Integration in der Bundesliga "Ihr müsst keine Angst haben"

Mit der Initiative "Geh deinen Weg" treten heute am 3. Spieltag alle Bundesligavereine gemeinsam für Toleranz und Integration ein. Nicht nur Spieler mit Migrationshintergrund werden unterstützt. Die Liga packt auch ein Tabuthema an.


Uli Hoeneß, Angela Merkel und Reinhard Rauball halten ein rotes und ein gelbes Trikot und einen Fußball in den Händen.

Für einen guten Zweck verzichten die 18 Bundesligisten am Wochenende (15./16.09.2012) auf Trikotwerbung. Auf den Leibchen wird statt Name und Logo der Sponsoren der Schriftzug "Geh deinen Weg" prangen. Mit der Kampagne werden alle 18 Bundesligisten in einer gemeinsamen Aktion für Toleranz im Fußball werben. "Für Fremdenfeindlichkeit gibt es die Rote Karte", betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel als Schirmherrin der Kampagne am Donnerstag (13.09.2012) in Berlin. Sportler dürften nicht nach Herkunft, Religion oder Hautfarbe beurteilt werden, soll die Botschaft sein.

Signal für mehr Toleranz

Die Liga stellt sich mit der Kampagne neben der Fremdenfeindlichkeit noch einem anderen Problem. Denn während so gut wie jeder Bundesligaverein nicht-deutsche Spieler im Kader hat, sucht man offen homosexuelle Fußball-Profis noch immer vergebens. Mit der Kampagne wollen Sport und Politik die Betroffenen ermutigen, sich an die Öffentlichkeit zu wagen. "Dass immer noch Ängste bestehen, was das eigene Umfeld anbelangt, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben", sagte Merkel.

Angst und Verleugnung

Allerdings hatte ein schwuler Bundesliga-Profi, der anonym bleiben wollte, im Magazin "Fluter" der Bundeszentrale für politische Bildung offenbart, sich aus Angst täglich verstellen und verleugnen zu müssen. Sollte seine Homosexualität bekannt werden, würde er sich nicht mehr sicher fühlen, so der Spieler in dem Interview. Ein Outing hat es im deutschen Elitefußball noch nie gegeben. "Das Thema ist bis heute ungelöst", räumte Ligapräsident Reinhard Rauball ein. Die Nachteile, die ein Schritt an die Öffentlichkeit mit sich bringen können, seien schlicht und ergreifend nicht überschaubar. Ein betroffener Spieler nehme "eine enorme Verantwortung auf sich", sagte er.

Deutscher Fussballbund will "jegliche Hilfe anbieten"

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach stellte allen Akteuren die Hilfe des Deutschen Fußball-Bundes in Aussicht. "Sollte sich ein Spieler, egal ob in der Bundesliga oder der Kreisliga, öffentlich als homosexuell outen wollen und dabei die Unterstützung des DFB benötigen, so wird unser Verband jegliche Hilfe anbieten", meinte Niersbach. "Schließlich sollte es in einer toleranten Gesellschaft keine Rolle spielen, welche sexuelle Neigung jemand hat."


Stand: 15.09.2012, 12.51 Uhr