Kroatien - Spanien 0:1: Spanien schlägt Kroatien mit viel Mühe
Durch einen späten 1:0 (0:0)-Sieg gegen Kroatien ist Titelverteidiger Spanien ins Viertelfinale der Fußball-EM eingezogen. Die Kroaten schieden dagegen aus, weil Italien im Parallelspiel gegen Irland gewann.

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Hellblauer Jubel: die Spanier nach dem Siegtreffer
Vor 39.000 Zuschauern im polnischen Danzig taten sich die Spanier gegen sehr defensiv eingestellte Kroaten schwer, ihr gewohntes Kurzpassspiel aufzuziehen. Erst als Kroatien in der Schlussphase alles nach vorne warf, entstanden Räume für den amtierenden Welt- und Europameister. Das Tor des Tages erzielte schließlich der eingewechselte Jesus Navas (88.).
Bei einer Niederlage wären die Spanier ausgeschieden - und Kroatien hatte durchaus Chancen. So aber treffen die Iberer im Viertelfinale als Sieger der Gruppe C auf den Zweiten der Gruppe D, der erst am Dienstag (19.06.12) ermittelt wird. "Wir wollten nicht auf Unentschieden spielen, das wäre gefährlich geworden", sagte Spaniens Trainer Vicente del Bosque. "Kroatien hat ein sehr gutes Spiel gemacht, aber am Ende haben wir bewiesen, dass wir das Spiel kontrollieren können." Der kroatische Trainer Slaven Bilic gratulierte Spanien, "aber vor allem meinen Spielern. Wir hatten die besten Chancen im Spiel. Wenn man gegen den Weltmeister spielt, muss man solche Chancen nutzen".
Pranjic für Perisic
Del Bosque hatte auf dieselbe spanische Startelf gesetzt, die zuvor 4:0 gegen Irland triumphiert hatte. Fernando Torres erhielt nach seinen zwei Treffern also erneut das Vertrauen als Mittelstürmer, Cesc Fabregas nahm auf der Bank Platz.
Bilic baute die kroatische Mannschaft dagegen ordentlich um, setzte gegen die technisch beschlagenen Spanier auf mehr Defensive. Im linken Mittelfeld ersetzte Bayern-Profi Danijel Pranjic den Dortmunder Ivan Perisic. Der ehemalige Leverkusener Domagoj Vida begann als Rechtsverteidiger, dafür rückte Kapitän Dario Srna ins rechte Mittelfeld. Ivan Rakitic, der dort zuvor zweimal begonnen hatte, rotierte ins defensive Mittelfeld, Superstar Luka Modric rückte vor auf die Zehnerposition. Wolfsburgs Mario Mandzukic spielte als alleinige Spitze, sein bisheriger Sturmpartner Nikica Jelavic flog aus der Startelf.
Stark und Meyer verweigern Elfmeter
Wie die Aufstellung schon vermuten ließ, versuchte Kroatien erst gar nicht, den Spaniern in Sachen Spielwitz und Offensive das Wasser zu reichen. Stattdessen zogen sich alle elf Kroaten hinter die Mittellinie zurück und stellten die Räume zu, in denen die spanischen Edeltechniker üblicherweise ihr Kurzpassspiel aufziehen. Folgerichtig taten sich die Spanier schwer gegen die dicht gestaffelte kroatische Abwehr. Lediglich einmal fand David Silva eine Lücke und bediente Andres Iniesta, dessen Schuss allerdings harmlos blieb (12.). Zwischendurch versuchten es Torres mit einer Einzelaktion (23.) und kurz danach Sergio Ramos mit einem Distanzschuss. Richtig gefährlich waren die Aktionen aber nicht.
Stattdessen hatten die Spanier in der 27. Minute Glück, als Sergio Ramos im eigenen Strafraum eine harte Grätsche gegen Mandzukic auspackte. Er touchierte den Ball zwar leicht, traf mit seinen Stollen Mandzukics Fuß jedoch noch deutlich voller. Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark und dessen Torrichter Florian Meyer, der nur einen Meter entfernt stand, entschieden allerdings auf Eckball. Ansonsten sorgten in der ersten Hälfte nur noch die kroatischen Fans für Aufregung, die bengalische Feuer zündeten und dadurch das Tor von Iker Casillas zwischenzeitlich in weißen Rauch hüllten.
Rakitic verpasst die Führung
Nach der Pause mussten die Kroaten ihre destruktive Taktik aufweichen. Italien hatte in der Zwischenzeit gegen Irland die Führung erzielt, ein Unentschieden gegen Spanien würde den Kroaten deshalb nicht mehr für den Einzug ins Viertelfinale reichen. In der 59. Minute hatte Ivan Rakitic die große Chance zur Führung, scheiterte jedoch mit seinem Kopfball nach schöner Außenrist-Flanke von Modric aus kurzer Distanz an Iker Cassillas.
Spaniens Trainer del Bosque reagierte auf die harmlosen Offensivbemühungen seines Teams mit einem überraschenden Wechsel. Er nahm Torres, der kaum verwertbare Bälle erhalten hatte, in der 61. Minute vom Feld. Aber statt Cesc Fabregas zu bringen, der als Aushilfsstürmer schon zwei Treffer erzielt hatte, schickte er den Mittelfeldmann Jesus Navas aufs Feld. Fabregas kam erst in der 73. Minute für David Silva. Kroatiens Trainer Bilic setzte in der 66. Minute ein Zeichen, als er in Perisic und Jelavic zwei offensive Spieler für Pranjic und Vida einwechselte.
Navas vertreibt alle Zweifel
In der letzten Viertelstunde häuften sich die Chancen auf beiden Seiten. Fabregas zögerte zu lange (78.), auf der anderen Seite parierte Casillas einen Schuss von Perisic. Spanien spielte seine Konterchancen nicht konsequent zu Ende, Busquets (80.) und Iniesta (84.) vergaben gute Chancen. Erst in der 88. Minute machte der eingewechselte Navas alles klar. Fabregas hebelte die kroatische Defensive mit einem Lupfer aus, Iniesta legte quer auf Navas, der nur noch einschieben musste. Letztlich lag del Bosque mit seinem ungewöhnlichen Wechsel also goldrichtig.
Stand: 18.06.2012, 23.21 Uhr
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