WDR 2 Quintessenz - Streusalz Die Anti-Rost-Strategie fürs Auto

Von Bernd Debus

Man stelle sich mal vor, auf den Straßen in NRW würde im Winter kein Salz mehr gestreut. Spätestens an der ersten Steigung würden sich Lastwagen quer stellen und die Autobahnen blockieren. Mit Streusalzeinsatz geht es, trotz manchmal langer Staus, dann doch immer noch irgendwie weiter auf den Straßen. Aber Streusalz hat nicht nur gute Seiten. Es schädigt erstens die Umwelt und es sorgt zweitens dafür, dass Autos rosten.


PKW hinter einem Streufahrzeug
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PKW hinter einem Streufahrzeug

Kleine Streusalzkunde

Streusalz ist Natriumchlorid. Es besteht größtenteils aus ganz normalem Kochsalz, wie wir es auch im Haushalt verwenden. Allerdings wirkt Streusalz nicht ohne Wasser. Dafür sorgen einmal die fahrenden Autos. Durch den Druck ihrer Reifen schmilzt das Eis auf der Straße und es bildet sich zusammen mit dem Salz Sole, die dann das Eis weiter tauen lässt. Moderne Streufahrzeuge können aber auch über Düsen reine Sole auf die Fahrbahn sprühen. Damit die Salzkörner nicht vom Fahrtwind der Autos von der Straße geweht werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten können, wird das Salz heute bevorzugt angefeuchtet gestreut. So haftet es besser auf der Fahrbahn. Die entsprechenden Streufahrzeuge haben seitlich an den Salzbehältern große Kunststofftanks befestigt.

Streusalz wirkt nur bis -21 Grad

Allerdings wirkt Streusalz nur in einem bestimmten Temperaturbereich. Ab minus einundzwanzig Grad gefriert die Sole nämlich. Praktisch ist bereits ab minus fünfzehn Grad die Grenze für den Einsatz von Feuchtsalz erreicht, da es dann zu lange dauert, bis die Tauwirkung eintritt. Aber so tiefe Temperaturen kommen bei uns fast immer zusammen mit trockenem Wetter vor, so dass bei sibirischer Kälte auch nicht gestreut werden muss. Für den Fall, dass es bei Temperaturen von unter minus fünfzehn Grad doch mal nass ist, wird statt Natriumchlorid Kalzium- oder Magnesiumchlorid eingesetzt. Beide Stoffe haben jedoch den Nachteil, dass sie chemisch wesentlich aggressiver sind, als das altbewährte Streusalz. Streumaschinen können heute das Salz deutlich sparsamer und gezielter auf die Fahrbahn bringen, als das vor zwanzig Jahren der Fall war. Zum Beispiel messen Sensoren berührungslos die Temperatur an der Fahrbahnoberfläche und dosieren automatisch die nötige Salzmenge.

Moderne Streumaschinen sparen Salz

Auf der anderen Seite fahren die Streudienste aber, so Ludwig Niebrügge vom Landesbetrieb Straßenbau NRW, mehr Präventiveinsätze, um Straßenglätte von vornherein zu vermeiden. Das führe zu einem etwas höheren Streusalzverbrauch. Insgesamt streut der Landesbetrieb, um Autobahnen, Bundesstraßen, Landesstraßen und einige Kreisstraßen eisfrei zu halten, jedes Jahr im Schnitt 130.000 Tonnen Salz. Allerdings schwankt der Verbrauch von Winter zu Winzer stark. Für die Autobahnen gibt es zwei Winterdienstzentralen in NRW, die rund um die Uhr die Witterungssituation überwachen und dabei ständig mit frischen Wetterdaten versorgt werden.

Streusalz und Korrosion

Streusalz schädigt nicht nur den Boden, die Gewässer und Straßenbäume, es führt auch zu Rostschäden an Fahrzeugen. Besonders gefährdet sind Wagen, die viel auf Autobahnen unterwegs sind. Durch die hohen Geschwindigkeit, mit der hier gefahren wird, wird die Sole auf der Fahrbahn aufgewirbelt und über das gesamte Auto verteilt. Dabei bleibt kein Teil des Fahrzeugs "ungesalzen".

Lackiertes Blech rostet nicht. Allerdings befinden sich durch Parkrempler oder Steinschlag immer irgendwo kleine Risse im Lack oder im Unterbodenschutz eines Autos. Durch die kann die Sole an das nackte Blech gelangen und ihr zerstörerisches Werk beginnen.

Streusalz-Schäden vorbeugen…

Um die Schäden in Grenzen zu halten, gibt es mehrere Strategien:
Manche Autohersteller verwenden für weite Teile der Karosserie galvanisch verzinkte Bleche. Da Zink unedler als Stahlblech ist, opfert sich bei einem "Soleangriff" zuerst die Zinkschicht auf, bevor das Blech selber korrodiert. Heutige Autokarosserien sind, dank Tauchbadgrundierung, auch in den verstecktesten Winkeln gegen Korrosion geschützt. Hohlräume werden zusätzlich durch eine Hohlraumkonservierung vor Durchrosten von Innen nach Außen bewahrt.

Da sich Beschädigungen der Lackschicht aber nicht vermeiden lassen, kann man zusätzlich die Karosserie seines Wagens kontrollieren. Selbst kleinste Lackschäden sollten ausgebessert werden, um dem Salz keinen Angriffspunkt zu bieten. Das kann man selber machen oder aber eine Werkstatt damit beauftragen. Zusätzlich sollte das Auto im Winter öfters gewaschen werden, um das Salz von der Karosserie zu entfernen.

Den Unterboden schützen


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Da kleine Beschädigungen im Unterbodenschutz, wie sie etwas durch Steinschlag entstehen, wesentlich schwieriger aufzuspüren sind, kann man den gesamten Unterboden mit einer schützenden Beschichtung einsprühen lassen. Das Angebot reicht dabei von Wachsversiegelungen bis hin zu Mitteln auf der Basis von Schafwollfett, die ursprünglich entwickelt wurden, um die Ballasttanks von Schiffen gegen das salzige Meerwasser zu schützen. Ganz lassen sich Schäden durch das Streusalz jedoch nicht vermeiden, denn auch Motoraggregate, wie beispielsweise Kühler aus Aluminium, werden vom Salz angegriffen.


Stand: 18.01.2013, 00.00 Uhr