WDR 2 Quintessenz - Absurde Telefonkosten Im Minus trotz Prepaid

Von Thomas Samboll

Eigentlich sind Prepaid-Tarife eine leicht überschaubare Sache: Man kauft sich eine entsprechende SIM-Karte, lädt Guthaben auf und kann dann so lange telefonieren, bis dieses Guthaben aufgebraucht ist. Dann ist Schluss, zumindest bei den meisten Anbietern.


Hände legen Prepaid Karte in ein Handy
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Hände legen Prepaid Karte in ein Handy

Telefonieren ohne Guthaben

Bei manchen Angeboten kann man aber auch dann noch telefonieren, wenn man gar kein Geld mehr auf dem Prepaid-Konto hat. Dann kann man auch mit solchen Tarifen ins Minus rutschen. Dies ist zum Beispiel beim Anbieter Discoplus der Fall. In der Regel geht es dabei nur um wenige Euro. Richtig teuer kann so etwas jedoch bei Gesprächs- oder Datenverbindungen im Ausland werden.

"Negatives Guthaben-Konto" – wie geht das?

Discoplus begründet mögliche "negative Guthaben-Konten" damit, dass Gesprächs- und Datenverbindungen zeitverzögert vom Netzbetreiber übermittelt werden. Wenn nicht mehr viel Geld auf dem Prepaid-Konto ist, könne es vorkommen, dass das Konto überzogen werde. Darauf weist Discoplus auch in seinen AGB hin.

Eine Frage der Technik?

Den meisten anderen Anbietern ist es jedoch technisch möglich, eine Verbindung sofort zu unterbrechen, wenn das Guthaben des Kunden aufgebraucht ist. Warum dies bei Discoplus nicht der Fall ist, wollten auf WDR-Anfrage weder der Anbieter selbst noch das Mutterunternehmen Drillisch begründen.

Wo Prepaid drauf steht, muss auch Prepaid drin sein

Die Rechtslage ist in solchen Fällen noch unklar. Der Düsseldorfer Fachanwalt Michael Terhaag geht davon aus, dass ein Anbieter, der für einen Prepaid-Tarif wirbt, auch echtes Prepaid anbieten muss. Das heißt: Der Kunde muss sich darauf verlassen können, dass er nur solange telefonieren kann, bis sein Guthaben aufgebraucht ist.

"Überraschende Klauseln" unwirksam

Hinweise auf mögliche Negativ-Salden in den AGB hält er für "überraschende Klauseln", die juristisch unwirksam sind. Demzufolge müsste der Kunde nicht zahlen. Rechtsverbindliche Gerichts-Urteile gibt es aber noch nicht. Unabhängig davon fordern Verbraucherschützer, dass alle Anbieter dazu verpflichtet werden sollen, Verbindungen sofort zu kappen, wenn das Guthabenkonto leer ist.

Wann sollten Prepaid-Kunden skeptisch werden?

Ähnliche Probleme hat es nach Auskunft von Verbraucherschützern z.B. auch mit dem Anbietern "Simply", das wie "Discoplus" zum Drillisch-Konzern gehört, und "Fonic" gegeben. Der Stiftung Warentest sind ebenfalls Fälle bekannt, bei denen Prepaid-Kunden ins Minus gerieten. Die Experten sprechen dann von "Quasi"- oder "Pseudo"-Prepaid. Oft muss man bei solchen Anbietern eine Bankverbindung angeben, was bei echten Prepaid-Angeboten nicht der Fall ist. Hier sollten Kunden besonders aufmerksam sein. Generell gilt: Die AGB immer gründlich durchlesen und bei der Auswahl des Anbieters im Zweifelsfall nicht auf den günstigen Preis, sondern auf die passenden Vertragsbedingungen achten.

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Stand: 04.08.2011, 09.58 Uhr