WDR 2 Quintessenz - Richtig Riestern Den passenden Riestervertrag finden

Von Frank Christian Starke

Sicher ist: Die gesetzliche Rente allein wird später im Alter nicht ausreichen. Sicher ist auch: Riester-Verträge sind durch staatliche Zulagen, Steuervorteile und Garantien als Altersvorsorgeprodukt Spitze. Wer nicht auf Dauer wenig verdient, wird profitieren. Vorausgesetzt man entscheidet sich für die Riestersparform, die am besten auf die eigene Lebenssituation passt und für einen guten Vertrag, bei dem das Verhältnis von Rendite, Risiko und Kosten stimmen.


Riester Rente aus Bausteinen auf Euroscheinen
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Riester Rente

Riester in der Kritik

Viele sehen die Riester-Rente kritisch. Die Vorwürfe: Sie sei zu bürokratisch und lohne sich nicht. Kunden müssten steinalt werden, damit sie mit Riester ins Plus kommen. Stimmt so pauschal nicht, sagt die Stiftung Warentest. Wer einen guten Vertrag abschließt, erreicht durch die staatliche Förderung eine ganz ordentliche Rendite auf seine Riester-Beiträge. Sie ist jedenfalls höher als bei anderen vergleichbaren Produkten, beispielsweise einer privaten Rentenversicherung. Vor allem für Häuslebauer lohnt sich ein Riester-Vertrag in Form eines Darlehens oder Bausparvertrags. Mit einem günstigen Vertrag schneiden sie viel besser ab als mit einer Finanzierung ohne die Förderung.

Neben den Zulagen gibt es für viele auch noch Steuervorteile, die bei der Berechnung der Rendite mitgezählt werden müssen. Davon profitieren aber vor allem Gutverdiener. Der Vergleich mit dem Sparstrumpf stimmt schon deshalb nicht, weil ein Sparstrumpf irgendwann leer ist. Eine Riester-Rente wird dagegen lebenslang gezahlt. Wichtig ist, den passenden Produkttyp zu wählen und einen günstigen und renditeträchtigen Vertrag abzuschließen. Schlechte Angebote bleiben auch dann schlecht, wenn sie staatlich gefördert werden. Leider hat die Stiftung Warentest gerade unter den meistverkauften Verträgen, den Riester-Rentenversicherungen, in jüngsten Tests kein einziges sehr gutes Angebot gefunden, aber wenigstens ein paar gute.

Bis zu 200 Prozent Zugabe vom Staat

Riester-Verträge sind attraktiv, weil jeder mit einer Zulage vom Staat und Steuervorteilen bezuschusst wird. Bis zu 200 Prozent gibt der Staat je nach Einkommen und Familiensituation zum Beitrag des Sparers dazu. Ein Verlustrisiko ist ausgeschlossen, weil mindestens alle eingezahlten Beiträge und Zulagen vom Anbieter zum Rentenbeginn garantiert werden. Für den einzelnen Sparer ist der Erfolg am Ende am größten, wenn sein Riester-Vertrag zu ihm passt und das Angebot zu den guten oder besten seiner Sparte gehört. Finanztest hat die Riester-Angebote regelmäßig untersucht: Banksparpläne, Fondssparpläne, Rentenversicherungen und nun „Wohn-Riester“ als Darlehen oder Bausparen.

Staatliche Zulagen und Steuerersparnis

Die staatlichen Zulagen für Riester-Sparer: Die Grundzulage beträgt maximal 154 Euro pro Jahr. Pro Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht, kommt noch einmal bis zu 185 Euro hinzu. Für Kinder, die ab 1. Januar 2008 geboren sind, gibt es sogar bis zu 300 Euro vom Staat. Dazu erhalten Sparer über ihre Steuererklärung Steuern auf den Beitrag zurück. Seit 2008 können sie maximal von 2.100 Euro Beitrag inklusive Zulage jährlich beim Finanzamt geltend machen. Die erhaltene Zulage wird von der Steuerersparnis abgezogen. Alle Riester-Verträge garantieren den Erhalt des eingezahlten Geldes und der staatlichen Zulage zum Ende der Ansparphase.
Tipp: Die Zulage gibt es aber nur, wenn sie der Kunde extra beantragt. Den Zulagenantrag gibt es beim Anbieter des Riester-Vertrags. Einmal ausgefüllt, gilt er dauerhaft. Änderungen sind nur nötig, wenn ein Kind dazukommt oder die Eltern kein Kindergeld mehr erhalten.

Riester-Bausparen

Riester-Bausparverträge sind erste Wahl, um für ein Eigenheim zu sparen. Sie sind genauso gut wie ungeförderte Bausparverträge, bringen aber zusätzlich viele Tausend Euro an Zulagen und Steuervorteilen. Finanztest 11/2012 zeigt die günstigsten Riester-Tarife für Sparer, die in 7 bis 15 Jahren in die eigenen vier Wände ziehen wollen.

Wohn-Riester

Produkt: Wohn-Riester gibt es als Angebote der Bausparkassen und als Riester-Darlehen von Banken. Im aktuellen Test schneiden die Wohn-Riester-Kredite der Bausparkassen besser ab.
Vorteil: Zur Finanzierung einer Immobilie ist die Riester-Förderung ideal. Aus jedem Riester-Vertrag ist das Entnehmen von Kapital für ein Eigenheim oder eine Wohnung möglich. Beim Bausparvertrag profitieren Immobilienkäufer von niedrigen Zinsen. Wird der Bausparvertrag zugeteilt, haben Immobilienbesitzer Anspruch auf ein günstiges Bauspardarlehen.
Nachteil: Die Kombination aus Bausparvertrag und tilgungsfreiem Darlehen kann anfangs geringfügig ins Minus rutschen.
Geeignet für: Riester-Bausparen für alle, die für sich selbst später eine Immobilien kaufen wollen. Riester-Darlehen für Sparer, die jetzt eine Immobilie kaufen wollen, die sie selbst nutzen werden.

Riester Banksparpläne

Riester-Banksparpläne sind attraktiv und für viele Alterssparer eine gute Entscheidung. Zwar liegt der Startzins vieler Riester-Banksparpläne im Moment bei weniger als 1 Prozent. Aber entscheidend für die Höhe der späteren Rente sind nicht die Zinsen von heute, sondern die künftigen Zinsen, wenn schon viel Geld im Sparplan liegt. Finanztest 11/2012 hat 84 Produkte getestet und sagt, welche die höchste Renditeerwartung haben.

Riester-Banksparplan

Produkt: Staatlich geförderter und verzinster Sparvertrag.
Vorteil: Die Anbieter stellen keine Abschlusskosten oder Provisionen in Rechnung. Dadurch ist ein Riester-Banksparplan sehr sicher, flexibel und transparent: Selbst bei vorzeitigem Ausstieg besteht kein Verlustrisiko.
Nachteil: Mittlere Renditeaussichten von rund 3 bis 6 Prozent.
Geeignet für: Vor allem für über 40- und auch noch über 50-Jährige. Auch für jüngere Kunden, die ihr Riester-Konto zwischendurch für eine Immobilienfinanzierung beleihen wollen.

Klassische Riester-Rentenversicherung

Produkt: Staatlich geförderter Rentenversicherungsvertrag, der bei Beitrag und Leistung nicht zwischen Männern und Frauen unterscheidet (Unisex-Tarif). Durchgängiger Vertrag von der Anspar- bis zur Verrentungsphase.
Vorteil: Bringt neben der Kapitalgarantie, die alle Riester-Produkte bieten, für Neuverträge ab 2012 eine garantierte Mindestrendite von 1,75 Prozent auf den Sparanteil. Schon bei Abschluss ist klar, welche Rente Sparer mindestens erhalten werden.
Nachteil: Die relativ hohen Abschlusskosten. Der Sparer muss sie mit seinen Beiträgen meist in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit zahlen. Ein Ausstieg aus dem Vertrag oder eine Reduzierung der ursprünglich vereinbarten Beträge wird dadurch sehr teuer. Von Anbieter zu Anbieter hohe Unterschiede bei Garantien und Überschussprognose.
Geeignet für: Vor allem für 40- bis 50-Jährige. Menschen, die sich nicht aktiv um ihre Altersvorsorge kümmern möchten und die sich sehr sicher sind, die einmal vereinbarten Raten auch über die gesamte Laufzeit des Vertrages leisten zu können.

Riester-Fondssparpläne

Produkt: Staatlich geförderte Fondssparpläne. Das Geld fließt in Aktien- und Rentenfonds. Sparer profitieren von Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen.
Vorteil: Bieten die höchsten Renditeaussichten - je höher der Aktienfondsanteil, desto besser sind sie. Möglich sind bis zu 10 Prozent pro Jahr.
Nachteil: Beim Kauf der Fondsanteile fällt ein Ausgabeaufschlag an, der bis zu 5 Prozent der Rate beträgt. Für das Management werden jährlich bis zu 1,94 Prozent der Anlagesumme abgezogen. Zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Für eventuelle Verluste bei einem Produktwechsel während der Ansparphase gibt es keinen Ausgleich.
Geeignet für: Vor allem jüngere Kunden bis ungefähr Mitte 40. Sie können sich die hohen Renditechancen der Aktienfonds zunutze machen.

Fondsgebundene Riester-Rentenversicherung

Produkt: Staatlich geförderte fondsgebundene Rentenversicherung von Gesellschaften mit deutschem Insolvenzschutz. Für das Geld der Sparer stehen bis zu drei verschiedene Anlagebausteine zur Verfügung, die auf unterschiedliche Art miteinander kombiniert werden können. Das Angebot umfasst Fonds zur freien Auswahl (ohne Garantiefonds), vom Anbieter vorgegebene Fonds und dazu bei fast allen Versicherungsprodukten das konventionelle Deckungskapital.
Vorteil: Bieten hohe Renditeaussichten - je höher der Aktienfondsanteil, desto höher sind sie.
Nachteil: Die Kosten sind bei Versicherungsunternehmen sehr hoch. So verlangt die Alte Leipziger 14,21 Prozent von jedem planmäßig eingehenden Beitrag. Andere liegen mit knapp 12 Prozent nur wenig darunter.
Geeignet für: Vor allem jüngere Kunden bis Anfang 40. Älteren Kunden kann es passieren, dass die Umsetzung der gesetzlichen Garantie die Renditechancen verdirbt. Eine Alternative mit hoher Sicherheit, aber geringeren Renditechancen sind Riester-Banksparpläne.

Auszahlung und Abrechnung

Riester-Rentner müssen Steuern zahlen. Auch auf Wohn-Riester-Verträge besteht Steuerpflicht im Ruhestand. Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge müssen Riester-Rentner nur in seltenen Fällen zahlen. Wie die Auszahlung in den einzelnen Vertragstypen genau funk­tioniert, erfahren Leser in diesem Beitrag.

Versicherungsvermittler beraten im eigenen Interesse

Bankberater und Versicherungsvermittler empfehlen ihren Kunden häufig nicht den optimalen Riester-Vertrag. Denn Berater sind Verkäufer. Sie wollen den Sparer oft von dem Riester-Produkt überzeugen, an dem sie am meisten verdienen können. Das geht zu Lasten des Kunden. Sie zahlen etwa hohe Abschlusskosten für fondsgebundene Rentenversicherungen. Die Vermittler fahren so hohe Provisionen ein. Riester-Banksparverträge sind dagegen für den Verkäufer wenig profitabel.

Einfach Riestern ohne Job


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Zum Riestern braucht es keinen Job. Auch Hausfrauen und -männer können in einen Riester-Vertrag einzahlen. Für sie gelten aber seit Anfang diesen Jahres neue Regeln. Sie können nicht mehr wie bisher nur die staatlichen Zulagen ansparen, sondern müssen einen Eigenbeitrag für die staatliche geförderte Altersvorsorge leisten. Auch Erziehende, Pflegende, Arbeitslose und Erwerbsunfähige können von der Riesterförderung profitieren. (Quelle: Stiftung Warentest)


Stand: 18.10.2012, 09.00 Uhr