WDR 2 Servicezeit - Betriebliche Altersvorsorge: Wenn Arbeitgeber zu wenig Rente zahlen
Die gesetzliche Rente reicht längst nicht mehr, um den gewohnten Lebensstandard später zu halten. Das ist für jeden ersichtlich, der seine jährliche Renteninformation zur Hand nimmt. Als "zweite Säule" der Altersvorsorge empfehlen Experten – zusätzlich zur privaten Vorsorge – die Absicherung über den Arbeitgeber. Eine betriebliche Altersvorsorge ist zwar kompliziert, aber sie kann sich lohnen.

-
Bild 1 vergrößern
+
Zwei Rentnerpärchen von hinten auf einer Bank
Was ist die betriebliche Altersvorsorge?
- … die Altersvorsorge über den Arbeitgeber. Wie genau dieses Vorsorge organisiert wird, regelt jedes Unternehmen anders. Viele Arbeitgeber geben noch etwas dazu, wenn die Mitarbeiter Geld fürs Alter zurücklegen.
- … Anspruch darauf haben Arbeitnehmer. Leider nicht profitieren können also zum Beispiel Selbstständige, Arbeitslose und Studenten.
- … wird vom Staat in der Ansparphase über Steuervorteile und weitgehende Sozialabgabenfreiheit gefördert.
Wie funktioniert die betriebliche Altersvorsorge?
- … in jedem Betrieb anders. Wie genau, hängt davon ab, ob die Höhe des Beitrags oder der späteren Versorgung festgelegt werden, welche Förderung es im Betrieb gibt und für welchen "Durchführungsweg" sich der Betrieb entscheidet (Direktzusagen, Direktversicherungen, Pensionskassen, Pensionsfonds oder Unterstützungskasse).
- … muss vom Betrieb angeboten werden. Einen Anspruch darauf haben Arbeitnehmer, die Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung sind. Sie können vom Betrieb verlangen, dass ein Teil ihres Gehalts nicht direkt ausgezahlt wird, sondern in eine betriebliche Altersvorsorge fließt (Entgeltumwandlung). Das Unternehmen kann allerdings frei entscheiden, wie es die Altersvorsorge organisiert. Mindestens anbieten muss es aber einen Weg, über den die Arbeitnehmer auch die Riester-Förderung nutzen können.
- … Zahlt ein Unternehmen später selbst eine Betriebsrente aus, muss es laut Gesetz alle drei Jahre prüfen, ob die Renten wegen der Inflation und gestiegener Löhne erhöht werden müssen. Eine Erhöhung hängt aber auch davon ab, wie es dem Unternehmen wirtschaftlich geht. Wenn es da zum Streit zwischen Rentnern und Unternehmen kommt, berät der Bundesverband der Betriebsrentner (allerdings nur Verbandsmitglieder) und Fachanwälte. Manchmal bringt aber erst der Gang vor Gericht Klarheit. Bei Betriebsrenten, die über externe Anbieter – Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds – organisiert sind, reichen normalerweise die in der Rentenphase erwirtschafteten Überschüsse für eine regelmäßige Rentensteigerung aus.
Welche Vorteile hat die betriebliche Altersvorsorge?
- Lässt ein Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttolohns direkt in die Altersvorsorge umleiten (Entgeltumwandlung), drückt das die Steuer- und Abgabenlast in der Ansparphase: Auf den Teil des Gehalts, der direkt in die Altersvorsorge fließt, werden bis zu einer Obergrenze weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. So tut der Lohnverzicht weniger weh.
- Im Alter allerdings werden Steuern und Abgaben auf die Versorgungsleistungen fällig. Da Rentner meistens einen geringeren Steuersatz haben als aktive Berufstätige, ist es besser, in der aktiven Phase Steuern zu sparen und dafür später welche zu zahlen. Außerdem sind die Erträge in der Ansparphase steuerfrei.
- Die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich vor allem für Arbeitnehmer, die lange bei einem Betrieb bleiben. Wer den Job wechselt, kann die Ansprüche auf die Altersvorsorge zwar oft mitnehmen, doch Wechsel sind mit Kosten verbunden und das drückt die Rendite.
Weitere Informationen:
Zu den speziellen Angeboten in den Unternehmen beraten die Betriebsräte, Personalabteilungen oder Personalräte. Auch die Gewerkschaften sind oft gute Ansprechpartner.
- Informationen gibt es auch bei den Verbraucherzentalen und der Stiftung Warentest.
Stand: 22.02.2012, 16.30 Uhr
Seite teilen
Über Social Bookmarks