WDR 2 Servicezeit - Täuschung im Supermarkt Kosten statt Nutzen

Immer neue Produkte finden den Weg in die Regale der Supermärkte, schließlich sollen die Verbraucher kräftig konsumieren. Dabei wird manchen Nahrungsmitteln nicht selten eine gesundheitsfördernde oder sogar medizinische Wirkungen angedichtet, die zumindest zweifelhaft ist, da selten wissenschaftlich fundiert. Andere Produkte sind angeblich extra für die Bedürfnisse einer bestimmte Zielgruppe, wie Kinder oder Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten, entwickelt – oft brauchen die die teuren Ersatzprodukte aber gar nicht


Ein Supermarkt
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Ein Supermarkt

Zucker statt Fett...

…ein oft genutztes Mittel, um Produkte gesund und wohltuend erscheinen zu lassen. Zum Beispiel wird auf einer Joghurtverpackung ganz groß aufgedruckt, dass er nur 0,1 Prozent Fett enthält. Damit wird dem Kunden suggeriert: Das ist ein Produkt zum Abnehmen, dass er in praktisch unbegrenzter Menge essen kann, ohne dick zu werden. Das Problem: Häufig wird Zucker als Geschmacksträger dafür umso mehr zugegeben. Der fettreduzierte Joghurt ist in Wahrheit also eine Kalorienbombe.

Functional Food

"Probiotische" Joghurts, Vitaminpräparate, Wellness-Drinks – es gibt eine schnell wachsende Zahl von Produkten, die versprechen, den Konsumenten gesünder und ausgeglichener zu machen. Oft sind diese Versprechen wissenschaftlich aber nicht belegt. Nicht selten werden sie gerichtlich überprüft und müssen anschließend revidiert werden. Verbraucher sollten solchen Aussagen also zumindest kritisch gegenüber stehen. Außerdem: Ein gesunder Mensch, der ausgewogen isst und vor allem frische Produkte zu sich nimmt, hat überhaupt keinen Bedarf nach Zusätzen in seinem Essen oder nach einer zusätzlichen Wirkung eines bestimmten Produkts. Im Gegenteil: Zu viele Vitamine etwa können am Ende sogar schädlich sein. Ausgewogene Ernährung liefert dem gesunden Körper alles, was er braucht, um sowohl körperlich als auch mental auf der Höhe zu sein.

Das Spiel mit Unverträglichkeiten

Es gibt Menschen, die tatsächlich bei ihrer Ernährung vorsichtig sein sollten, weil sie bestimmte Unverträglichkeiten haben. Zum Beispiel müssen Menschen mit einer Laktoseintoleranz beim Verzehr von Milch aufpassen. Für sie gibt es eine Extra-Milch, die auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ein großer Markt für die Lebensmittelkonzerne. Deshalb brachten sie weitere dieser Produkte in die Regale, die oft vollkommen unsinnig aber sehr teuer sind. Schinken, der besonders teuer verkauft wird, weil er keine Laktose enthält (was sollte sie auch darin?), oder laktosearmer Gouda, der von Natur aus ebenfalls wenig Laktose enthält. Eine klare Lebensmittelkennzeichnung würde betroffenen Menschen wesentlich weiter helfen, als teure Extraprodukte, sagen Verbraucherschützer.

Kinder- und Babynahrung

Hier müssen Eltern genau hinschauen, denn neben unbedenklichen Gemüsebreis und so weiter, wird als Kindernahrung viel Schädliches angeboten. Zum Beispiel Tee für Kinder, der ordentlich Zucker enthält, was natürlich für die Zähne der Kleinen keine gute Idee ist. Ebenso weisen die Verbraucherzentralen darauf hin, dass Kindermilch nicht besser für die Ernährung von Kleinkindern sei, dafür aber wesentlich teurer. Babywasser ist allenfalls eine Erleichterung für gestresste Mütter, die nicht immer Wasser abkochen und abkühlen lassen möchten, wirklich gebraucht wird es nicht. Eltern sollten entsprechend nicht jede Packung kaufen, auf der ein Kinderlachen zu sehen ist. Sie tun dem Nachwuchs im Zweifel sogar einen Gefallen, wenn das Produkt im Regal bleibt.

Wo informieren?

Neben den Verbraucherzentralen gibt es im Internet inzwischen mehrere gute Anlaufstellen zum Thema Lebensmittel. Das Portal „Lebensmittelklarheit“ bietet Informationen zu neuen Produkten, zu Fragen der Aufmachung und der Kennzeichnung von Lebensmitteln. Die Seite „Lebensmittelwarnung“ liefert, wie der Name schon sagt, alle Warnungen im Zusammenhang mit Lebensmitteln, die die Länder und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Zuge von Kontrollen ausgesprochen haben. Das Portal "Lebensmitteltransparenz-NRW" listet Informationen zu Grenzwertüberschreitungen und Verstößen in der amtlichen Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung.

Verschleierungstaktik im Supermarkt

Auch wenn die Flut der Sonderangebote auf Handzetteln oder Anzeigen einen anderen Eindruck vermittelt, die Preise im Einzelhandel steigen stetig. Nicht immer sind die Preiserhöhungen für Verbraucher auf Anhieb erkennbar, denn die Hersteller bedienen sich zahlreicher Tricks, um sie zu verschleiern. Die Verbraucherzentrale Hamburg deckt seit vielen Jahren auf, welcher Mogeleien sich die Branche bedient.

Nr. 1: Das Schrumpfprinzip

Bei scheinbar gleicher Packungsgröße und identischem Preis schrumpft der Inhalt eines Produkts. So reduzierte der Konzern Procter & Gamble die Anzahl der Pampers Windeln in der Kategorie 4 in den letzten 6 Jahren von 47 auf heute 37 Stück pro Packung.

Nr. 2: Der Mehr-drin-Trick

Eine größere Füllmenge suggeriert zunächst ein "Schnäppchen", wird aber überproportional teuer verkauft. Das Spülmittel Ultra Palmolive von Colgate-Palmolive gibt es in 600-Milliliter-Packungen statt vormals 500-Milliliter-Flaschen. Der Preis erhöhte sich von 0,85 Euro auf 1,65 Euro, was einem Anstieg von 62 Prozent entspricht.

Nr. 3: Das Pseudo-Günstigerprinzip

Der Preis eines Produkts wird mit der Verringerung der Füllmenge gesenkt, doch der Preisnachlass entspricht nicht der Reduzierung des Inhalts. Die Menge der Rewe Kuchenglasur Bourbon-Vanille schrumpfte von 200 auf 150 Gramm, doch der Preis sank lediglich von 1,25 Euro auf 1,09 Euro, was einem Preisaufschlag von 16 Prozent gleichkommt.

Nr. 4: Der Händlertrick

Ein- und dasselbe Produkt geht bei verschiedenen Einzelhändlern in Packungen mit abweichenden Füllmengen in den Verkauf – allerdings zum gleichen Preis. So kosten Haribo Goldbären in 200- und 300-Gramm-Tüten je 0,89 Euro; der Preisunterschied liegt bei 50 Prozent.

Nr. 5: Der Sammelpacktrick

Mehrfach- oder Sammelpackungen werden genutzt, um Produkte scheinbar besonders preisgünstig, jedoch im kleineren Format anzubieten. Der Schokoriegel Twix von Mars beispielsweise ist im 5er-Pack 50 Gramm schwer, wiegt einzeln abgepackt aber 58 Gramm.

Nr. 6: Der Portionstrick

Produkte in praktisch vorportionierten Beuteln haben meist eine geringere Füllmenge als das Ausgangsprodukt. Da der Preis nicht entsprechend reduziert wird, ist diese Packungsveränderung mit einer Preiserhöhung verbunden.

Nr. 7: Der Mengentrick

Die Stückzahl ersetzt die besser vergleichbare Angabe der Füllmenge auf der Vorderseite einer Verpackung. Auf diese Weise verkauft Bel Deutschland seinen Leerdammer Käse nach wie vor in Abpackungen von 14 Scheiben mit scheinbar gleicher Menge. Heute bekommt man jedoch nur 280 Gramm Käse für 3,79 Euro; früher waren es 350 Gramm.

Nr. 8: Der Qualitätstrick

Durch einen geringeren Anteil an wertgebenden Bestandteilen verschlechtert sich die Qualität eines Produkts, die Hersteller sparen Kosten und erhöhen bei gleichem Preis ihre Marge. Für sein Schlemmer-Filet à la Bordelaise reduzierte Iglo den Fischanteil von 70 auf 52 Prozent und erhöhte damit den Preis um 34,6 Prozent.

Nr. 9: Der Quantitätstrick

Veränderte Dosiervorgaben führen dazu, dass größere Mengen eines Produkts benötigt werden. Der Hersteller Henkel vergrößerte für sein Geschirrspülmittel Pril Kraft-Gel die Ausgusstülle und setzte die Dosierempfehlung von 2 auf 3 Milliliter pro fünf Liter Wasser herauf.

Nr. 10: Das Alles-neu-Prinzip

Die Wiedereinführung eines Produkts in einer neuen Verpackung wird genutzt, um die Füllmenge zu reduzieren und den Preis zu erhöhen. Nestlé bietet seine Beba Säuglingsnahrung 1 nicht mehr im Pappkarton, sondern in einer Metalldose an und nutzte den Relaunch für eine Preiserhöhung von knapp 30 Prozent.

Preistricksereien statt sinnvoller Angebote

Seit 2009 dürfen praktisch alle Lebensmittel in allen möglichen Größen verkauft werden. Doch die von der Industrie versprochenen Angebote für Senioren, Singles und Großfamilien sucht man vergebens. Vielmehr nutzen die Hersteller die neuen Packungsgrößen, um ihre Gewinne zu steigern. (Quelle: Verbraucherzentrale)


Stand: 05.09.2012, 09.39 Uhr