: Wenn Ihr Hund empfindlich ist, seien Sie zurückhaltend mit chemischen Wurmkuren und Wiederholungsimpfungen. Kritikern zufolge kann beides Allergien verschlimmern.
Hilfe gegen die Symptome
Lassen Sie die Ursache auf jeden Fall erst vom Tierarzt abklären. Das sind die wichtigsten Hilfsmittel der Schulmedizin:
- Desensibilisierung: Ebenso wie Menschen kann man auch Tiere gegen Allergie-Auslöser 'desensibilisieren', also unempfindlich machen. Je nach Studie gehen die Angaben über die Wirksamkeit aber stark auseinander.
- Entzündete Stellen lokal behandeln: Nach Anleitung durch den Tierarzt können Sie das auch selbst: Fell wegschneiden, entzündungshemmendes Mittel auftragen. Tipp einer auf Allergien spezialisierten Tierärztin: Sehr wirksam ist es, kleine entzündete Hautstellen mit antibiotischen Ohrentropfen zu betupfen.
- Cortison: Neben Tabletten gibt es auch Cortison-Sprays. Sie stillen den Juckreiz auf großflächigen Entzündungen und lassen die Haut schnell heilen. Durch die gezielte lokale Wirkung und die kleinen Mengen kann man so Nebenwirkungen minimieren.
- Antibiotika: Manchmal laufen allergiebedingte Entzündungen so aus dem Ruder, dass nur noch Antibiotika helfen
Weitere Tipps für Tiere mit Hautproblemen:
- Lassen Sie langhaarige Hunde scheren, besonders, wenn sie gerne schwimmen. Wenn Luft an die Haut kommt und sie schnell trocknen kann, bilden sich weniger Entzündungen.
- Dreck und abgestorbene Hautschuppen im Fell sind ein Nährboden für Bakterien. Außerdem sammeln sich Allergie-Auslöser wie Hausstaub oder Pollen im Fell. Waschen Sie Allergiker-Hunde deshalb regelmäßig, am besten mit speziellen Shampoos.
- Wenn Ihr Hund Ekzeme an den Pfoten hat, waschen Sie sie nach schlammigen Spaziergängen.
- Manche Tierärzte empfehlen für Hautpatienten die Zufütterung von Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren. Sie stecken z.B. in. Lachsöl, Nachtkerzenöl oder Schwarzkümmelöl. Eine günstige Alternative ist Distelöl.
Die Rohfütterung
- Stellen Sie das Futter schrittweise um, nicht von heute auf morgen.
- Besonders bei richtig kranken Tieren sollten Sie einen Arzt hinzu ziehen.
- Faustregel: Katzen brauchen fast ausschließlich Fleisch, Hunde dagegen zwei Drittel Fleisch, ein Drittel Gemüse oder Obst. Letzteres muss püriert oder angedünstet werden, weil Hunde keine Zellulose aufschließen können. In der Natur nehmen Wölfe ihre Ration Gras oder Obst durch den Mageninhalt von Beutetieren zu sich, und der ist bereits vorverdaut. Zum Fleisch gehören auch Innereien oder Knochen.
- Rohes Fleisch ist für Hunde und Katzen die natürliche Ernährung. Am Anfang lassen die Tiere es aber oft im Napf liegen, weil sie den Geschmack nicht kennen. Dann kann es helfen, die Fleischbrocken ganz kurz zu kochen oder anzubraten. Achtung: Schweinefleisch darf man nicht roh verfüttern, weil es mit dem für Haustiere gefährlichen Aujeszky-Virus belastet sein kann.
- Die Rohfütterung ist nur wenig teurer als Dosenfutter. Tiefgekühltes Futterfleisch wird oft auch in Tierfuttermärkten verkauft, sonst bekommt man es in speziellen Geschäften für naturbelassenes Futter oder im Internet. Besonders praktisch sind Portionspackungen, in denen das Fleisch schon fertig mit püriertem Gemüse, Kräutern und Ölen gemischt ist.
- Die Rohfütterung und ihre mögliche Wirkung gegen Allergien sind umstritten. Seien Sie deshalb nicht irritiert, wenn Ihnen der eine Tierarzt vehement zu-, der andere abrät.
Audio
- Audio: WDR 2 Quintessenz: Allergien bei Tieren (11.10.2012) Anne Debus, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
Tipp: Überlegen Sie sich vorher, was Sie wollen. Möchten Sie Ihr Tier schulmedizinisch behandeln lassen? Dann fragen Sie bei der nächsten Tierärztekammer, welcher Tierarzt eine Zusatzausbildung für Allergien hat. Oder möchten Sie die Ernährung Ihres Tieres umstellen, es vielleicht auch homöopathisch behandeln lassen? Dann suchen Sie nach einem ganzheitlich orientierten Tierarzt oder einem guten Tierheilpraktiker. Seien Sie generell skeptisch, wenn in einer Tierarztpraxis schon im Wartebereich für ein bestimmtes Fertigfutter geworben wird. Dieser Arzt wird Sie nicht unabhängig beraten.
Stand: 11.10.2012, 09.00 Uhr
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