WDR 2 Quintessenz - Reisen mit Handicap: Wohin, wenn man mal muss?
Wenn Menschen mit Behinderung reisen, dann fangen die Probleme schon bei der Suche nach einer geeigneten Toilette an. Denn die meisten Rollstuhlfahrer brauchen Barrierefreiheit und Platz. Es gibt zwar mittlerweile viele Behindertentoiletten, aber da geht immer mal wieder einiges schief.

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Rollstuhlfahrer auf dem Weg zur Toilette
Unterwegs mit dem Euroschlüssel
Um Menschen mit Behinderung den Zugang zu öffentlichen Toiletten, die nur für sie bestimmt sind, zu ermöglichen, erfand der "Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e.V." (CBF) 1986 den sogenannten EURO-Schlüssel. Mit ihm haben Betroffene rund um die Uhr Zugang zu einer behindertengerechten Toilette in vielen Ländern Europas. Der Schlüssel kann von allen Menschen mit einer Behinderung durch Vorlage eines Schwerbehindertenausweises oder eines ärztlichen Schreibens gegen eine einmalige Schutzgebühr von 18 Euro beim CBF Darmstadt bestellt werden. Der Euroschlüssel passt auf Autobahntoiletten, an Toiletten vieler Städte der Bundesrepublik, in Österreich, der Schweiz und in weiteren europäischen Ländern.
Parkplatz- und WC-Anlagen
Auf Rastplätzen in NRW gibt es etwa 110 sogenannte Parkplatz- und WC-Anlagen (PWC). Diese sind mit Behindertentoiletten ausgestattet, die aber nicht rund um die Uhr von Servicefachkräften gewartet werden. Ist eine Toilette verschlossen, defekt oder unbrauchbar, dann sollte man das melden. Servicenummern findet man auf Aufklebern in oder an den Toiletten vor. Allerdings werden die sogenannten unbewirtschafteten WCs meistens nur einmal am Tag von einem Serviceteam von Straßen NRW angefahren und gereinigt. In den Ferien werden manche Toiletten auch mehrmals täglich angefahren. Die Behindertentoiletten befinden sich im normalen WC-Anlagenbereich, so dass man sich im Notfall bemerkbar machen kann.
Bewirtschaftete Behindertentoiletten in Raststätten und Autohöfen
Auf Raststätten in NRW gibt es etwa 144 bewirtschaftete Behindertentoiletten, die behindertenfreundlich nach entsprechender DIN-Norm eingerichtet wurden. Die meisten werden rund um die Uhr von Servicefachkräften oder dem Raststättenpersonal betreut. Das Servicepersonal vor Ort ist bei Problemen Ansprechpartner. Es verfügt in den allermeisten Fällen auch über einen Ersatz-Euro-Schlüssel.
Behindertengerechte Toiletten in Zügen des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs
Nicht in allen Zügen gibt es behindertengerechte Toiletten in Deutschland. Alle ICEs sind barrierefrei mit entsprechenden WCs ausgestattet, allerdings ist das nicht immer beim öffentlichen Nahverkehr der Fall. Die meisten S-Bahnen und Regionalexpressbahnen haben Toiletten, die aber nicht immer behindertengerecht sind. Auskünfte über entsprechende Züge erteilt die Deutsche Bahn über eine Service-Nummer bei der Mobilitätsservice-Zentrale.
In Bussen
Es gibt spezielle Reisebusse, die barrierefrei ausgestattet sind. Das Verzeichnis barrierefreier Reisebusse mit behindertengerechten Toiletten vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt Aufschluss.
In Flugzeugen
Bestimmte Fluggesellschaften bieten barrierefreies Reisen mit Bordrollstühlen und behindertengerechten Toiletten an. Auskünfte erteilen die jeweiligen Fluggesellschaften. Bereits bei der Buchung des Tickets im Reisebüro oder bei der Fluglinie sollte auf gegebene Einschränkungen hingewiesen werden, damit entsprechend Bodenpersonal mobilisiert werden kann.
Toiletten-Apps und Website-Verzeichnisse für unterwegs
Mit Toilettenverzeichnissen wie "lootogo.de" haben Besucher der entsprechenden Websites die Möglichkeit, Informationen über Ort und Qualität einer öffentliche Toilette direkt einzuholen. Das ist auch mittlerweile über I-Phone-Apps möglich. Allerdings geben sie nicht immer Auskunft über alle barrierefreien Toiletten. Der CBF Darmstadt e.V. plant, bis Ende 2012 eine entsprechende Möglichkeit anzubieten.
Toilettenführer für Rollstuhlfahrer
"Locus" ist ein Toilettenführer für behindertengerechte Toiletten in Deutschland und ist gegen eine Schutzgebühr beim CBF Darmstadt e.V. erhältlich. Der Behindertentoilettenführer "DER LOCUS" umfasst ca. 9.000 Toilettenstandorte in ganz Deutschland und teilweise auch im Ausland. Er kann zusammen mit dem Behinderten-WC-Schlüssel beim CBF e.V. Darmstadt bestellt werden.
Audio
- Audio: WDR 2 Quintessenz: Reisen mit Handicap (04.07.2012) Viola Gräfenstein, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
- Reisen mit Behinderung (Servicezeit) (04.07.2012)
Euroschlüssel: Club Behinderter und ihrer Freunde
Darmstadt und Umgebung e.V.
Pallaswiesenstraße 123a
64293 DarmstadtTelefon: 06151-81220
E-Mail: info@cbf-darmstadt.de
Stand: 04.07.2012, 11.46 Uhr
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