WDR 2 Quintessenz - Der Trick mit dem Bonus Ärger beim Stromanbieterwechsel

Von Michael Bisping

Die Strompreise steigen, das ist sicher. Anfang 2012 haben allein in NRW 119 Stromnetzbetreiber ihre Nutzungsentgelte erhöht. Hinzu kommt die Erhöhung der Öko-Umlage im kommenden Jahr.


Stromstecker auf Euroscheinen
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Stromstecker auf Euroscheinen

Und dabei wird es nicht bleiben: Experten der Deutschen Energie-Agentur prophezeien eine Steigerung des Strompreises von 25 Prozent bis zum Jahr 2020. Der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter spart bares Geld – wenn man zweifelhafte Köderangebote meidet.

Umweltfreundliche Zusatzkosten

Die Förderung des Ökostroms wird über die so genannte Umlage gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) auf alle privaten Stromanbieter verteilt. Die wird im kommenden Jahr um satte 47 Prozent steigen - auf 5,3 Cent pro Haushalt. Wenn diese Erhöhung voll auf den Strompreis umgelegt wird, dann muss ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr allein deshalb 2013 rund 70 Euro mehr zahlen.

Anbieterwechsel

Wer nach einem günstigeren Stromanbieter sucht, wird auf Vergleichsportalen im Internet schnell fündig. Das Problem: Die billigsten landen bei vielen protalen nur auf den vorderen Plätzen, weil sie ihre unglaublich günstigen Kilowattpreise nicht sehr lange anbieten. Oder weil sie Verträge nur mit Vorkasse und ähnlichen Haken anbieten

Köder Bonusangebot

Die Köderangebote gleichen sich alle: Kunden werden mit hohen Neukunden-Boni in bar oder üppige Frei-Kilowattstunden angelockt. Hinzu kommt: Die Angebote sind sensationell günstig; Grundgebühren und Verbrauchspreise auffällig neidrig. Der (sehr günstige) Stromabschlag soll dann ein Jahr im Voraus gezahlt werden. Der Bonus dagegen, so das Versprechen, wird erst nach Ablauf dieses Vertragsjahres ausgezahlt. Aber schon nach wenigen Monaten steigen die Preise dramatisch.

Sonderkündigungsrecht

Erhöht der Stromanbieter die Preise, können Kunden ihren Vertrag normalerweise auch vor Ende der Laufzeit kündigen. Das Problem in diesen Fällen: Der Kunde hat seinen Strom ja bereits für ein Jahr im Voraus bezahlt. Wenn er den günstigen Anbieter verlässt, ist es oft sehr schwierig, die bezahlten, aber noch nicht genutzten Kilowattstunden bar ersetzt zu bekommen, klagen Verbraucherschützer. Die Folge: oft bleiben die Kunden bis zum Ende der regulären Vertragslaufzeit bei dem – dann sehr teuren - Anbieter.

Tipps für den Stromanbieterwechsel

Verbraucherschützer raten, einmal im Jahr die Preise des eigenen Anbieters zu überprüfen, mit anderen zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln. Dabei sollte man folgende Tipps beachten:


  • Meiden Sie extrem hohe Boni und auffällig günstige Angebote. Kilowattstunden-Preise unter 20 Cent sollten stutzig machen, ebenso Boni über 100 Euro oder extrem viele Frei-Kilowattstunden.
  • Leisten Sie nie Vorkasse. Erstens können Energiefirmen pleite gehen (Beispiel Teldafax). Zweitens: Erhöht das Unternehmen schon im ersten Jahr die Preise und Sie wollen vorzeitig aussteigen, wird es sehr schwer, den Wert der bereits gezahlten, aber noch nicht genutzten Kilowattstunden erstattet zu bekommen.
  • Schalten sie Optionen wie Bonus oder Vorkasse bei der Suche nach einem günstigen Stromanbieter im Internet von vorneherein ab. Die Vergleichsportale liefern dann einen realistischen Preisvergleich.
  • Schließen Sie keine Verträge ohne uneingeschränkte Preisgarantie. Oft kann man sich eine Preisgarantie gegen Aufpreis dazu kaufen, und der Vertrag lohnt sich dennoch.
  • Erwarten Sie keine Wunder. Kein Unternehmen kann dauerhaft Strompreise zu Dumpingpreisen durchhalten. Ein guter Strompreis eines seriösen Anbieters liegt zur Zeit zwischen 22 und 24 Cent pro Kilowattstunde.
  • Wenn Streitigkeiten mit Ihrem Stromanbieter ergebnislos verlaufen, wenden Sie sich an die Verbraucherzentralen oder an die Schlichtungsstelle Energie in Berlin.

Stand: 17.10.2012, 09.00 Uhr