WDR 2 Quintessenz - Gefährliche Schlafmittel Zeitbombe auf Rezept

Von Stephanie Kowalewski

Schlafstörungen machen krank. Schlafmittel aber auch. Schlimmer noch. Eine aktuelle Studie aus den USA warnt: Schon wer nur alle drei Wochen Schlafmittel einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko an Krebs oder Bluthochdruck zu erkranken, erleidet öfter einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Menschen, die keine Schlafmedikamente schlucken.


Frau mit Schlafmittel am Bett
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Frau mit Schlafmittel am Bett

Die Studie

Die Forscher schlossen mehr als 10 500 Menschen in die Studie ein, die im Durchschnitt über zweieinhalb Jahre Schlafmittel verordnet bekamen. Zum Vergleich beobachteten die Wissenschaftler auch 23 500 Menschen, die im gleichen Zeitraum keine solchen Medikamente einnahmen. Faktoren wie Geschlecht, Alter, Lebensstil und eventuelle gesundheitliche Probleme berücksichtigte das Team ebenfalls. Untersucht wurden in der Studie gängige Schlafmittel mit den Wirkstoffen Zolpidem, Temazepam, Eszopiclone, Zaleplon und Benzodiazepine.

Die Ergebnisse

Den Studienautoren zufolge zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Schlaftabletten und einem erhöhten Sterberisiko. Sogar dann, wenn weniger als 18 Dosen in einem Jahr eingenommen wurden, war das Risiko zu sterben um 3,5 Prozent erhöht - verglichen mit den Personen, die keine Schlafmittel einnahmen. Bei denjenigen, die mehr als 132 Dosen einnahmen, war das Risiko fünffach höher als bei der Kontrollgruppe. Außerdem steigt laut Studie das Krebsrisiko mit der Einnahme von Schlafmitteln an. Bei denjenigen, die besonders häufig Pillen schluckten, erhöhte sich das Risiko einer Krebsdiagnose demnach um 35 Prozent. Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass ihre Untersuchung lediglich einen Zusammenhang zwischen Schlafmitteln und Sterblichkeit aufzeige. Über Ursache und Wirkung ließe sich damit noch nicht unbedingt etwas aussagen. Um eine zweifelsfreie Kausalität zwischen Schlafmittel-Einnahme und Krankheit herzustellen, sind weitere Studien nötig.

Schlafmittel – ja, aber nur für kurze Zeit

Schlafmedikamente sollten nicht direkt eingenommen werden, wenn man nur ab und zu mal schlecht schläft. Sie sind jedoch durchaus ein Mittel der Wahl bei vorübergehenden massiveren Störungen, die mit einem völligen Schlafverlust in der Nacht einhergehen können. Aber länger als vier Wochen sollten so starke Schlafmittel nicht eingenommen werden. Überdies empfiehlt es sich bei anhaltenden Schlafstörungen einen Schlafmediziner aufzusuchen.

Auch Hausmittel und abendliche Rituale können helfen

Bei Schlafstörungen können durchaus auch Hausmittelchen auprobiert werden: Zum Beispiel am Abend heiße Milch mit Honig, Baldrian, Kamillentee, Bäder mit Zusätzen, die müsde machen. Aber mehr bringt da nicht mehr. Also doppelt soviel Baldrian sorgt nicht für den ersehnten Schlaf. Am besten ist, wenn man ein allabendliches Ritual einsetzt. Das wirkt dann bei Erwachsenen ähnlich, wie das Sandmännchen bei Kindern.

Das besser nicht


Audio

Wer Probleme mit dem Schlaf hat sollte auf Fernseher, Radio und Co im Schlafzimmer verzichten. Außerdem sollte die Temperatur angenehm sein, es darf also nicht zu kalt und auch nicht zu warm sein. Während ein Glas Wein oder Bier durchaus müde machen kann, sollte mehr Alkohol vermieden werden, da er die Schlafqualität mindert, die Muskeln entspannt und somit die Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit von Atempausen erhöht. Alkohol kann zudem bei Personen Apnoen, also Atemaussetzer, auslösen, die sonst lediglich schnarchen würden. Obendrein ist Übergewicht eine häufige Ursache für Schlafapnoe. Da sich das Fett auch im Körperinneren sammelt wird dadurch der Rachenraum verengt. Das Atmen fällt schwerer. Weniger Pfunde sorgen also auch für einen besseren Schlaf.


Stand: 28.08.2012, 00.00 Uhr