High Tech in Autoreifen: Pneu ist nicht mehr Pneu
Technisch hat sich an Autoreifen in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert. Im modernen Pneu steckt mehr Technologie, als man auf den ersten Blick vermutet. Neue Vorschriften sollen helfen, gute Reifen von weniger guten zu unterscheiden.
Zum ersten Mal gibt es auch für Reifen ein markenübergreifendes Label, das verschiedene Eigenschaften bewertet. Seit November 2012 ist das Label für neue Reifen (mit wenigen Ausnahmen) EU-weit Pflicht. Am auffälligsten ist dabei die Kennzeichnung der Energieeffizienz, die sich am Rollwiderstand festmacht: Sie wird - ähnlich wie bei Kühlschränken und Waschmaschinen - durch verschiedene Klassen (von A für einen besonders effizienten Reifen bis G für einen weniger effizienten) ausgedrückt.

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Moderne Autoreifen enthalten viele technische Details
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- Audio: Reifentechnik im 21. Jahrhundert angekommen: Die technischen Neuheiten im Detail (17.11.2012) Frank Wörner, WDR 2 am Samstag
Ein Reifen der Rollwiderstandsklasse A soll dabei gut einen halben Liter weniger Kraftstoff auf hundert Kilometer verbrauchen als ein Modell der Klasse G. Ähnlich bewertet das Label auch die Bremseigenschaften des Reifens auf nasser Straße, auch sie wird in Klassen von A für besonders kurzen bis G für einen längeren Bremsweg eingeteilt. Zudem gibt es eine Kennzeichnung für die Lautstärke des Abrollgeräuschs.
Kritiker monieren allerdings, dass die Reifen durch das neue Label nur eingeschränkt vergleichbar werden. So kann ein guter Winterreifen möglicherweise nur eine „schlechte“ Rollwiderstandsklasse erreichen - was aber durch die im Winter für gute Bodenhaftung nötige weichere Gummimischung technisch kaum anders realisierbar ist. Auch die Bremseigenschaften auf trockener Straße beispielsweise werden mit dem Label nicht bewertet.
Außerdem wird das Label nicht von einer unabhängigen Prüfstelle vergeben, sondern die Hersteller prüfen die Reifen (nach festgelegten Kriterien) selbst und versehen sie dann mit der entsprechenden Kennzeichnung. Automobilclubs wie auch Reifenhersteller selbst verweisen daher auf die verbreiteten Tests von Winter- bzw. Sommerreifen, die Autofahrern eine bessere Orientierung vor dem Kauf geben und eine unabhängige Bewertung ermöglichen.

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Reifen ohne Technik und Energielabel gibt es nur noch an Oldtimern, wie hier an einem 1975er Chevrolet Caprice
Technisch hat sich an den Reifen in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert. Moderne Reifen bestehen aus einem hoch komplexen Materialmix, der verschiedenste Eigenschaften vereint, die sich eigentlich ausschließen. So schaffen es die Hersteller, einen geringen Rollwiderstand zu erreichen, der für einen niedrigen Verbrauch unerlässlich ist, gleichzeitig aber gute Haftungseigenschaften z. B. bei Kurvenfahrten zu erreichen.
Fachleute gehen davon aus, das in den nächsten Jahren zunehmend auch Elektronik in die Reifen einzieht. Sie könnte etwa Materialeigenschaften an die Fahrzeugelektronik übermitteln, so dass diese Bremseingriffe gezielter steuern kann. Auch der Luftdruck könnte dann vielleicht mit Funk-Transmittern gemessen werden.
Schon jetzt ist eine elektronische Überwachung des Luftdrucks in vielen Autos Standard. Einfache Systeme messen den Druck eher grob über die Sensoren des Anti-Blockier-Systems, andere können durch Sensoren an den Ventilen den exakten Luftdruck jedes einzelnen Reifens an den Bordcomputer übermitteln. Reifenschäden sollen so vermieden werden, da sie oft auf einen falschen Luftdruck zurückgeführt werden können, die meisten Autofahrer entgegen der Empfehlung der Hersteller, den Druck alle zwei Wochen zu prüfen, in der Praxis nur sehr selten selbst den Luftdruck kontrollieren.
Stand: 17.11.2012, 00.00 Uhr
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