WDR 2 Quintessenz - Oldtimer und "Youngtimer" Geldanlage mit Spaßfaktor

Von Frank Wörner

Der Traum von einem Cabrio oder einem Oldtimer scheint für die meisten Menschen unerreichbar zu sein. Dabei braucht man nicht unbedingt viel Geld, um sich diesen Wunsch zu erfüllen - und nebenbei kann so ein Auto auch noch eine interessante Geldanlage sein.


Bemalter VW Bus

Spannend wird es, wenn es sich um ein historisches Auto handelt oder der Wagen auf dem Weg zum Oldtimer ist. Dann versprechen selbst günstige Fahrzeuge gute Renditen. Typische Beispiele für hohen Wertzuwachs waren in den vergangenen Jahren die "Ente" von Citroen, der Renault R4 oder der Fiat 500. Auch Traumautos wie der Mercedes 300 SL ("Flügeltürer") erzielen oft hohe Wertzuwächse - spielen aber mit Werten von mehreren hunderttausend Euro in einer andern Liga.

Old- oder Youngtimer?


Eine gesetzliche Definition gibt es in Deutschland nur für Oldtimer: So wird ein Fahrzeug genannt, das mindestens 30 Jahre alt und in einem erhaltungswürdigen Zustand ist. Dafür gibt es - nach einer speziellen Abnahme bei den Prüfstellen - das begehrte "H-Kennzeichen"; dem eigentlichen Kfz-Kennzeichen wird dabei der Buchstabe "H" (für "historisch") angehängt. Die Steuer für Autos mit H-Kennzeichen beläuft sich pauschal auf 191 Euro im Jahr - unabhängig von Schadstoffklasse, Hubraum und CO2-Ausstoß. Für Youngtimer gibt es diese Steuer-Ermäßigung nicht, auch eine klare Definition fehlt. Typischerweise werden Autos mit einem Alter ab 15 bis 20 Jahren als Youngtimer bezeichnet.

Laufender Unterhalt

Neben der Steuer fallen Kosten für die Versicherung an. Einige große Versicherer bieten Tarife für Young- und Oldtimer an, daneben gibt es einige Spezialversicherer, die sich ausschließlich auf ältere Fahrzeuge konzentrieren. Eine Haftpflichtversicherung gibt es für Oldtimer teilweise schon ab rund 60 Euro Jahresprämie, bei der Kaskoversicherung wird die Prämie anhand des Fahrzeugwerts berechnet. Einen Schadenfreiheitsrabatt gibt es nicht, die Prämie sinkt also nicht nach vielen schadenfreien Jahren, dafür steigt sie aber auch nach einem Schaden nicht.

Bedingungen für Spezial-Versicherungen

Für die Young- bzw. Oldtimer-Versicherungen müssen meist bestimmte Punkte erfüllt sein, zum Beispiel verlangen viele Versicherer den Nachweis, dass ein Erstfahrzeug vorhanden ist. Außerdem darf das Liebhaber-Auto nicht unbegrenzt gefahren werden, muss in einer (Tief-)Garage abgestellt werden, und der Fahrer muss ein Mindestalter haben. Um eine Kasko-Versicherung gegen Diebstahl oder Schäden am eigenen Wagen abzuschließen, verlangen viele Versicherer zudem ein Gutachten oder eine Kurzbewertung, die den Zustand des Wagens und dessen geschätzten Marktwert dokumentiert.

Lukrative Anlage?

Alte Autos als Geldanlage können sich auch finanziell rechnen - müssen das aber nicht. Der Verband der Automobilindustrie erhebt seit einiger Zeit den "Deutschen Oldtimer Index" ("DOX"), der die Wertentwicklung von Oldtimern abbildet. Im Jahr 2011 ist dieser Index um 9,3 Prozent gestiegen. Welches Auto sich wie im Wert entwickelt, lässt sich kaum vorhersagen. Es ist auch nicht gesagt, dass der Wert überhaupt steigt! Zudem sollten Interessenten bedenken, dass auch teure Reparaturen anfallen können, die reinen Anlegern einen Strich durch die Rechnung machen können.

Anhaltspunkt für den Preis

Die Preise von Young- und Oldtimern schwanken sehr stark - je nach Zustand des Fahrzeugs. Es kann durchaus sein, dass ein und dasselbe Fahrzeugmodell einmal für rund 1.000 Euro angeboten wird, ein anderes Mal aber mehrere zehntausend Euro kostet! Spezialisierte Unternehmen wie Classic Data befassen sich mit dem Wert historischer Fahrzeuge. Eine grobe Vorstellung gibt auch ein Blick in Fachzeitschriften wie Motor Klassik oder Oldtimer Markt, die regelmäßig die Preise gängiger Modelle veröffentlichen. Weitere Informationen gibt es bei Oldtimer-Clubs, die oft marken- oder sogar modellspezifisch arbeiten. Dort können Einsteiger auch Hilfe beim Kauf eines Fahrzeugs bekommen.


Stand: 10.08.2012, 00.00 Uhr