WDR 2 Quintessenz - Vergleichsportale Strom So vermeidet man Fehler

Von Jörg Marksteiner

Durch einen Wechsel des Stromanbieters können Verbraucher zwar viel Geld sparen. Vorausgesetzt es gelingt ihnen, teure Fehler bei der Auswahl von Energieversorger und Vertrag zu vermeiden.


Stecker auf Stromrechnung neben Euroscheinen
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Stecker auf Stromrechnung neben Euroscheinen

Die Suche nach einem alternativen Anbieter – wie vorgehen?

1. Nötig sind im Grunde nur die PLZ und der ungefährer Verbrauch in kWh (Kilowattstunde). Diese Angaben stehen in der letzten Rechnung.

2. Haben Sie noch nie den Anbieter oder den Tarif gewechselt, dann sind Sie noch in der so genannten Grundversorgung: Das ist die teuerste Variante, Strom zu beziehen. Das Gute: Sie haben nur eine zweiwöchige Kündigungsfrist und durch einen Wechsel werden Sie in jedem Fall viel sparen. Haben Sie bereits einmal Tarif oder Anbieter gewechselt, müssen Sie die Kündigungsfristen in Ihrem Vertrag beachten. Ausnahme: Bei einer Preiserhöhung gilt ein Sonderkündigungsrecht mit einer Frist von 14 Tagen. Davon ausgenommen sind aber in der Regel Erhöhungen durch staatliche Abgaben wie EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) der Netzentgelte).

3. Die Anbietersuche funktioniert am einfachsten, in dem man nacheinander mehrere Vergleichsportale nutzt. Notwendig bei der Eingabe sind nur PLZ und kWh-Jahresverbrauch. Wichtig dabei: unbedingt zwei, drei verschiedene Vergleichsportale nutzen, denn nicht alle Anbieter sind mit allen Tarifen auf allen Portalen vertreten.

4. Immer auch auf der jeweiligen Homepage des Anbieters nachsehen (die in der Regel auch alle Tarifrechner anbietet), ob der gefundene Tarif a) überhaupt noch gültig ist und b) es unter Umständen weitere, attraktive Tarife gibt. So werden zum Beispiel die Sondertarife der Grundversorger in den Portalen mitunter nicht angezeigt. Außerdem werden Tarife mitunter täglich geändert.

5. Für einen ehrlichen Preisvergleich sollte man unbedingt die Voreinstellungen überprüfen: Bonus, Rabatte, Vorkasse usw. deaktivieren, dann bekommt man einen vergleichbaren Preis mit anderen Anbietern.

Anbietersuche – teure Fehler vermeiden

1. Achtung Vorkasse! Vielfach landen in den Ergebnislisten der Vergleichsportale Anbieter ganz oben, die Vorkasse oder Kautionen verlangen. Der Strompreis ist dann mitunter günstiger als der Durchschnitt, dafür muss man aber vorab zahlen. Das ist für den Versorger ein kostenloses Darlehen. Das Risiko: Geht der Anbieter pleite (2011 gab es zwei Fälle), ist das Geld faktisch weg. Gibt es zudem Streit um Preiserhöhungen, dann hat man mitunter Mühe und Aufwand damit, einer Teil-Rückzahlung hinterher zu laufen.

2. Der Boni-Trick – sehr beliebt! Manche Anbieter rechnen ihren Bonus auf den Preis für die kWh um, so dass der sehr niedrig wird und damit in den Ergebnislisten weit oben erscheint. Das Problem: Bonus, Treue-Rabatt oder Prämie werden wird z.T. erst nach einem Jahr gezahlt. Doch zumindest bei einigen Anbietern kommt es nach Angaben von Verbraucherschützern immer wieder vor, dass die Preise dann schon nach wenigen Monaten stark angehoben werden, z.T. deutlich im zweistelligen Prozentbereich. Der Kunde kann dann zwar kündigen (Frist 14 Tage), bekommt aber keinen Bonus. Ein Bonus ist dagegen in Ordnung, wenn er sofort gezahlt oder sofort auf die monatlichen Preise umgerechnet wird.

3. Der Bestätigungs-Trick: Mitunter kommt es vor, dass der Kunde einen günstigen Tarif wählt. Werden ihm die Unterlagen zur Unterschrift gemailt oder geschickt, wird dort aber ein anderer Preis angegeben als beantragt. Das berichtet der Bund der Energieverbraucher. Also unbedingt prüfen, bevor man unterschreibt!

4. Strompakete vermeiden! Manche Anbieter bieten feste Stromkontingente an. Verbraucherschützer raten davon ab: Es ist praktisch unmöglich, seinen Stromverbrauch im Voraus exakt zu schätzen. Denn es kann immer Unvorhergesehenes geschehen (Nachwuchs, Krankheitsfall, harter Winter…). Außerdem: Verbraucht der Kunde zu wenig, verschenkt er Geld. Verbraucht er mehr, dann werden teurere Tarife fällig. Zudem bieten solche Pakete keinerlei Anreiz zum Stromsparen.

5. Gesundes Misstrauen bewahren: Kein Anbieter hat etwas zu verschenken. Auffällig günstige Preise, die deutlich unter denen der Wettbewerber liegen oder die erheblich mehr kW-Freistunden bieten, haben in der Regel einen versteckten Haken oder zumindest Einschränkungen und Nebenbedingungen im Kleingedruckten.

6. Drum prüfe, wer sich bindet … Wenn sich ein Anbieter heraus kristallisiert, dann a) auf seiner Homepage nachschauen, ob der Tarif noch aktuell ist und b) unbedingt den Namen des Versorgers in Suchmaschinen eingeben oder in den Kommentarforen der Vergleichsportale prüfen: Was sagen andere Kunden? Wie gut ist er zum Beispiel erreichbar? Wie kulant ist er? Zahlt er versprochene Boni usw. tatsächlich reibungslos? Einzelne Missstände gibt es bei fast allen Anbietern, wenn sich aber Beschwerden dutzendfach häufen, ist erhöhte Vorsicht geboten!

7. Wechsel androhen … Manchmal lässt sich auch sparen, ohne tatsächlich zu wechseln. Dazu sollte man sich an seinen bisherigen Versorger wenden und nach einem günstigeren Angebot oder Tarif fragen, evtl. unterstützt durch ein ausgedrucktes Vergleichsangebot aus den Tarifrechnern.

8. Kommt es doch zum Wechsel: Nicht selber kündigen! Das übernimmt üblicherweise der neue Versorger. Sollte es doch einmal nötig sein, selbst zu kündigen (z.B. wegen dringender Fristen), dann sollte dies unbedingt auf dem neuen Vertrag dick vermerkt werden. Achtung: Der neue Versorger benötigt häufig etwas Zeit, in der Regel drei bis sechs Wochen. Wenn es schnell gehen muss, dann empfiehlt sich eine eigenhändige Kündigung.

Wenn es Ärger gibt: Die Schlichtungsstelle hilft kostenlos

Ein Großteil der Wechsel läuft extrem reibungslos – und durch die Einrichtung der Grundversorgung muss auch niemand befürchten, im Dunkel zu sitzen. Schlimmstenfalls fällt man in die sogenannte Ersatzversorgung. Dort sind die Tarife zwar teurer, man kann sich dann aber schnell einen neuen Versorger suchen.

Immer wieder tauchen aber folgende Probleme auf: Streit beim Wechsel zwischen neuem Anbieter, bisherigem und dem Netzbetreiber darüber, wer eine Verzögerung zu verantworten hat. In einem solchen Fall empfiehlt der Bund der Energieversorger, allen dreien eine angemessene Frist zur Lösung zu setzen.

Ebenfalls ein häufiges Problem: Streit um die Auszahlung von Boni, Kündigungsfristen, Rückzahlungen usw. Wichtig ist es, sich immer erst einmal direkt an den Versorger zu wenden. Reagiert dieser gar nicht oder ausweichend, dann gibt es seit November 2011 eine gute Anlaufstelle: die Schlichtungsstelle Energie.


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Dorthin kann sich jeder Privatkunde (nicht Gewerbekunde) wenden, der Probleme mit seinem Strom- oder Gasanbieter hat. In einem formalisierten Verfahren, an dem das betroffene Unternehmen teilnehmen muss und das üblicherweise drei Monate dauert, versucht die Schlichtungsstelle eine außergerichtliche Einigung zu erreichen. Sie spricht eine Schlichtungsempfehlung aus. Daran muss sich niemand halten, erfahrungsgemäß tun dies aber viele Unternehmen.


Stand: 29.10.2012, 09.39 Uhr