WDR 2 Quintessenz - Smart-TV: Was bringt's? Wie geht's?
Smart-TV ist kein genau definierter oder einheitlicher Begriff. Das heißt: Jeder Gerätehersteller versteht etwas anderes darunter. Gelegentlich werden auch die Begriffe "Hybrid-TV", "Connected-TV" oder "Internet-TV" gebraucht. Gemeint ist im Grunde aber immer das Gleiche: Die Verbindung von Fernsehen und Internet – und die Darstellung der Online-Inhalte auf einen dem Fernseher angepasste Art und Weise.

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Internetfähiger Fernseher
1. Stichwort Smart-TV ("schlauer" oder "intelligenter" Fernseher)
Smart-TV gilt derzeit als einer der großen Trends in der Unterhaltungselektronik, weil damit künftig viele neue Nutzungsformen auf dem Fernseher denkbar und möglich sein werden. Allerdings steht diese Entwicklung erst am Anfang – sichere Prognosen hinsichtlich Inhalten und Technik sind deshalb derzeit nicht möglich. Erkennbar sind aber die Potenziale. Auch für den Fernseher als Gerät hat das Folgen: Künftig ist der Fernseher auch nach dem Kauf nicht mehr beschränkt und festgelegt auf einmal eingebaute Möglichkeiten. Durch seinen Netzwerkanschluss kann er Updates, Apps und Erweiterungen erhalten – und somit mögliche neue Anwendungen.
2. Stand der Dinge
Der Hightechverband Bitkom schätzt, dass in diesem Jahr jeder zweite verkaufte Fernseher in Deutschland bereits internetfähig ist; Ende des Jahres 2012 soll – rein rechnerisch – bereits jeder dritte Haushalt ausgestattet sein. Allerdings: Umfragen zufolge schließen etwa 40 Prozent der Kunden ihren Smart-TV überhaupt nicht ans Internet an. Da die ersten Geräte erst 2008 auf den Markt kamen, steht die Entwicklung noch am Anfang (s.o.). Gleichwohl sind die aktuellen Modelle nach Einschätzung von Fachleuten so gut, dass die Nutzung auch gefällt: So klappt das Umschalten von TV zu Internet wesentlich schneller und reibungsloser als früher.
3. Was Smart-TV ist – und was gerade nicht…
Das große Missverständnis: Beim Smart-TV geht es nicht darum, klassische Computerarbeiten wie langes Surfen, Textbearbeitung usw. künftig auf dem Wohnzimmer-Fernseher zu erledigen. Es geht eher um zusätzliche Angebote, die aber nun per Internet auf den TV kommen und auf speziellen Seiten ("Portalen") erscheinen:
Übliche Anwendungen von Smart-TV sind die Nutzung von Online-Mediatheken – also Sendungen auf Abruf aus dem Netz auf dem Fernsehschirm, der schnelle Zugang zu den Seiten eines sozialen Netzwerkes, das Einblenden etwa von Sportergebnissen oder Wetter, das Abspielen von Filmen, Fotos und Musik von einer Festplatte im heimischen Netzwerk, das kostenpflichtige Leihen und Ansehen von Filmen aus Videotheken (Video on demand) sowie – sofern der Fernseher mit einer Kamera ausgestattet ist oder wird – Videotelefonie. Auch der freie Zugang zum Internet via Webbrowser wird mitunter angeboten, allerdings erscheinen die Seiten dann nicht garantiert in einer für den Fernseher optimal aufbereiteten Form. Außerdem erhält der Fernseher automatisch Updates – veraltet also nicht mehr so schnell wie früher.
4. Neue Möglichkeiten: Smartphone, Babyfon, Fernseher…
Darüber hinaus eröffnet die Einbindung des Fernsehers ins Internet eine Fülle neuer Möglichkeiten und Anwendungen: Das betrifft die Nutzung von Inhalten auf dem Bildschirm wie die Einbindung anderer, internetfähiger Geräte – wie steuerbare Kameras: Neu auf dem Markt ist z.B. ein Babyfon, das sich immer dann auf dem TV mit einem kleinen Bild meldet, wenn das Kind aufwacht. Auch denkbar: Ein Bild, das immer dann auf dem TV aufploppt, wenn es an der Haustür klingelt. In Sachen Inhalt variieren die Möglichkeiten je nach Anbieter und Modell. Insgesamt steht diese Entwicklung noch weit am Anfang, mit neuen Angebote und Nutzungsideen ist zu rechnen – zumal sich einige Hersteller inzwischen zu einer Allianz zusammengeschlossen haben, um mit einheitlichen Standards den Entwicklern der Angebote (Apps) mehr Freiraum zu geben. Praktisch auch: Wer ein internetfähiges Handy (Smartphone) oder einen Tabletcomputer hat, die ebenfalls ins heimische Netzwerk eingebunden sind, der kann a) Bilder, Musik und Inhalte leicht auf den TV „schieben“ und b) kann er bei neueren Geräten umgekehrt das TV-Bild auf sein mobiles Gerät ziehen und mitnehmen in andere Räume. Jedenfalls bieten das immer mehr Hersteller an (ggf. vor dem Kauf danach fragen!).
5. Thema Sicherheit
Smart-TV-Nutzer müssen derzeit keine Angst haben, sich per Internet Viren oder Schadsoftware einzufangen, sagen Fachleute. Diese Möglichkeit besteht zwar theoretisch, dürfte aber praktisch kaum Folgen haben: Da die meisten Fernseher ein eigenes Betriebssystem haben, müssten Hacker ihren Angriff gezielt darauf anlegen und das Virus entsprechend programmieren. Das gilt als einigermaßen unwahrscheinlich; Nutzer müssen ihren Fernseher daher auch nicht mit Virensoftware oder Firewall ausrüsten. Die weitere Entwicklung muss man natürlich abwarten.
6. Kosten
Das Schöne für den Kunden: Internetfähige Fernseher sind nicht viel teurer als andere gute Mittelklassegeräte. Denn die ohnehin eingebauten Chips und Prozessoren erledigen die Arbeit quasi mit. Tatsächlich hängt der Preis eher von der Größe des Fernsehers ab: Fachmann Dr. Volker Zota schätzt, dass es brauchbare Einsteigergeräte in der Größe 37 Zoll ab 400, 500 Euro gibt; bei Diagonalen Richtung 42 Zoll kann man aber auch leicht 800 bis 1.000 Euro loswerden.
7. Anschluss ans Internet
Grundsätzlich können die Geräte per DSL-Kabel oder kabellos, per WLAN, ans Internet, bzw. das heimische Netzwerk angeschlossen werden. Das ist in etwa so schwierig, wie ein Notebook oder Handy mit dem Internet zu verbinden: Meist reicht die Eingabe des Passworts für das Netzwerk, bzw. den Router (oft unter dem Gerät aufgedruckt). Wer kein kabelloses Netzwerk hat und sich ärgert, dass sein DSL-Kabel in einem anderen Raum oder an der falschen Stelle im Wohnzimmer aus der Wand kommt, da könnte z.B. die Powerline-Technik helfen, bei der die Internet-Daten durch die Stromleitung, von Steckdose zu Steckdose, geschickt werden. Adaptersets gibt es von mehreren Herstellern ab ca. 50 Euro. Achtung: Wer regelmäßig Filme aus dem Internet auf dem TV schaut, braucht eine ausreichend leistungsfähige Internetverbindung (aktuelle Leitungsstärke steht im Vertrag mit dem Anbieter/"Provider"). Für ruckelfreies Schauen vom Filmen in den Mediatheken reichen nach Expertenmeinung Anschlüsse mit 4 bis 6 Megabit. Wer auch Filme im hochauflösenden Standard HD ("high definition") schauen will, braucht mehr Leistung (bis 16 Mbit), damit auch noch Reserven sind, falls gleichzeitig jemand im Haushalt noch im Internet surft oder Bilder hochlädt.
8. Nachrüsten älterer Flachbildfernseher
Grundsätzlich können auch ältere Modell relativ einfach mit einem Internetzugang nachgerüstet werden. Entweder mit speziellen Set-Top-Boxen oder über internetfähige Geräte im Umfeld des Fernsehers. Set-Top-Boxen: TV-Hersteller und Zubehörlieferanten bieten immer öfter so genannte Smart-TV-Boxen an. Diese werden entweder mit einem LAN-Kabel oder kabellos per WLAN mit dem heimischen Netzwerk, bzw. dem Internet verbunden. Gleichzeitig wird die Box per HDMI-Kabel an den Fernseher angeschlossen. Üblicherweise kosten solche Boxen je nach Ausstattung und Umfang grob gesagt zwischen 150 und 250 Euro. Zusatzgeräte: Die Anschaffungskosten und das Aufstellen einer Zusatzbox kann man sich unter Umständen sparen. Auch viele Geräte im Umfeld des Fernsehers sind mittlerweile internetfähig – und können genutzt werden, um den TV nachzurüsten: z.B. neue Digital-Receiver, Blue-Ray-Player, Spielekonsolen, HD-Zuspielgeräte oder ggf. Media-Center.
9. Tipps und Hinweis
Nicht alle Anbieter und Geräte bieten alle Funktionen: Oft wählt der Anbieter einige Onlinedienste aus, die verfügbar sind. Ob und wie ein freier Internetzugang funktioniert, ob Videotelefonie möglich ist, ob und welche Apps heruntergeladen werden können, ob gleichzeitige Nutzung von Live-TV und sozialen Netzwerken möglich sind– all das ist verschieden. Tipp der Experten: Vorher überlegen, welche Dienste einem besonders wichtig sind – und die Anbieter darauf hin gezielt auswählen. Oder noch etwas warten: Fachleute rechnen damit, dass das Angebot im Bereich Smart-TV in den kommenden Jahren noch deutlich zunimmt.
10. Steuerung
Audio
- Audio: WDR 2 Quintessenz: Smart-TV (04.09.2012) Jörg Marksteiner, WDR 2 Mittagsmagazin
In der Regel macht es wenig Spaß, Internetadressen mit einer Fernbedienung im Stil einer SMS einzugeben. Neben der Möglichkeit, eine auch kabellose Tastatur anzuschließen, bieten viele TV-Hersteller an, so genannte "Fernbedienungs-" oder "Remote-Apps" herunterzuladen: Werden die auf ein Smartphone oder ein Tablet-PC aufgespielt, kann man damit den Fernseher steuern. Neue Eingabeformen wie Sprach- und Gestensteuerung stehen dagegen erst am Anfang. Wie schnell Internetseiten auf den Fernsehschirm aufgebaut werden, hängt aber natürlich weiterhin auch von der Rechenkapazität des Fernsehers ab.
Stand: 04.09.2012, 09.39 Uhr
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