WDR 2 Quintessenz - Haushaltscheck Die Schuldenfalle

Von Jens Gerke

In NRW mussten nach Angaben des Statistischen Landesamts im ersten Halbjahr 2012 rund 13.000 Menschen eine Privatinsolvenz anmelden. Nach Schätzungen ist jeder zehnte Haushalt von Überschuldung bedroht. Eine der Ursachen: Der praktische, aber teure Dispo-Kredit.


Mann bei der Schuldnerberatungsstelle
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Mann bei der Schuldnerberatungsstelle

Überziehen kostet

Der Dispo ist die teuerste Form des Kredits. Nach Berechnungen der Stiftung Warentest müssen Verbraucher für das Überziehen ihres Girokontos im Schnitt 11,8 Prozent Zinsen zahlen. Daher sollte man den Dispo eigentlich nur selten und im Notfall verwenden.

Dauerhaft im Dispo

Gefährlich wird es, wenn man den Dispo Monat für Monat immer wieder in Anspruch nimmt. Wer ohnehin mehr ausgibt als er einnimmt, für den schlagen die teuren Zinsen für das überzogene Konto um so stärker zu Buche. Irgendwann bietet die Bank eine Umschuldung auf einen Raten- oder Konsumentenkredit an. Der ist zwar deutlich billiger als der Dispo, aber immer noch teuer. Und er löst das Problem der Überschuldung nicht dauerhaft.

Ursachen bekämpfen

Die Umschuldung des Dispokredits ist nur der erste Schritt. Wer permanent das Konto überzieht, der muss dringend seine Ausgaben kürzen und sehen wo er sparen kann. Denn es hilft wenig, wenn die Bank einen Konsumentenkredit gewährt, das Girokonto schon zum nächsten Monatsende aber wieder in den Miesen ist. Deshalb sollte man nicht nur sparen, sondern die Bank auch gleichzeitig dazu auffordern, den Dispo radikal zusammen zu streichen. Wem nur noch ein Kredit von maximal 500 Euro für Notfälle eingeräumt wird, der kann nicht so schnell in die Überschuldung rutschen. Bleibt der Dispo auf dem gleichen Niveau wie vor der Umschuldung, ist die Gefahr, das Konto immer wieder bis zum Anschlag zu überziehen, sehr groß. Bis man die Zinsen irgendwann gar nicht mehr bezahlen kann.

Vergleich lohnt

Dispo-Dauerkunden sollten sich auch überlegen, die Hausbank zu wechseln. Die Stiftung Warentest hat erst im Oktober das Angebot von rund 1.000 Banken untersucht. Das Ergebnis: Zwischen den günstigen und teuren Kreditinstituten unterscheiden sich die Zinsen um durchschnittlich sechs Prozentpunkte. Bei einem "ausgeschöpften" Dispo von 4.000 Euro würde man bei einer günstigen Bank so 20 Euro Zinsen im Monat sparen können.

Konsum auf Kredit

Ein sehr häufiger Grund für Überschuldung sind die Angebote, teure Konsumgüter auf Pump zu kaufen. Ob der neue Fernseher, das neue Auto oder die neue Waschmaschine – fast alles kann man heutzutage finanzieren. Das ist zwar nicht ganz so teuer wie eine Finanzierung über den Dispo. Aber häufig sind die Finanzierungsangebote auch längst nicht so günstig wie der Hersteller verspricht.

Hinzu kommt: Hat man zu viele dieser Kredite, kann man schnell den Überblick über die eigene Finanzlage verlieren. Außerdem kann das dazu führen, dass die Fixkosten zu hoch werden und man zu wenig Geld für das tägliche Leben zur freien Verfügung hat. Als einfache "Faustformel" gilt: Rund 150 Euro pro Woche sollten für einen Zweipersonenhaushalt übrig sein. Für jede weitere Person muss man mit ungefähr 75 Euro frei verfügbarer Mittel pro Woche zusätzlich rechnen.

Professionelle Beratung

Kommt es zu einem finanziellen Zusammenbruch, können Schuldner sich professionelle Hilfe suchen. Schuldnerberater gibt es reichlich. Allerdings sind nicht alle seriös. Manche Scharlatane schröpfen die überschuldeten Verbraucher zusätzlich mit dubiosen Hilfsversprechen und hohen Gebühren für die Beratung. Bei der Auswahl eines Beraters sollte man folgende Punkte achten:


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  • Hat die Stelle eine Zertifizierung von der Bezirksregierung für die Durchführung eines Insolvenzverfahrens?
  • Müssen bereits vor dem Beginn konkreter Hilfsmaßnahmen Gebühren bezahlt werden?
  • Wer ist der Träger der Beratungsstelle?

Nicht jede private Beratungsstelle, die sich über die Gebühren der Schuldner finanziert, arbeitet unseriös. Allerdings bieten soziale Träger ihre Schuldnerberatung in der Regel kostenlos an. Nachteil: Dort muss man fast immer auf einen Termin warten.


Stand: 09.04.2013, 00.00 Uhr