WDR 2 Servicezeit - Vorsorge für den Pflegefall Gut abgesichert

Von Patrick Kremers

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig und benötigen Hilfe, um ihren Alltag zu meistern. Nicht immer können sich die Angehörigen darum kümmern. Das Problem: Professionelle Hilfe ist sehr teuer. Ein Platz im Pflegeheim kostet durchschnittlich rund 3.500 Euro – zu viel für die Durchschnittsrente. Wichtig ist deshalb, sich und die Angehörigen möglichst früh für den Pflegefall abzusichern.


Pflegefallstempel vor Aktenordner
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Pflegefallstempel vor Aktenordner

Gesetzliche Pflegeversicherung

Seit 1995 ist jeder über seine gesetzliche Krankenversicherung auch pflegeversichert. Das gilt auch für privat Versicherte, denn bei den privaten Anbietern liegen Kranken- und Pflegeversicherung meist in einer Hand. Die Pflegeversicherung zahlt im Pflegefall. Wie viel Geld es gibt, regelt ein Gesetz. Die Höhe des Betrags richtet sich dabei nach der Form der Pflege und nach der Pflegestufe der Person, die hilfsbedürftig ist.

Finanzierungslücke

Ein Beispiel: Wer mindestens drei Stunden pro Tag Hilfe braucht – etwa beim An- und Ausziehen, beim Waschen oder beim Führen des Haushalts – ist in Pflegestufe II. Lässt sich die Person stationär im Pflegeheim versorgen, gab es von der Pflegekasse dafür im vergangenen Jahr monatlich 1.279 Euro. Das Problem: Die Lücke zwischen dem, was das Pflegeheim tatsächlich kostet und dem, was die Pflegekasse zahlt, ist enorm. In unserem Beispiel fehlen mehr als 2.000 Euro - mindestens. Die muss die pflegebedürftige Person in der Regel selbst aufbringen.

Zusatzvorsorge

Wer bei einer stationären Pflege nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein möchte, muss sich deshalb selbst um die finanzielle Absicherung kümmern. Versicherungen bieten dafür die private Pflegeversicherung an, die es in verschiedenen Varianten gibt: Pflegetagegeldversicherung, Pflegekostenversicherung und Pflegerentenversicherung.

Pflegetagegeldversicherung

Viele Experten raten zu dieser Variante, denn das Geld ist nicht zweckgebunden und der Versicherte kann frei über die Summe verfügen. Das Pflegetagegeld eignet sich also besonders für Menschen, die eher zu Hause leben und von den Angehörigen gepflegt werden. Wer sich für die Pflegetagegeldversicherung interessiert, sollte auf jeden Fall mehrere Angebote einholen und vergleichen. Denn die Preisspannen bei dieser Form der Pflegeversicherung sind groß. Ein 35-jähriger Angestellter, der ein Pflegetagegeld in Höhe von 100 Euro versichern möchte, zahlt zwischen zehn und knapp 60 Euro. Grund dafür sind Unterschiede bei den Leistungen. Manche Versicherer zahlen bei Pflegestufe I zum Beispiel gar nichts, sondern erst ab Pflegestufe II oder III.

Pflegekosten- und Pflegerentenversicherung

Bei der Pflegekostenpolice werden die tatsächlich entstandenen Kosten bis zu einem vorher festgelegten Betrag erstattet. Der Bedarf muss durch Rechnungen belegt werden. Viele Versicherer zahlen nur bei professioneller Hilfe. Die Pflege durch Angehörige ist bei dieser Variante der Privatvorsorge oft nicht gedeckt. Bei der Pflegerentenversicherung wird die Risiko-Vorsorge mit einem Sparprogramm kombiniert. Das klingt zwar häufig attraktiv, macht die Vorsorge in der Regel aber nur teurer als nötig. Sowohl Stiftung Warentest und auch der Bund der Versicherten raten deshalb, die Finger von diesem Modell zu lassen.

Der neue Pflege-Bahr

Anfang 2013 ist die staatlich geförderte ergänzende Pflegezusatzversicherung (GEPV) gestartet. Besser bekannt ist diese Zusatzversicherung unter dem Namen "Pflege-Bahr", benannt nach Daniel Bahr, dem Bundesminister für Gesundheit. Das Prinzip dieser Zusatzversicherung: Der Staat fördert die Verträge mit einer Zulage von 60 Euro im Jahr, wenn die Versicherten einen Beitrag von mindestens 10 Euro im Monat selbst leisten. Mitmachen kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt und gesetzlich pflegeversichert ist.

Da das Programm gerade erst angelaufen ist, gibt es noch nicht viele Policen auf dem Markt. Und nicht für jeden lohnt sich die neue Form der Zusatzversicherung. Geringverdiener sollten sich den Abschluss genau überlegen, auch wenn die Beiträge recht niedrig sind. Denn sollten sie irgendwann auf die Grundversorgung vom Staat angewiesen sein, werden die Leistungen der Versicherung im Pflegefall angerechnet. Es gibt also entsprechend weniger Unterstützung, und die eingezahlten Prämien bringen keine zusätzliche Versorgung.

Früh mit der Vorsorge starten

Egal, für welche Vorsorge-Variante man sich entscheidet – grundsätzlich gilt: Je jünger man bei Beginn der Versicherung ist, desto geringer ist der Beitrag. Trotzdem sollte man sich gut überlegen, ob und wann man sich am besten gegen die eigene Pflegebedürftigkeit absichert. In jungen Jahren, wenn bei vielen das Geld noch knapp ist, sollte man zuerst Versicherungen abschließen, die vor finanziellen Katastrophen schützen und die jeder haben sollte.

Dazu gehören etwa die Privathaftpflicht, die Hausrat- oder die Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei letzterer ist – genau wie bei den meisten Unfallversicherungen - das Pflegerisiko mit abgedeckt. Das heißt: Für viele Verbraucher ist die Pflegeversicherung also eine Kann-, keine Muss-Versicherung.


Stand: 09.01.2013, 00.00 Uhr