WDR 2 Servicezeit - Urlaub mit Hindernissen Reisen mit Handicaps

Von Patrick Kremers

Wer ein Handicap oder eine chronische Krankheit hat, muss auf eine Reise nicht verzichten. Allerdings muss der Urlaub gründlich geplant und gut organisiert sein. Wer zusätzlich ein paar Regeln beachtet, kann richtig gut entspannen.


Rollator steht am Strand
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Rollator steht am Strand

Eine chronische Krankheit schränkt im Alltag häufig ein. So müssen Diabetiker oder Herzkranke zum Beispiel regelmäßig ihre Medikamente einnehmen und strikt auf ihre Ernährung achten. Viele chronisch Kranke schrecken deshalb vor einer Reise zurück. Das gilt auch für Menschen mit Behinderungen, die zum Beispiel im Rollstuhl sitzen. Viele fürchten die Strapazen einer Reise und bleiben lieber zu Hause, statt am Strand in der Sonne zu entspannen. Doch wer sich an ein paar Regeln hält und die Reise gründlich plant, kann auch mit einer chronischen Krankheit oder mit einem Handicap den Urlaub genießen.

Spezialisierte Reiseanbieter

Wer im Rollstuhl sitzt oder auf Hilfe beim Gehen angewiesen ist, muss auch nicht auf den Urlaub verzichten. Im Gegenteil: Es gibt zahlreiche Spezialanbieter, die sich auf die Organisation von Reisen für Menschen mit Behinderungen spezialisiert haben. Sie bieten nicht nur klassischen Erholungsurlaub, sondern auch Kreuzfahrten oder sogar Tauchurlaube an.  Diese Anbieter achten darauf, dass vom Transport der Urlauber bis zur Unterbringung im Hotel alles behindertengerecht ist. Und sie achten darauf, dass die medizinische Versorgung während der Reise gewährleistet ist.

Urlaub selber planen

Wichtig: Wer den Urlaub lieber selber organisieren möchte und am Urlaubsort auf eine spezielle Infrastruktur angewiesen ist, sollte sich schon vor der Buchung vom Hotel oder dem Besitzer der Ferienwohnung alle wichtigen Details schriftlich bestätigen lassen – zum Beispiel, dass das Zimmer mit dem Rollstuhl erreichbar ist. Denn nicht jede als "behindertenfreundlich" deklarierte Anlage ist auch wirklich barrierefrei. Flug- und Bahngesellschaften müssen vorab informiert werden, dass ein eingeschränkt mobiler Passagier kommt. Nur dann können sie sich richtig auf die besonderen Bedürfnisse vorbereiten – zum Beispiel gewährleisten, dass der Rollstuhlfahrer vor allen anderen Passagieren in den Flieger einsteigen darf. Übrigens: Rollstühle werden von den Fluggesellschaften kostenlos transportiert. Und wer eine Person mit Schwerbehindertenausweis auf dem Flug begleitet, muss in der Regel nichts für den Flug zahlen. Nur die anfallenden Steuern und Gebühren müssen die Begleitpersonen tragen.

Chronische Krankheiten

Patienten mit Herzerkrankungen können problemlos eine Reise antreten, wenn sie keine wesentlichen Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit haben. Ein Herzschrittmacher ist ebenso wenig ein Problem wie ein Defibrillator oder künstliche Herzklappen. Einzige Einschränkung: Wer vor kurzem einen Herzinfarkt hatte, sollte besser mindestens drei Monate warten, bevor es auf Reise geht, empfiehlt die Herzstiftung. Und am Urlaubsort sollte man alles etwas langsamer angehen lassen. Erst einmal in Ruhe ankommen und auf die extreme Wandertour lieber verzichten. Diabetiker sollten vor allem beachten, dass im Urlaub ein anderer Tagesrhythmus gilt – mehr Bewegung, andere Essgewohnheiten. Der Patient muss sich darauf einstellen und seine Insulin-Dosen entsprechend planen. Bei langen Flügen wechselt man in der Regel außerdem die Zeitzone – das wirkt sich auf die notwendige Dosis der Medikamente aus. Genauere Informationen zur richtigen Dosis gibt’s bei den Insulin-Herstellern. Für Dialyse-Patienten ist eine gründliche Planung sogar lebenswichtig. Das Problem: Nicht überall gibt es zuverlässige Dialyse-Praxen und Kliniken. Vor der Reise sollte man sich deshalb mit dem Arzt besprechen und vorab im Urlaubsland schon einmal eine Dialysepraxis suchen. Wichtig: Unbedingt schon vor dem Urlaub klären, wer die Kosten für die Dialyse im Ausland übernimmt.

Mit dem Hausarzt sprechen

Grundsätzlich gilt also: Bevor chronisch Kranke eine Reise buchen, sollten sie erst mit ihrem Hausarzt über ihre Pläne sprechen. Der kann einschätzen, ob der Kranke zum Beispiel die Strapazen des Fluges gut verkraftet oder mit dem ungewohnten Klima im Urlaubsland klar kommt. Unter Umständen wird der Arzt mithilfe einer Untersuchung feststellen, ob der Patient reisefähig ist - oder nicht. Wenn ja, dann sollten chronisch Kranke mit ihrem Arzt ein paar spezielle Reiseunterlagen zusammenstellen. Wichtig ist zum Beispiel eine schriftliche Zusammenfassung der Krankengeschichte sowie eine Liste mit den Wirkstoffen, die der Patient einnehmen muss. Bei einem eventuellen Notfall im Urlaubsort kann der Arzt dann sofort richtig reagieren. Reisemediziner empfehlen außerdem, dass man im Urlaub immer die Telefonnummern seiner Ärzte dabei haben sollte. Außerdem sollte man sich schon vor der Reise informieren, welche Ärzte man im Notfall am Urlaubsort aufsuchen kann.

Auf die Medikamente achten

Wer regelmäßig Medikamente braucht, muss besonders die An- und die Abreise gut planen. Mindestens eine Tagesdosis gehört auf jeden Fall ins Handgepäck, bloß nicht in den Koffer. Denn der kommt bei Flugreisen gerne einmal verspätet am Zielort an. Im Handgepäck hingegen hat man die Medikamente immer bei sich. Wichtig: Denken Sie bei der Planung daran, dass auch mal ein Flug ausfallen kann und man eventuell mal einen Tag länger im Ausland bleiben muss. Ein ärztliches Attest sollte man auf jeden Fall dabei haben, wenn man Medikamente einnehmen muss, die unter das Betäubungsmittel-Gesetz fallen. Das Problem: Bei den Zollkontrollen könnte der Verdacht auf Drogenkonsum aufkommen. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte sich das Attest vor der Reise in die Sprache des Urlaubslandes übersetzen lassen.

Richtig versichert

Sinnvoll ist, vor dem Urlaub eine Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. Denn im Ausland kommt nicht jede Krankenversicherung für jede Leistung auf. Rücktransporte im Krankheitsfall zahlt die "normale" Krankenkasse in der Regel nämlich nicht. Wer im Urlaub krank wird und nach Hause möchte, muss dann tief in die Tasche greifen. Ein Ambulanzflug von Mallorca nach München kostet bis zu 12.000 Euro. Die bekommt nur erstattet, wer eine Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen hat. Wichtig: Ein Vergleich lohnt sich, denn die Leistungen sind sehr unterschiedlich. Erfreulich: Ein guter Reiseschutz ist nicht teuer, hat das Verbrauchermagazin Finanztest herausgefunden. Eine Familie zahlt für die günstigste Police knapp 18 Euro im Jahr. Einzelreisende können sich schon für 7,50 Euro ein Jahr lang im Ausland kranken versichern.


Stand: 04.07.2012, 09.58 Uhr