WDR 2 Quintessenz - Teuer und schlechte Qualität Tricks von "Teerkolonnen"

Von Anne Debus

Asphalthaie oder Schimmelhunde findet man nicht in Brehms Tierleben und auch nicht in den Gelben Seiten. Vielmehr stehen sie meistens unaufgefordert im Blaumann vor der Haustür und überraschen Eigenheimbesitzer mit unwiderstehlich günstigen Handwerks-Angeboten.


Teerkolonne teert eine Straße
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Teerkolonne teert eine Straße

Wer sich darauf einlässt, erlebt jedoch häufig unangenehme Überraschungen. Da mutiert ein vermeintliches Schnäppchen plötzlich zum Wucherangebot und die angeblichen Fachleute liefern Arbeiten auf unterstem Heimwerkerniveau ab.

Von Dachdecker bis Teerkolonne

Am häufigsten hat man es als Hausbesitzer mit Teerkolonnen und mobilen Dachdeckern oder Dachreinigern zu tun. Daneben sind Trupps unterwegs, die anbieten, die Kanalrohre auf Dichtheit zu überprüfen, Einfahrt, Hof oder Fassade mit dem Hochdruckreiniger zu säubern. "Schimmelhunde" bieten an, Schimmel befallene Wände zu sanieren. Die mobilen Trupps treten meist in Wellen auf. Sie grasen eine Region ab, bis sich ihre Masche herumgesprochen hat und die Polizei sie sucht. Dann ziehen sie weiter. Teerkolonnen kommen nach Angaben der Polizei oft aus Großbritannien, die anderen Gewerke sind keiner Nationalität zuzuordnen. Die "Anreißer" solcher Trupps sind häufig bestens trainierte Verkäufer. Ihre beiden Hauptargumente sind:

1. Das Angebot sei ein absolutes Schnäppchen.
2. Es gelte - aus unterschiedlichsten Gründen – nur jetzt.

So setzen sie ihre Opfer unter Zeitdruck und drängen sie zu einer unüberlegten Entscheidung.

Mit welchen Maschen arbeiten die Betrüger?

  • Teerkolonnen tischen immer dieselbe Geschichte auf: Sie gehören angeblich zu einer Baufirma, die in der Nähe eine Straße geteert habe. Nun hätten sie noch Teer übrig, mit dem sie kostengünstig Schlaglöcher stopfen könnten. Häufig wird dann stattdessen die ganze Einfahrt geteert.
  • Die Trupps mit den Hochdruckreinigern reinigen gerne ungefragt die Hausfassade mit, obwohl nur die Einfahrt in Auftrag gegeben war. Dabei kommt dann angeblich ein spezielles Fassaden-Imprägniermittel aus dem Denkmalschutz zum Einsatz, das – natürlich!- sehr teuer ist. Bei der Reinigung des Daches wird gerne eine überteuerte Dachbeschichtung mit verkauft.
  • Am trickreichsten gehen die "Dachhaie" vor: sie klappern z.B. gezielt Gegenden ab, in denen es vor kurzem gestürmt hat, und bieten einen kostenlosen Dach-Check an. Für den sind sie wohl gerüstet: in ihrer Ausrüstung befinden sich häufig Wasserflaschen, Mörtelbrocken, morsche Holzstücke oder zerbrochene Ziegel. Während einer aus der Truppe den Hausbesitzer ablenkt, "finden" die anderen auf dem Dachboden plötzlich eine nasse Stelle oder Schäden. Besonders perfide: manche Betrüger machen mit der Digitalkamera Fotos solcher Stellen und drohen dann dem Hausbesitzer unverblümt, diese an die Gebäudeversicherung zu schicken. Eine leere Drohung, aber oft wirkungsvoll. Haben sie einen Auftrag ergattert, schaffen sie umgehend Fakten – meist wird schon am nächsten Tag das Dach abgedeckt. Dann hat kaum ein Kunde noch den Mut, auf das zweiwöchige Rücktrittsrecht bei Haustürgeschäften zu pochen.
  • "Schimmelhunde" behaupten gerne, in Nachbarhäusern seien Feuchtigkeitsschäden festgestellt worden, und bieten eine kostenlose Feuchtigkeitsmessung im Keller an. Bei der Sanierung von Kellern und Wänden arbeiten sie angeblich mit speziellen, teuren Sanierputzen. Laut Verbraucherzentrale reiner Bluff, zum Einsatz kämen ganz normale handelsübliche Putze.

Die Preise der schnellen Truppen

Aus dem anfänglichen Schnäppchen wird schnell ein Wucherpreis, vor allem, weil die Handwerker oft eigenmächtig ihren Auftrag ausweiten. Ein weiterer beliebter Trick: Auf den ursprünglich vereinbarten Preis wird angeblich hinterher die Mehrwertsteuer aufgeschlagen, obwohl fast alle dieser Kolonnen schwarz arbeiten. Insgesamt spricht die Polizei von stark überhöhten Preisen.
Tipp
: Bezahlen Sie auf keinen Fall einen Vorschuss, mit dem sind die Arbeiter sonst direkt verschwunden.

Wie kann man sich schützen?

Es gibt durchaus auch seriöse reisende Handwerker, zum Beispiel Zimmerleute auf der traditionellen "Walz", der Gesellen-Wanderschaft. Da sich in diesem Bereich aber so viele schwarze Schafe tummeln, empfiehlt es sich, besonders vorsichtig sein:

  • Lassen Sie Sich nicht unter Zeitdruck setzen. Erteilen Sie nie spontan einen Auftrag, sondern recherchieren Sie erst!
  • Fragen Sie dazu nach dem Namen der Firma, ihrem Sitz und den Namen der Mitarbeiter und lassen Sie Sich die Reisegewerbekarte der Truppe zeigen.
  • Rufen Sie eine Firma am Ort an und holen Sie ein Vergleichsangebot ein.
  • Lassen Sie die mobilen Handwerker nie unbeobachtet.
  • Zahlen Sie nicht in bar.
  • Für einen an der Haustür geschlossenen Vertrag gibt es ein zweiwöchiges Rücktrittsrecht. Fehlt im Vertrag die korrekte Widerrufsbelehrung, gilt das Rücktrittsrecht sogar unbegrenzt.

Schicken Sie Ihren Widerruf per Einschreiben, und erteilen Sie der Firma ein Grundstücksverbot.


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  • Wenn Sie betrogen wurden, erstatten Sie Anzeige.

Tipp: Holen Sie Nachbarn oder Bekannte zu den Verhandlungen dazu. So kann man Sie weniger leicht unter Druck setzen und Sie haben Zeugen. Wenn es brenzlig wird, rufen Sie die Polizei!


Stand: 24.09.2012, 09.39 Uhr