WDR 2 Servicezeit - Vorsicht Schadstoffe Gesund renovieren

Von Patrick Kremers

In einer frisch renovierten Wohnung fühlen wir uns wohl. Sehr gesund ist Renovieren in den meisten Fällen aber nicht. Denn ausdünstende Wandfarben, Lösungsmittel und mit Chemie behandelte Teppichböden geben häufig gesundheitsschädliche Dämpfe ab, die besonders Allergikern zu schaffen machen.


Zwei Freunde streichen eine Wand

Die Folge: Kopfschmerzen, tränende Augen oder juckende Haut. Wer zu Hause die Wohnung auf Vordermann bringen möchte, sollte deshalb unbedingt schadstoffarme Materialien verwenden. Schließlich verbringen wir bis zu 20 Stunden am Tag in mehr oder weniger geschlossenen Räumen.

Tapeten im Schlafzimmer

Besonders aufpassen müssen die Handwerker in Schlaf- und Kinderzimmern. Der Grund: Im Schlaf senkt sich unser Stoffwechsel herab und Schadstoffe wirken dann besonders intensiv. Am besten verwendet man beim Renovieren deshalb Papier- oder Raufasertapeten. Die Finger sollte man von Tapeten mit einem hohen Kunststoffanteil lassen. Die enthalten in der Regel Formaldehyd – ein Stoff, der bei hoher Konzentration die Lunge und die Haut reizen kann. Verzichten sollten die Handwerker besser auch auf Kleister mit Kunstharzen. Stattdessen kann man für die Befestigung der Tapeten einen Kleister auf Zellulose- oder Stärkebasis benutzen. Das Gute daran: Umweltfreundliches und gesundes Renovieren muss nicht zwangsläufig teurer sein. Eine schadstoffarme Raufasertapete kostet zum Beispiel nicht mehr als eine Tapete mit Weichmacher.

Wandfarben und Lacke

Wer zu Hause schon einmal gestrichen hat, kennt dieses Problem: tagelang stinkt es in den Räumen nach Chemie. Farben und Lacke bestehen aus Farbpigmenten, Bindemitteln, Konservierungsstoffen und Lösemitteln. Besonders die Lösemittel schädigen die Nerven, die Leber, die Nieren und die Atemwege. Wenn möglich, sollte man Lackierarbeiten also an der frischen Luft erledigen. Beim Kauf der Lacke und der Farben sollte man darauf achten, dass sie entweder das Umweltzeichen der „Blaue Engel“ tragen, das Europäische Umweltzeichen oder das TÜV-Umweltsiegel. Diese Produkte enthalten weniger Lösungsmittel und sind damit verträglicher. Allerdings: Ganz ohne Ausdünstungen kommen auch sie nicht aus. Deshalb unbedingt gut lüften, wenn man gestrichen oder lackiert hat. Mehrmaliges Stoßlüften von jeweils fünf bis zehn Minuten sorgt nicht nur für weniger Chemiegestank, sondern ist auch wichtig für ein gutes Raumklima.

Bei Fußböden

Ob Holz, Kork oder PVC: In vielen Bodenbelägen sind Schadstoffe enthalten – auch in Teppichböden. Bis etwa Mitte der 1970er Jahre benutzte man zum Kleben von Parkett oft teerhaltige Stoffe, die polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthielten. Die Folge: Übelkeit und Kopfschmerzen. Man vermutet sogar, dass diese Stoffe krebserregend sind. Ähnlich ist es bei Kork. Der ist zwar grundsätzlich ein Naturprodukt, allerdings werden bei seiner Herstellung oft Bindemittel eingesetzt. Furnierter Kork ist zudem mit lösemittelhaltigem Lack behandelt. Wer sicher gehen möchte, dass er diese Stoffe zu Hause nicht verbaut, kann auf das Kork-Logo achten. Es zeigt an, dass ein Produkt schadstoffarm und somit unbedenklich ist.

Vorsichtig sollte man zudem mit PVC-Böden sein, die seit den 1960er Jahren eingesetzt werden. Das Problem: Der Belag enthält Weichmacher, die im Laufe der Zeit ausdampfen oder abreiben – und im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Wichtig: den alten PVC-Boden kann man nicht einfach über den normalen Müll entsorgen. Es gibt spezielle Sammelstellen, an denen man die Abfälle abgeben kann. Von dort werden sie in spezielle Entsorgungsanlagen gebracht. Wo es die nächste Sammelstelle für PVC-Bodenbeläge gibt, erfährt man entweder bei der "Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling" oder bei der örtlichen Stadtverwaltung.

Durchblick im Siegel-Dschungel

Es gibt zahlreiche Siegel, die Verbrauchern beim schadstoffarmen Renovieren helfen sollen. Das Problem dabei: Es sind so viele verschiedene Label, dass man sehr schnell den Überblick verliert. Zu den wichtigsten Siegeln gehört der „Blaue Engel“, mit dem Produkte gekennzeichnet werden, die als besonders umweltfreundlich gelten. Andere wichtige Siegel sind die Euro-Blume (das Europäische Umweltzeichen), das ToxProof-Zeichen, das vom TÜV Rheinland vergeben wird und das FSC-Zertifikat, mit dem Holz aus nachhaltig betriebenem Anbau ausgezeichnet wird.


Stand: 01.08.2012, 12.11 Uhr