Ex-FIFA-Direktor Tognoni "Blatter ist für Korruption verantwortlich"

Der langjährige Mediendirektor der FIFA, Guido Tognoni, hat im WDR 2 Interview schwere Vorwürfe gegen Sepp Blatter erhoben. Unter dem FIFA-Präsidenten habe sich ein System organisierter Korruption etabliert, so Tognoni.

Die FIFA gilt seit Jahren als eine korrupte Organisation. Der Name Sepp Blatter ist dabei zum Synonym für Bestechung im Fußballgeschäft geworden. Nachdem jetzt am vergangenen Mittwoch (11.07.12) Schmiergeldzahlungen an FIFA-Funktionäre in Schweizer Gerichtsakten publik geworden waren, startete der stark in die Kritik geratene Blatter am Wochenende über Schweizer Zeitungen eine mediale Großoffensive und nahm dabei vor allem seine deutschen Widersacher aufs Korn.


Sepp Blatter mit Guido Tognoni am 08.07.1990 vor dem Endspiel der Fußball-WM in Italien

Käufliche WM


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Im Gespräch mit WDR 2 äußerte sich nun der längjährige FIFA-Direktor Guido Tognoni zu dem "System Blatter" und den jüngsten Entwicklungen. Auf die Frage, ob eine Fußball-WM unter Blatter käuflich geworden sei, wenn man nur genug Geld hätte, sagte Tognoni, das seien hartnäckige Gerüchte, die sicher auch einige "handfeste Ursachen haben".

"Blatter trägt die Verantwortung"

Blatter hatte am Wochenende angedeutet, bei der WM-Vergabe an Deutschland 2006 sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Tognoni erklärte dazu: "Wenn Sepp Blatter sagt, die Deutschen hätten irgendwie gemogelt, dann ist er ja der Mann, der alle Vorgänge innerhalb und außerhalb der FIFA genau verfolgt. Da wäre er ja selber dafür verantwortlich, dass solche Praktiken toleriert worden sind. "Wenn jetzt nach 12 Jahren so eine Nebelpetarde hochsteigt, kann man sich schon sehr wundern – was soll das Ganze." Die Praxis der WM-Vergabe habe sich in der Zwischenzeit eher noch verschlechtert, so Tognoni. "Aber über allem gibt es einen Verantwortlichen, und der hätte rechtzeitig die Bremse ziehen können. Er hätte ja auch rechtzeitig sagen können: 'So nicht!'"

Organisierte Korruption

Auf die Frage von WDR 2 Moderator Michael Brocker, ob die FIFA unter Blatter ein System organisierter Korruption aufgebaut habe, antwortete Tognoni: "Unter gewissen Voraussetzungen ja. Das hat schon in den 80er Jahren begonnen." Blatter gehe es mit seinen jüngsten Äußerungen darum, Ablenkungsmanöver zu lancieren, da er von der schweizerischen Justiz als "Mittäter" entlarvt wurde, so Tognoni. "Da ist es für ihn wichtig, sich aus der Schusslinie zu bringen und andere Leute in die Schusslinie zu hieven."

Unterstützung von den kleinen Verbänden

Auf die Frage, ob Blatter FIFA-Chef bleiben kann, sagte Tognoni: "So, wie die FIFA strukturiert ist, denke ich, ja. Er hat schon mit einer weiteren Amtszeit nach 2015 gedroht." Entscheidend sei dabei, dass Blatter vor allem bei den kleinen nationalen Fußballverbänden beliebt sei, weil er ihnen mehr gebe, als ihnen eigentlich pro Forma zustehe. "Das ist eine sehr erfolgreiche Regierungspolitik", so Tognoni. "Wenn es morgen noch einmal zu einer Abstimmung kommen würde, würde Blatter locker noch einmal gewählt werden." Von alleine werde Blatter jedenfalls nicht zurücktreten.


Stand: 16.07.2012, 13.23 Uhr