WDR 2 Servicezeit - Senioren am Steuer Noch fahrtüchtig?

Von Patrick Kremers

Ein Auto muss regelmäßig auf den Prüfstand, der Fahrer allerdings nicht. Wenn die Eltern das Auto besser abschaffen sollten, weil sie unsicher sind im Straßenverkehr, sorgt das in vielen Familien für Streit. Doch das Autofahren aufzugeben, fällt vielen älteren Menschen – verständlicherweise - sehr schwer.


Senior schaut aus dem Autofenster in den Rückspiegel
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Senior schaut aus dem Autofenster in den Rückspiegel

Neuer Führerschein

Der Führerschein mit Verfallsdatum ist da. Seit vergangener Woche gilt: Führerscheine, die neu ausgestellt werden, sind nur noch 15 Jahre gültig. Dann muss der "Lappen" neu beantragt werden. Auch alte Führerscheine haben jetzt ein Ablaufdatum. Bis zum Jahr 2033 sind sie noch gültig, dann müssen auch sie neu beantragt werden. Allerdings: Die Gesundheit wird dabei nicht überprüft, eine neue Prüfung muss man auch nicht ablegen. Ziel der Reform ist nämlich nicht, die Straßen sicherer zu machen, sondern ein besserer Schutz vor Fälschungen und einheitliche Regelungen in ganz Europa.

Sind Alte schlechte Autofahrer?

Bislang galt in Deutschland: Wer einmal seinen Führerschein gemacht hat, durfte bis zu seinem Lebensende damit fahren. Auch im hohen Alter, wenn es wohl vernünftig wäre, das Auto in der Garage zu lassen. Senioren am Steuer – eine tickende Zeitbombe? Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig. Dabei würden rund 82 Prozent der über 65-Jährigen auf ihren Führerschein verzichten, wenn sie nicht mehr sicher fahren würden. Das hat eine Befragung im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ergeben. Die Unfall-Statistik sieht allerdings aus wie ein "U": Bei den ganz jungen Autofahrern (zwischen 18 und 25 Jahren) ist die Unfallquote hoch. Dann fällt die Statistik langsam ab, um dann wieder anzusteigen: Ab Lebensalter 70 steigt das Unfallrisiko wieder signifikant an. Immer wieder verursachen Senioren auch schwere Verkehrsunfälle. Sie verlieren die Kontrolle über ihr Auto oder sind mit komplexen Verkehrssituationen überfordert, vor allem in Abbiegesituationen. Geisterfahrer sind überdurchschnittlich oft Senioren. Die Versicherer haben schon reagiert: Wer älter ist, zahlt mehr für die KfZ-Versicherung. Nicht selten muss ein 85-Jähriger 100 Prozent mehr für die Jahrespolice berappen als ein 60-jähriger.

Was sich im Alter ändert

Ältere Menschen haben in ihrem Leben viele Erfahrungen im Straßenverkehr sammeln können. Doch im Alter lassen die Kräfte nach, das Sehen und Hören verschlechtert sich. Drei Viertel der Menschen über 79 klagen über eine schlechte Sehschärfe, bei den 60- bis 69-Jährigen sieht jeder Vierte schlecht. Ein eingeschränktes Sichtfeld kann für den Straßenverkehr schnell gefährlich werden. Die Experten des DVR raten deshalb: Einmal im Jahr sollten Senioren den Augenarzt bitten, die Sehschärfe zu untersuchen und den Ohrenarzt zu konsultieren.

Den Arzt um Rat bitten

Im Alter sind viele Menschen auf Medikamente angewiesen. In diesem Fall sollte man einen Blick in den Beipackzettel werfen. Bei manchen Medikamenten sollte man nämlich besser nicht Auto fahren, sie wirken sich negativ auf die Fahrtüchtigkeit aus. In diesem Fall hilft auch ein Gespräch mit einem Arzt, der dabei helfen kann, die Fahrtüchtigkeit zu beurteilen. Fast 70 Prozent der Senioren würden ihren Führerschein freiwillig abgeben, wenn ihr Arzt ihnen dazu raten würde. Allerdings sprechen die Mediziner das Thema nur selten von sich aus an. Es lohnt sich also, den Arzt um Rat zu bitten.

Probefahrt mit Fahrlehrer

Wer möchte, kann auch einen Fahrlehrer um eine Probefahrt bitten. Der Profi macht sich ein Bild davon, wie gut oder wie schlecht die Reaktionen des Autofahrers sind. Alternativ kann man die Fahrtüchtigkeit bei einer anerkannten Untersuchungsstelle prüfen lassen – zum Beispiel beim TÜV oder bei der Dekra. Wer bei seinen Eltern mit Argumenten nicht weiterkommt, sollte diesen Schritt erwägen. Denn die Untersuchung der DVR hat ergeben: 56 Prozent der Senioren würden ihren Führerschein freiwillig abgeben, wenn ein Fachmann sie nach einer Testfahrt für fahruntüchtig halten würde.

Trainings für Senioren

Überall in Deutschland gibt es Programme und Seminare, die sich speziell an Senioren richten, die nicht auf ihr Auto verzichten möchten. Dort werden alle Fragen beantwortet und die Seh- und Reaktionsfähigkeiten werden getestet – und zwar unverbindlich, also ohne Gefahr für den Führerschein. Solche Programme bietet zum Beispiel die Deutsche Verkehrswacht an, aber auch der ADAC und der ACE (Auto Club Europa) haben ähnliche Angebote.

Der Umstieg

Wer seinen Führerschein abgibt, sollte das gut planen. Denn Senioren legen großen Wert auf Mobilität – darauf, dass sie ihren Alltag auch ohne fremde Hilfe bewältigen können. Wer sich fit genug fühlt, kann zum Beispiel das Fahrrad benutzen. Doch auch dort ist Vorsicht geboten, schließlich ist Fahrradfahren nicht ungefährlich und es setzt Training voraus. In Städten können Senioren meist den öffentlichen Nahverkehr für ihre Besorgungen nutzen – den Bus oder die Straßenbahn. Längere Strecken, zum Beispiel in eine andere Stadt, können sie mit dem Zug erledigt werden. Fast alle Verkehrsbetriebe haben für Senioren spezielle Angebote und Vergünstigungen. Es lohnt sich also, beim regionalen Anbieter einmal genauer nachzufragen.

Öfter mal Taxi fahren

Wer auf dem Land lebt, wo der Bus nur selten fährt, kann statt des eigenen Autos zum Beispiel ein Taxi nehmen. In den allermeisten Fällen ist das sogar viel günstiger, als mit dem eigenen Auto zu fahren. Schließlich spart man sich die Ausgaben für Treibstoff, Autoreparaturen, Steuern und Versicherungen.


Stand: 23.01.2013, 00.00 Uhr