WDR 2 Quintessenz - Vorsorgetarife in der Krankenversicherung: Wette auf die Zukunft
Privatversicherte bekommen zwar oft schneller einen Termin beim Facharzt – mit zunehmendem Alter wird die private Krankenversicherung aber auch immer teurer. Besonders Senioren werden oft so kräftig zur Kasse gebeten, dass ein Großteil der Rente dafür drauf geht. So weit muss es nicht kommen, versprechen jetzt etliche Versicherer – und bieten ihren jüngeren Kunden einen Beitragsentlastungs- oder Vorsorgetarif an.

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Karte mit Euros für Privatversicherte
Wie der Beitragsentlastungstarif funktioniert
Der/die Versicherte beginnt in jungen Jahren, zusätzlich zu seinem/ihrem normalen Tarif jeden Monat eine bestimmte Summe an die Krankenversicherung zu zahlen. Die wird angespart, von der Versicherung investiert und soll im Rentenalter die Beiträge reduzieren.
Der Bund der Versicherten hat hierzu ein Beispiel: Ein 54-jähriger Mann zahlt neben seinem Beitrag zur Versicherung noch eine Summe von 82,00 Euro pro Monat. Dafür sinkt ab seinem 65. Lebensjahr bis zum Lebensende die Versicherungsprämie um 150 Euro monatlich.
Was die Versicherungsvertreter aber meistens nicht so deutlich sagen: Auch nach dem 65. Geburtstag muss der Extra-Beitrag von 82,00 Euro weiter gezahlt werden. Womit die tatsächliche Ersparnis im Alter nur noch 68,00 Euro beträgt.
Lohnende Investition?
Genau wie bei den gesetzlich Versicherten zahlt der Arbeitgeber auch seinen privat versicherten Angestellten einen Zuschuss zur Krankenversicherung. Und zwar maximal knapp 280 Euro. Ist die private Krankenversicherung des Angestellten so günstig, dass dieser Zuschuss noch nicht ausgeschöpft ist, kann sich der Beitragsentlastungstarif lohnen. Denn dann beteiligt sich der Chef an der monatlichen Extra-Zahlung. Allerdings sollte man sich auch hier vor Abschluss beraten lassen.
Die Versicherer werben auch gerne mit den Steuervorteilen des Entlastungstarifs: Der Krankenversicherungsbeitrag sinkt dank der Erträge aus den Einzahlungen vor dem Rentenalter. Diese Erträge sind steuerfrei – im Gegensatz zu den Erträgen aus privaten Rentenversicherungen, Riesterrenten und sonstigen Kapitalanlagen, die auch im Alter steuerpflichtig sind.
Trotzdem rät der Bund der Versicherten nicht zu dem Beitragsentlastungstarif. Nach Berechnungen der Versicherungsexperten haben diese Steuervorteile nur wenige Versicherte. Zudem ist die Geldanlage bei der Bank in der Regel lukrativer. Wer vom Arbeitgeber keine zusätzlichen Zuschüsse kassieren kann, für den lohnt das Angebot in der Regel nicht.
Nachteile
Audio
- Audio: WDR 2 QUintessenz: Vorsorgetarife in der Krankenversicherung (17.08.2012) Anne Schneider, WDR 2 Mittagsmagazin
Der Vorsorgetarif ist extrem unflexibel. Sinkt das Einkommen zum Beispiel unter die Versicherungspflichtgrenze (weil man vielleicht nur noch in Teilzeit arbeitet), dann wechselt der Versicherte zurück in die gesetzliche Krankenkasse. Sein angespartes Geld verbleibt aber bei seinem früheren Versicherer, das heißt, es ist weg.. Genauso wenig kann man es mitnehmen, wenn man zu einer anderen privaten Krankenversicherung wechselt. Auch wenn der oder die Versicherte stirbt, bekommt die Familie das angesparte Geld nicht wieder.
Stand: 17.08.2012, 09.39 Uhr
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