Uhr-Umstellung auf Winterzeit: Zeitsprung in der Kritik
In der Nacht zu Sonntag (27.10.2012) wird uns wieder "eine Stunde geschenkt", denn dann endet die Sommerzeit. Doch die alljährliche Zeitumstellung ist in der Kritik. Dagegen wünschen sich die Russen diese sehnlichst zurück.
Um 3 Uhr wird am Sonntag (28.10.2012) die Uhr um eine Stunde auf "Winterzeit" zurückgestellt. Den Wechsel gibt es seit 1980. Als Grund galt damals die Überlegung, durch eine bessere Nutzung des Tageslichts Energie sparen zu können.
-
-
Bild 1 vergrößern
+
Die Zeitumstellung macht vielen Menschen Probleme (Fotostrecke 1)
Regelung ist mittlerweile umstritten
Doch die Regelung ist umstritten: Landwirte klagen über wirtschaftliche Einbußen; Spediteure über kaum vermeidbare Verspätungen; religiöse Gruppen über Komplikationen, wenn sich beispielsweise Gebetszeiten nach dem Stand der Sonne richten.
Arbeitsmediziner Müller bei WDR 2: Zeitumstellung birgt Risiken
Audio
- Audio: "Zeitumstellung macht unsere inneren Rhythmen kaputt": Interview mit Arbeitsmediziner Rainer Müller (26.10.2012) Steffi Neu / Rainer Müller, WDR 2 Westzeit
"Es ist eine biologische Grundtatsache, dass das Leben ein Rhythmus ist", sagt Prof. Dr. Rainer Müller. Der Arbeitsmediziner von der Universität Bremen ist ein erklärter Gegner der alljährlichen Zeitumstellung. Und die Umstellung bringe "den großen Dirigenten", den tageslichtgesteuerten Taktgeber in unseren Gehirnen, an dem sich alle anderen Organe orientieren, gründlich durcheinander. Bei der Umstellung um eine ganze Stunde handele es sich "nicht um Peanuts": Die verschobene Stunde lässt sich nicht ohne weiteres ausgleichen, die Anpassung des Körpers kann bis zu 14 Tage dauern. Eine riskante Zeit: Medizinische Studien zeigen, dass nach einer solchen Umstellung beispielsweise das Infarktrisiko bei Menschen mit Vorschädigung ansteigt.
"Warum Menschen sinnlos nerven?"
Audio
- Audio: "Die Sommerzeit ist sinnlos": Interview mit Europaparlamentarier Herbert Reul (CDU) (26.10.2012) Jürgen Mayer / Herbert Reul, WDR 2 Morgenmagazin
"Die Sommerzeit macht keinen Sinn", ist auch Herbert Reul überzeugt. Der CDU-Europaparlamentarier kämpft seit Jahren gegen die Zeitumstellung. "Ich frage mich, warum wir zwei Mal im Jahr einen riesen Aufwand betreiben, Uhren umstellen und Menschen nerven, obwohl das nichts bringt." Die Begründung, mit der Sommerzeit würde Energie gespart, sei längst widerlegt. Lediglich Stolz und politische Bequemlichkeit hätten bisher verhindert, dass die Regelung wieder abgeschafft wird.
Störung des Schlafrhythmus
Audio
- Audio: Umfrage: Zeitumstellung, ja oder nein? (26.10.2012) Steffi Neu / Christina Renzing, WDR 2 Westzeit
Vier von zehn Deutschen haben Probleme durch die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit. In einer am Montag (22.10.2012) vorgestellten Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse KKH-Allianz klagten 46 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer über eine kurzzeitige Störung des Schlafrhythmus. Neun Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer gaben sogar an, unter der Zeitumstellung regelrecht zu leiden. Die Mehrzahl der Betroffenen brauche einige Tage, um wieder in den normalen Schlafrhythmus zu finden. Für die Umfrage wurden im Oktober 1.014 Menschen in Deutschland befragt.
Russen sehnen sich nach Winterzeit
Audio
- Audio: Russen macht Dauer-Sommerzeit müde (26.10.2012) Heide Rasche / Stefan Vogt, WDR 2 Mittagsmagazin
Zum Erstaunen der übrigen Europäer hatte Russland vor einem Jahr die Umstellung zur Normalzeit abgeschafft. Aber das Leben nach "ewiger Sommerzeit" auch in den dunklen Wintermonaten schlägt vielen aufs Gemüt. Sie klagen in den kalten und dunklen Wintermonaten, sie seien nicht ausgeschlafen oder fühlten sich abgeschlagen. Nun will Russland wohl doch wieder am Uhrzeiger drehen. Doch ob und wann die "Winterzeit" wieder eingeführt wird, ist auch kurz vor dem Stichtag noch offen. Im Gespräch ist, statt der Sommerzeit künftig dauerhaft nach der Winterzeit in Russland zu leben. Die Abschaffung der "Winterzeit" in Russland geht zurück auf Putins politischen Ziehsohn Dmitri Medwedew. Er begründete als Kremlchef im vorigen Jahr die Initiative damit, dass dies weniger Stress für Mensch und Tier bedeute.
Stand: 27.10.2012, 13.50 Uhr
Seite teilen
Über Soziale Medien