Interview mit Günther Netzer zum Champions League-Finale "Ein Glücksfall"

Der ehemalige Fußballprofi und heutige Fußballexperte Günther Netzer sprach im Interview auf WDR 2 über Rituale bei den Fußballprofis und wagte – ausnahmsweise – einen Tipp für heute Abend.


Der ehemalige Fußballprofi und heutige Fußballexperte Günther Netzer
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Der ehemalige Fußballprofi und heutige Fußballexperte Günther Netzer

"Hoffentlich kein böses Omen für die Bayern"

Hellseherische Fähigkeiten streitet Günther Netzer ab. "Das Spiel ist ein Glücksfall, ein Ausreißer," sagte er im Interview auf WDR 2. Er selbst ist auch im Stadion – nach langen Jahren wurde Günther Netzer von der UEFA eingeladen. Er hofft aber, dass die Bayern seine Anwesenheit heute Abend nicht als böses Omen auslegen - denn beim Champions League-Finale in Barcelona, als Bayern München gegen Manchester United verlor, war er auch dabei.

"Nicht noch einmal erleben"

"Das möchte ich aber nicht noch einmal erleben", so Netzer. Denn man registriere ganz genau, welche Personen bei schlechten Spielen und Niederlagen anwesend seien. Und bei Katastrophen gar – und als solche bewertete Netzer das Finale des FC Bayern gegen Manu - da würde sich ein Spieler merken, wer anwesend sei. "Aber das ist ein einmaliger Vorfall gewesen." Netzer habe in vielen Spielen der Bayern, wo er zugegen war, bewiesen, dass sie auch in seiner Gegenwart gewinnen könnten, und er hofft, "dass dieses Gefühl bei den Spielern überwiegt."

An eigene Rituale kann – oder will - Günther Netzer sich nicht erinnern, aber "irgendwelche Dummheiten fallen den Spielern immer wieder ein, und die sind mir auch eingefallen." Wie Spieler die letzten Stunden vor einem großen Spiel verbringen, sei auch ganz unterschiedlich – manche bräuchten wirklich die Ruhe, wo sie sich zurückziehen und konzentrieren könnten, andere wollen Ablenkung. Ein Ritual von Jupp Heynckes sei ihm nicht bekannt. "Er war ein ziemlich normaler Mannschaftskollege."

"Ich glaube an 90 Minuten"

Netzer glaubt nicht, dass die Mannschaften das Spiel irgendwie über die Runden bringen wollen, um ein Elfmeterschießen zu reißen. "Ich glaube an 90 Minuten", sagte Netzer auf WDR 2. Und – er favorisiert die Bayern. Zunächst seien sie für ihn ein leichter Favorit gewesen. Das war vor der Meldung, dass Götze nicht einsatzfähig sei. Nun revidierte Netzer diese Aussage zu: "Für mich ist Bayern jetzt ein größerer Favorit. Götze ist ein Ausnahmespieler, und wenn er in bester Verfassung gewesen wäre, dann hätten für mich die Dortmunder größere Chancen gehabt, als jetzt ohne. Sie werden auch das bewältigen, bewältigen müssen. Aber die Aufgabe gestaltet sich jetzt für sie ein bisschen schwerer."

Günther Netzer wagt einen Tipp

Einen Tipp hier auf WDR 2 abzugeben, fiel Günther Netzer wirklich schwer. "Ich bin der Meinung, dass Bayern gewinnen wird, aber nicht hoch" und tippte schließlich auf ein 2:1. Moderatorin Kerstin Hermes, die auch nur selten tippt, gab dann ihr 3:1, ebenfalls für die Bayern, ab.


Stand: 25.05.2013, 11.41 Uhr