WDR 2 Quintessenz - Saftige Beitragserhöhung: Private Krankenversicherung kann teuer werden
Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung klettern seit Jahren deutlich stärker, als die der gesetzlichen Kassen. Steigende Kosten im Gesundheitswesen, aber mitunter auch eine schlechte Kalkulation des Versicherungsunternehmens können dazu führen, dass die private Versicherung vor allem im Alter sehr teuer wird. Versicherte haben nur wenige Möglichkeiten, die Kosten zu senken.

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Eurostücke auf einer Privaten Krankenkassenkarte
Kunden können Beitragserhöhungen anfechten
Jedes Jahr müssen die Versicherer prüfen, ob ihre Ausgaben höher sind als berechnet. Ist das dauerhaft der Fall, müssen sie die Beiträge anheben. Überprüft wird das von einem unabhängigen Treuhänder. Die Kunden könnten die Beitragsanhebung gerichtlich anfechten. Das ist allerdings äußerst kompliziert. Der Kunde benötigt dazu die Hilfe eines Versicherungsmathematikers, um nachzuweisen, dass die Beiträge falsch berechnet sind. Solche Verfahren sind äußerst langwierig. Erfolgreich waren Kunden dabei nur in wenigen Ausnahmefällen.
Wechsel des Versicherers
Theoretisch können Kunden zu einem anderen, günstigeren Versicherer wechseln. Doch das lohnt sich meist nur bis zum Alter von etwa Mitte 40. Denn in den meisten Fällen können die Versicherten ihre Altersrückstellung nicht zum Konkurrenten mitnehmen. Das gilt zumindest für Kunden, die sich vor 2009 privat versichert haben. Hat der Kunde bereits Vorerkrankungen, so verlangt der neue Versicherer zudem in der Regel Zuschläge oder er baut Leistungsausschlüsse in den Vertrag ein.
Tarifwechsel beim selben Versicherer
Für die meisten Kunden, die ihre Beiträge senken wollen, bietet sich der Wechsel in einen preiswerteren Tarif beim selben Versicherer an. Um neue Kunden zu gewinnen, legen Versicherer bisweilen neue, günstigere Tarife mit ähnlichem Leistungsumfang auf. Bei einem Wechsel in einen solchen Tarif muss der Kunde manchmal nur geringfügige Einschränkungen hinnehmen, zum Beispiel den Verzicht auf Chefarztbehandlung oder Zuzahlungen für die Brille. Verbraucherschützer beobachten, dass Versicherer häufig versuchen, den Kunden den Wechsel in einen günstigeren Tarif zu verwehren. Dieses Recht hat der Kunde aber laut Gesetz.
Vor dem Tarifwechsel beraten lassen
Nicht immer ist der Wechsel in einen günstigeren Tarif angeraten. Der Kunde sollte sich vorher genau informieren, wie sich die Leistungen unterscheiden. Denn gerade bei preiswerten Einsteigertarifen oder Basistarifen gibt es vielfach Einschränkungen, etwa bei der Kostenübernahme für Psychotherapie oder Krankengymnastik. Was die Versicherung zahlt und was nicht, ist in so genannten Heil- und Hilfsmittelkatalogen geregelt. Für den Laien ist es jedoch schwer zu durchschauen, ob in dem Katalog Leistungen fehlen, oder ob die angebotenen Behandlungen im Notfall ausreichend wären. Experten empfehlen daher, sich vor dem Tarifwechsel neutral beraten zu lassen. Das kann zum Beispiel ein unabhängiger Versicherungsberater. Er ist nicht von Provisionen der Versicherungen abhängig, weil er gegen ein Honorar berät. Das kostet in der Stunde 100 bis 180 Euro. Auch die Verbraucherzentralen können weiter helfen.
Augen auf bei der Wahl des Versicherers
Audio
- Audio: WDR 2 Quintessenz: Private Krankenversicherung (20.12.2011) Claudia Rometsch, WDR 2 Mittagsmagazin
Auch wer in die private Krankenversicherung wechseln will, sollte sich gut informieren, damit er im Alter nicht von sprunghaft steigenden Beiträgen überrascht wird. Erste Orientierung bei der Auswahl eines guten Versicherers bieten Testergebnisse von Verbraucher- oder Fachzeitschriften. Ein weiterer Anhaltspunkt seien einfache Tarifstrukturen, beobachtet Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater. Versicherer mit einem singulären Tarifsystem sind nach seiner Erfahrung deutlich preisstabiler. Ulrike König von der Stiftung Warentest warnt überdies vor Krankenversicherungsangeboten zu Niedrigpreisen. Guter privater Krankenversicherungsschutz habe seinen Preis. Die Expertin rät privat Versicherten, rechtzeitig genügend Geld zurückzulegen, um die höheren Beiträge im Alter finanzieren zu können.
Stand: 20.12.2011, 09.00 Uhr
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