Weitreichende Schallwellen Vergnügen oder Ruhestörung?

Von Martin Gent

Nette Grillabende, stimmungsvolle Straßenfeste und lange Abende im Biergarten. Doch was des einen Freud, ist des anderen Leid. Denn wenn viele Menschen zusammenkommen, wird es schnell laut. Und wer nicht mitfeiert, für den ist der Bass aus der Lautsprecherbox und das angeregte Stimmengewirr schlichtweg Lärm.


Private Grillparty in einem Garten
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Schön, aber laut: Grillparty in einem Garten

Frage der Entfernung


Im Prinzip ist Schall nichts anderes als schnelle Schwankungen des Luftdrucks. Pech hat man als direkter Anwohner beliebter Szenetreffs. Der Partylärm ist unüberhörbar. Aber auch ab einer Distanz von etwa 200 Metern wird’s oft wieder kritisch. Denn durch den geschichteten Aufbau der Lufthülle werden Schallwellen abgelenkt, der Schall gebrochen. Dieser Effekt führt dazu, dass der Schall in Windrichtung wieder zur Erde zurückgelenkt wird und dann – ganz grob 200 Meter von der Schallquelle entfernt – wieder gut zu hören ist. Bei Gegenwind wird der Schall hingegen nach oben ablenkt, belästigt unsere Ohren also nicht weiter.
Kommt dem Schall zum Beispiel mit einer dichten Hecke etwas in die Quere, wird's leiser. Andererseits kann Schall in engen Straßenschluchten auch reflektiert werden und sich so weiter ausbreiten.


Fotomontage mit Schallwellen, die in ein Ohr gehen
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Schallwellen kann man schlecht ausweichen

Bässe reichen weiter

Dabei ist von der Musik oft nicht mehr alles zu hören. Während die hohen Frequenzen auf der Strecke bleiben, dröhnen die Bässe noch unangenehm in den Ohren. Grund sind sogenannte Beugungseffekte, die langwelligen, tiefen Töne kommen besser ums Eck. Die großen Schallwellen schwappen sozusagen über Häuser und Mauern hinweg.

Regeln für Lärm-Macher

Wer wann welchen Lärm machen darf, ist natürlich geregelt. In NRW steht vieles im Landes-Immissionsschutzgesetz und in einer Freizeitlärmrichtlinie. Besonders die Nachtruhe soll geschützt werden. Ab 22 Uhr sind deshalb in Stadtkernen nur noch 45 dB(A) erlaubt, kurzzeitig darf's aber um bis zu 20 dB lauter werden. Großzügige Ausnahmen bis Mitternacht gibt es für Biergärten etc.

Tipps für Lärmgeplagte

Die Fenster zu schließen, hilft natürlich – weil der Schall das Ohr dann nur noch indirekt erreichen kann. Aber wer will sich schon an einem schönen Sommerabend in seiner Wohnung verrammeln? Ablenken kann auch schöne Musik aus dem möglichst geschlossenen Kopfhörer. Wenn dann von den Feiernden immer noch zu viel zu hören ist, der kann es mit einem Antischallkopfhörer versuchen. Die aktiver Geräuschkompensation dieser Kopfhörer versucht, störenden Schall wegzubügeln. Brauchbare Markengeräte gibt es ab etwa 100 Euro. Ansonsten hilft nur: Mitfeiern oder Wegfahren.


Stand: 10.08.2012, 10.07 Uhr