WDR 2 Quintessenz - VCD-Umweltliste Wenig Sprit, Lärm und CO2

Von Martin Gent

Durch die gestiegenen Spritpreise ist Autofahren unglaublich teuer geworden. Wer dachte beim Tanken mit E10 etwas Gutes zu tun, kommt derzeit kräftig ins Grübeln. Und die Elektroautos, von denen soviel geredet wird, sind sündhaft teuer und werden kaum gekauft.


Der Testsieger der VCD-Umweltliste 2012
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Der Testsieger der VCD-Umweltliste 2012

Die Entscheidung für ein neues Auto wird immer komplizierter, erst recht wenn man ein umweltfreundliches Modell haben möchte, mit dem man sich auch noch in ein paar Jahren blicken lassen kann. Alljährlich versucht der Verkehrsclub VCD mit seiner Auto-Umweltliste die Orientierung zu erleichtern. Jetzt ist die Liste wieder frisch erschienen.

Kein starrer Blick auf CO2

Wollte man nur den CO2-Ausstoß vergleichen, bräuchte es keine Auto-Umweltliste. Denn Hersteller und Händler sind verpflichtet, den aus dem Normverbrauch hergeleiteten CO2-Ausstoß für jedes Modell anzugeben. Dieser Kennzeichnungspflicht kommt die Autobranche auch durch eine Liste nach, die im Internet kostenlos abzurufen ist (s. Links). Der Umweltcheck des VCD will mehr. Neben dem Treibhauseffekt sind Lärm, die Belastung der Gesundheit durch Schadstoffe wie Russpartikel und die Belastung der Natur vor allem durch Stickstoffdioxid wichtige Bewertungskriterien.

Erdgasauto vorn

Spitzenreiter im diesjährigen Ranking der VW eco up! Diese auf Erdgasbetrieb optimierte Variante des seit Ende 2011 angebotenen Kleinwagens wird man erst ab Jahresende kaufen können. Weil dem VCD aber alle für die Bewertung wichtigen Zahlen vorlagen, hat er den Wagen ins Ranking aufgenommen. Der genaue Verkaufspreis ist noch nicht bekannt, der VCD rechnet mit einem Mehrpreis von mindestens 2500 Euro gegenüber der Basisvariante. Damit lohne sich der Wagen – verglichen mit dem Benzingetriebenen Basismodell – finanziell erst nach rund 60.000 Kilometern. Grund ist vor allem die niedrige Besteuerung von Erdgas als Autotreibstoff, die bis Ende 2018 zugesagt ist. Zur Zeit gibt es in Deutschland rund 1000 Erdgastankstellen. Ist kein Erdgas verfügbar, kann der VW eco up! auch mit Superkraftstoff fahren. Der Reservetank fasst zehn Liter und reicht damit für maximal 200 Kilometer.

Gold, Silber, Bronze

Der VW eco up! erreicht im Umweltcheck 8,03 von 10 möglichen Punkten. Erstmals seit 2003 steht damit in der VCD-Liste kein Hybridfahrzeug ganz oben auf dem Treppchen, nach vielen Jahren gewinnt auch erstmals wieder ein deutsches Auto. Silber und Bronze geht an die Vorjahressieger Lexus CT 200h (7,83 Punkte) und Toyota Prius Hybrid (7,53 Punkte). Als Favorit für das diesjährige Ranking war lange der neue Toyota Yaris Hybrid gehandelt worden, der nur 3,5 Liter Super verbraucht und mit 79 Gramm pro Kilometer einen Spitzenwert beim CO2-Ausstoß belegt. Das Auto scheiterte aber an einem unerwartet hohen Lärmwert von 73 Dezibel und rutschte runter auf Platz 7. Ärgerlich für Toyota. Dass die Japaner auch leise Fahrzeuge bauen können, zeigt der Yaris Diesel mit respektabeln 69 Dezibel. Offenbar war bei der Hybridvariante (16.950 Euro) der Preisdruck so groß, dass bei Dämmmaterial und Auspuffanlage gespart wurde. Unter den Top Ten sind sieben Hybridfahrzeuge. Das zeigt das Potenzial dieser Antriebstechnik unter Umweltgesichtspunkten.

Familienkutschen und Siebensitzer

Der VCD versucht mit seinem Umweltranking erst gar nicht, den kompletten Fahrzeugmarkt abzubilden. Aufgenommen wurden nur Fahrzeuge, die nicht mehr als 180 Gramm CO2 pro Kilometer produzieren. Wert legt der Verkehrsclub, der sich als Umweltverband versteht, auf den Nutzwert der gelisteten Autos. So kamen nur fünf der derzeit so beliebten SUV in die Liste. Bei den Top Ten werden mitunter Äpfel mit Birnen verglichen. Der diesjährige Sieger ist trotz nur 3,54 m Länge zwar erstaunlich geräumig und hat auch immerhin 251 Liter Kofferraum, kann aber sicherlich keine ausgewachsenen Kombi ersetzen. Deshalb kürt der VCD auch die besten Familienautos mit fünf Sitze, vier Türen und mindestens 400 Liter Kofferraumvolumen. Auf dem Treppchen stehen hier Toyota Prius Hybrid (7,53 Punkte), Toyota Prius+ Hybrid (7,38 Punkte) und Seat Ibiza 1.2 TDI CR E-Ecomotive ST (6,65) Punkte. Auch bei der Sonderwertung „Siebensitzer“ kann sich der Toyota Prius+ Hybrid mit 7,38 Punkten ganz nach vorne schieben, mit recht großem Abstand folgt auf Platz 2 der VW Touran 1.4 TSI EcoFuel DSG als Erdgasauto (5,73 Punkte) und dahinter der Renault Grand Scénic ENERGY dCI 110 eco mit 5,45 Punkten.

Das Umweltranking im Detail

Die langen Modellbezeichnungen deuten schon darauf hin, dass man genau hinschauen muss. Viele Autos sind nur mit einem speziellen Antrieb besonders umweltfreundlich. Die besten zehn der Wertungskategorien (Top Ten, Kompaktklasse, Familienautos, 7-Sitzer, Klimabeste) können beim VCD im Internet kostenlos nachgeschlagen werden. Wer kein VCD-Mitglied ist, bekommt die komplette Liste nur gegen eine Bearbeitungs- und Versandkostenpauschale von 5,90 Euro zugeschickt. Der VCD verweist darauf, dass er als kleiner Umweltverband mit 60.000 Mitglieder es sich nicht leisten kann, die Liste kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Der Schweizer Schwesterclub VCS verfolgt mit einer kostenfreien Internet-Datenbank eine andere Strategie, schreckt aber auch nicht vor Autowerbung in seiner Umweltliste zurück.


Natürlich werden in Deutschland und der Schweiz viele vergleichbare Fahrzeuge angeboten, es gibt aber auch marktspezifische Unterschiede. Neben der VCD-Auto-Umweltliste hat sich der ADAC EcoTest als Umweltranking etabliert. Der Automobilclub hat seine Kriterien im März 2012 überarbeitet und ist nun deutlich strenger. Anders als beim VCD berücksichtigt der ADAC nicht nur den EU-Normverbrauch, sondern selbst ermittelte Testverbräuche. Lärmwerte werden allerdings nicht berücksichtigt.


Stand: 22.08.2012, 09.00 Uhr